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Warum Vögel
nicht von der Stange fallen
Die Bedeutung der Hüften für Gleichgewicht
und Gesundheit
Wir Taiji Quan Praktizierenden leben doch in einer
spannenden Zeit. Einerseits kommt immer mehr Know How über Taiji
Quan in unser Land, zum anderen gibt es Erkenntnisse und Theorien, die
auch fürs Taiji Quan interessant sind, seitens moderner Wissenschaft.
Da wird um das Bauchhirn diskutiert, da man auf den Darmwänden
mehr Nervenverbindungen als im gesamten Rückenmark festgestellt
hat. Die Biophotonenforschung von Prof. Popp beleuchtet die Lebensenergie.
Der US-Physiologe Guang-Yue vom Lerner Research Institut Cleveland hat
nachgewiesen, dass Muskeln sich allein mit der Kraft des Geistes kräftigen
lassen. Bei einem Test mussten sich mehrere Probanden in Gedanken regelmäßig
darauf konzentrieren, wie es wäre, wenn sie bestimmte Muskelpartien
ihres Körpers trainieren. Nach einer Woche hatte die Masse der
lediglich meditativ bewegten Muskeln um bis zu 15% zugenommen. Die motorischen
Neuronen in unseren Nerven, welche die Muskelbewegungen auslösen,
lassen sich durch starke Impulse vom Gehirn stimulieren. Ornithologen
entdeckten ein 2tes Gleichgewichtszentrum bei Vögeln, welches in
den Hüften lokalisiert wurde und letztlich den Vögeln helfen
soll, „nicht von der Stange zu fallen“.
All das ist für uns Taiji Quan Übende
nichts neues. Im Bauch sein, aus ihm heraus die Bewegungen steuern und
die Lebensenergie Qi mit Achtsamkeit lenken. Den Hüften, bzw. der
Hüftstellung kommt beim Umsetzen von Taiji Quan Prinzipien eine
zentrale Bedeutung zu. In den Hüften finden wir unser Gleichgewicht.
Zum
einen dienen die beiden Hüftknochen mit dem Kreuzbein der Wirbelsäule
als Fundament, die wiederum mit dem Kopf unsere senkrechte Körperachse
bildet. Andererseits sind die Hüftgelenke die „Schaltstellen“
der Verwurzelung in die Erde. Über die Ausrichtung der Hüfte/Becken
und Wirbelsäule arbeiten wir auf der Grundlage der Entspannung
an unserer Struktur, um Energie frei fließen zu lassen. Auf dem
Weg zur Perfektion treffen wir oft auf Hindernisse. Hier können
wir nicht richtig entspannen, dort sind wir verspannt, sind emotional
nicht in Balance oder leiden unter anderem an „Unpässlichkeiten“,
Schmerzen oder gar Krankheiten.
Anpassung an die Fehlhaltung
Die W.H.O. geht von 70% Wirbelsäulenfehlstellung aus. Weit mehr
Menschen leiden unter einer Fehlstellung der Hüftknochen/Becken.
Um die daraus resultierenden Konsequenzen und den dahinterliegenden
Mechanismus zu verdeutlichen, möchte ich etwas ausholen und auf
folgende Gründe genauer einzugehen:
Eine Fehlstellung der Hüfte/Becken bringt die Körperlängsachse
aus dem Lot (Bild I). Der menschliche Organismus wird dieses „aus
dem Lot sein“ versuchen auszugleichen. Die Schiefstellung überträgt
sich in den Oberkörper und es folgt eine Herausforderung über
das Gleichgewichtsorgan in den Ohren an das Kleinhirn, den Kopf unter
allen Umständen wieder senkrecht zu stellen. Das Kleinhirn hat
nur eine Chance, die Senkrechtstellung des Kopfes zu bewirken: die bewegliche
Wirbelsäule muss in ihrer Ausrichtung so verändert werden,
damit der Kopf trotz Schiefstellung des Beckens eine Senkrechtposition
einnimmt. Die ochotone Muskulatur macht es möglich, jeden einzelnen
Wirbel unabhängig zu bewegen (siehe Chan Mi Gong Basisübungen.)
Das Kleinhirn erteilt quasi einen Dauerauftrag für Kontraktion
bzw. unnormale Entspannung an die rechts und links des Wirbelkörpers
liegende Muskulatur. Der so entstehende „Verkanntungsdruck“
verschiebt die zwischen den Wirbelkörpern liegende Bandscheibe
mit ihrem Gallertkern.
Der stehende Körper eines Menschen kann sich auf der ganzen Länge
der Wirbelsäule genau dem Schiefstand des Beckens bzw. der Fehlstellung
der Hüfte anpassen (Bild II.) Das Ergebnis wird, wenn die Fehlstellung
nicht ausgeglichen wird, eine Skoliose sowie eine einseitige Belastung
der gesamten Muskulatur sein. Steht das Becken schief, genügt ein
einziger Befehl an die ochotone Muskulatur, auf die Innenseiten einer
zukünftigen Skoliose sich so stark wie möglich zusammen zuziehen
und diese Position mit Hilfe des verschobenen Gallertkerns eisern zu
halten.
Unser Gefäßsystem ist auf so etwas nicht eingerichtet, was
ständigen Muskelkater oder Verspannungen im Rückenbereich
auslöst. Der zusammengezogene Muskel verhärtet seine auf Beweglichkeit
durch Verkürzung ausgerichtete Wirkweise auf ständige Verkürzung.
Das Ergebnis ist eine Situation, wie sie ein Tischler mit „Schwalbenschwanz“
bezeichnet, wenn er zwei Hölzer unlösbar miteinander verbinden
will.
Das Lendenwirbelsäulensyndrom z. B. resultiert nach meinen Erfahrungen
zu 90% aus einer Hüftfehlstellung.
Auswirkungen auf das Skelett
Wie
sieht das Skelett aus, nachdem es durch Anpassung an einen Beckenschiefstand
wieder eine tragbare Statik zurückgewonnen hat? Die infolge des
Beckenschiefstandes schräg zur Senkrechten stehenden Ober- und
Unterschenkel müssen in ihrer Position entscheidend mitverändert
werden. Vor der dringend erforderlichen Muskelanpassung stehen sie in
einer nicht tragfähigen Position. Die Druckverhältnisse in
allen Gelenken verändern sich. Die Belastung drückt nun einseitig
in den leicht verkanteten Gelenken.
Hüftgelenksarthrose, Kniegelenksarthrose, Rippenreizung, Rippenengstand,
LWS-Syndrom, Schulterschmerzen, HWS-Syndrom, Tennisellenbogen, Migräne
und Spannungskopfschmerzen sind die Folgen. Natürlich sind auch
die Fußgelenke schief mit einseitiger Belastung der Fußgewölbe.
Um den Ausgleich zu halten, verändert sich nicht nur die ochotone
Muskulatur der Wirbelsäule. Im gesamten Muskelsystem gibt es Veränderungen.
Die Zugrichtung der Muskeln verändern sich. Die Hüftgelenke,
ursprünglich fähig, bei jedem Schritt das siebenfache des
Körpergewichtes zur Bewältigung aller Geländeformen infolge
der Krümmung des Oberschenkelhalses mit einer riesigen Gelenkfläche
zu tragen, haben nur noch einen einzigen Kontaktpunkt, auf dem die ganze
Last ruht. Im Kniegelenk schließlich findet der „ Abschlussanpassung“
statt. Auch hier wird die Gesamtbelastung der ganzen Fläche aufgegeben
zugunsten einer Punktbelastung auf der Kante. Unserer Kniegelenke sind
schon ab 0,5 cm Beckenschiefstand sehr gefährdet. Hier noch Bewegung
zu empfehlen, ist vergleichbar mit Autofahren bei angezogener Handbremse.
Auswirkungen auf Organe
+ Nervensystem
Doch die Folgen sind viel tiefgreifender und wirken sich auch organisch
aus. Die Funktion der Organe hängt von ihrer Steuerung über
das vegetative Nervensystem vom Gehirn her ab. Übermitteln von
Befehlen und Aktivitätsrückmeldungen zum Gehirn sind die Nerven
des Vegetativum, die über das Rückenmark und die Zwischenwirbellöcher
ihre Bahn zum Organ ziehen. Die Scheiden der Nerven sind so stark mit
Energie geladen, dass sie eine Meldung mit der Geschwindigkeit einer
Pistolenkugel (=200 m/Sek.) weiterleiten. Jeder Nervenstrang hat seine
eigene Blutversorgung und Venen zur Entsorgung. Eine Störung der
Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen im Gehirn und Rückenmark
infolge einer Wirbelfehlstellung durch eine Skoliose, ausgehend vom
Beckenschiefstand, bedeutet Fehlsteuerung und Fehlversorgung. Jede Art
der Wirbelfehlstellung muss sich negativ auf das Vegetativum auswirken.
Die Skoliose bewirkt eine Verengung der Wirbellöcher für den
Austritt der Nerven. Fehlgesteuerte, fehlversorgte und fehlentsorgte
Organe müssen krank werden.
Ursachen der Fehlstellung
Doch wie kommt es überhaupt zu einer Hüftfehlstellung/Beckenschiefstand,
ist der ganze Becken/Hüftkreuzbeinbereich doch mit fast starren
Bändern ausgestattet, um die Basis für die Wirbelsäule
solide zu halten? Als akute Auslöser sind da zunächst Belastungen
„gegen die Statik“ zu nennen, wie sie z. B. bei körperlicher
Arbeit mit Fehlhaltungen und Angewohnheiten mit Fehlbelastung auftreten.
Der akute Beckenschiefstand lässt sich mit verschiedenen Methoden
beheben. Anders verhält sich das bei dem Beckenschiefstand, den
viele bei ihrer Geburt verpasst bekommen haben. Die Geburt läuft
nachweislich seit 4000 Jahren in der gleichen uralten Technik ab. Erst
seit kurzem setzen sich langsam neue Methoden durch. Traditionell hängt
der Geburtshelfer das Baby an den Beinen auf, damit Schleim aus dem
Mund nicht in die Lungen gelangen kann. Wenn das Baby jetzt schreit,
ist alles in Ordnung. Das Becken der Hüfte bleibt in ihrer Normalstellung.
Schreit das Baby nicht, wird ein Bein losgelassen, um den bekannten
Klaps auf den Po durchzuführen. Das Baby schreit, das Körpergewicht
zieht das Becken schief. Die während der Geburt hormonell „eingeweichten“
Sehnen und Bänder der beiden Hüftknochen und des Kreuzbeins
ermöglichen die Passage durch den Geburtskanal, die ein „starres
Becken“ wegen seiner Breite nicht schaffen kann. Nach der Geburt
aber verfestigen sich diese Sehnen und Bänder wieder, um eine solide
Basis für die Wirbelsäule zu halten.
Die Auswirkungen für
Taiji Quan
Eine synchrone Hüftstellung ermöglicht ein besseres Lösen
und Sinken in die Erde, sowie ein Abspannen im Bauch, was eine freiere
Dantian-Arbeit ermöglicht, äußere und innere Zusammenflüsse
werden erfahrbar, weil das Gehirn wieder freie gewohnte Kapazitäten
fürs Taiji Quan nutzen kann. Ist die Anpassungsveränderung
an den Schiefstand auch nur gering, so bewirkt sie doch, dass Energiebahnen
mit hohem Energiepotential umgeleitet werden und so z. B. Organe schädigen
können. Eine tiefe Entspannung und Lösung, die Grundlage für
innere Ruhe, wird auch durch kleinste Ausgleichsspannungen der Muskulatur
gestört. Eine mögliche Störung der Sauerstoffzufuhr führt
mindestens zu Achtsamkeitsdefiziten.
Ab einem bestimmten Zeitpunkt in unserer Taiji Quan Ausbildung wird
ein Weiterkommen mit gesunder Hüftstellung die tieferen Aspekte
unserer Kunst erfahrbar machen.
Therapien
Der deutsche Heilpraktiker Günter Thenee hat seit den 7oer Jahren
eine Therapie zur dauerhaften Behebung eines Beckenschiefstandes entwickelt
und maßgeblich den Lehrstoff in Hebammenschulen beeinflusst. Der
1917 geborene Japaner Kimiyoshi Isogai war einer der ersten Mediziner,
die Ursache und Folgen einer Hüftfehlstellung klinisch erforschten.
Öffentlich kaum wahrgenommen, entwickelte sich die Isogai Dynamik
Therapie zum Geheimtipp unter östlichen Therapeuten. Die Übungen
dazu sind einfach und in der Regel selbstständig auszuführen.
Natürlich ist auch Taijiquan selbst eine Therapie,
und wir sind letztendlich aufgefordert, auch hier Eigenverantwortung
zu übernehmen und neben dem „Was“ oder „Wie“
unseres Empfindens und Befindens auch nach dem „Warum“ und
„Woher“ zu fragen und als Auslöser auch die Hüftstellung
in Betracht zu ziehen.
Liste der beschwerden
+ krankheiten wenn das linke Bein länger ist .Nach „ isogai
dynamik Therapie“
| 1 |
Überanstrengung der
Augen, Asthenopia, Augenentzündung |
| 2 |
Ozaena - Stinknase |
| 3 |
Verformung der Nasenscheidewand |
| 4 |
Schiefstehender Mund |
| 5 |
Pickel, Sprachstörungen, Eiterungen |
| 6 |
Mandelentzündungen |
| 7 |
Schultersteifheit ( auf beiden Seiten,
bei fortschreitender Rückwärtskrümmung der Wirbelsäule) |
| 8 |
Kyphoskoliose |
| 9 |
Schielen |
| 10 |
Grimassen |
| 11 |
Ohrensausen, schlechtes Hören,
Zahnschmerzen |
| 12 |
Trigeminusneuralgie |
| 13 |
Schlaflosigkeit |
| 14 |
Sehnenschmerzen |
| 15 |
Morbus Duplay´s |
| 16 |
Neuralgien, Rheuma, Schulter-Nackenprobleme,
Multiple Arthritis |
| 17 |
Niedriger Blutdruck |
| 18 |
Sehnenscheidenentzündung, Abnehmende
Druckkraft, Panaritium, Frostbeulen,
fehlende Durchblutung verbunden mit Fehlstellung der Schulter |
| 19 |
Funktionelle Erkrankungen des Zentralen
Nervensystems |
| 20 |
Seekrankheit, Übelkeit, Rückenschmerzen |
| 21 |
Probleme mit dem Zentralen Nervensystem |
| 22 |
Interkostalneuralgien |
| 23 |
Entzündungen der Eingeweide,
abhängig von der Wirbelsäulendeformation |
| 24 |
Anfälligkeit für Lungenerkrankungen |
| 25 |
Nach vorne geneigte Schultergelenke
bei konvexer Wirbelsäule |
| 26 |
Hoher Blutdruck |
| 27 |
Hexenschuss, Deformation der Lendenwirbelsäule,
Bandscheibenvorfall
Karies/Knochenfraß |
| 28 |
Müdigkeit, schwache Konstitution,
Wechseljahresbeschwerden |
| 29 |
Krampf im Oberschenkel, schlappes
Gefühl und schnell stolpern meistens auf
Dieser Seite |
| 30 |
Neuralgie, Nekrose und Gicht entlang
der Oberschenkelseite |
| 31 |
Entzündete Leistenlymphknoten |
| 32 |
Kniegelenksprobleme |
| 33 |
Krankheiten des Kreuzbeins |
| 34 |
Hämorrhoiden |
| 35 |
Asthma |
| 36 |
Blasenentzündungen |
| 37 |
Druckschmerzen |
| 38 |
Blinddarmentzündung |
| 39 |
Druck auf die Beinarterien |
| 40 |
Wadenkrämpfe |
| 41 |
Ischiasneuralgie |
| 42 |
Kalte Konstitution (abhängig
von der Durchblutung) |
| 43 |
Achillessehnenreizung |
| 44 |
Ödeme |
| 45 |
Krämpfe and er Rückseite
des Beins, fühlt sich schlapp an und ist dünner |
| 46 |
Arthritis deformans, allergische Veranlagung |
| 47 |
Folgen von infantiler Paralyse (cerebral
und vertebral) |
| 48 |
Schlechte Fußsohlenbelastung |
| 49 |
Längeres Bein |
| 50 |
Breiterer Fuß |
| 51 |
Bauch-/ Unterbauchschmerzen |
Wenn das linke Bein länger ist, biegt sich
die Wirbelsäule seitlich nach rechts oder entwickelt eine nach
hinten geneigte Krümmung.
Ein Patient mit dieser Konstitution leidet oder wird an Krankheiten
leiden, die den Verdauungsapparat oder Urogenitaltrakt betreffen.
Krankheiten, die das Atemsystem oder den Blutkreislauf betreffen, werden
nicht auftreten.

Liste der beschwerden+krankheiten wenn das rechte
Bein länger ist nach ISOGAI DYNAMIK THERAPIE
| 1 |
Überanstrengung der
Augen, Asthenopia, Augenentzündung |
| 2 |
Ozaena (Stinknase) |
| 3 |
Verformung der Nasenscheidewand |
| 4 |
Schiefstehender Mund |
| 5 |
Pickel, Sprachstörungen, Eiterungen |
| 6 |
Mandelentzündungen |
| 7 |
Schultersteifheit ( auf beiden Seiten,
bei forschreitender Rückwärtskrümmung der Wirbelsäule) |
| 8 |
Kyphoskoliose |
| 9 |
Schielen |
| 10 |
Grimassen |
| 11 |
Ohrensausen, schlechtes Hören,
Zahnschmerzen |
| 12 |
Trigeminusneuralgie |
| 13 |
Schlaflosigkeit |
| 14 |
Sehnenschmerzen |
| 15 |
Morbus Duplay´s |
| 16 |
Neuralgien, Rheuma, Schulter-Nackenprobleme,
Multiple Arthritis |
| 17 |
Sehnenscheidenentzündung, Abnehmende
Druckkraft, Panaritium, Frostbeulen, fehlende Durchblutung verbunden
mit Fehlstellung der Schulter |
| 18 |
Funktionelle Erkrankungen des Zentralen
Nervensystems |
| 19 |
Seekrankheit, Übelkeit, Rückenschmerzen |
| 20 |
Probleme mit dem Zentralen Nervensystem |
| 21 |
Interkostalneuralgien |
| 22 |
Entzündungen der Eingeweide,
abhängig von der Wirbelsäulendeformation |
| 23 |
Anfälligkeit für Lungenerkrankungen |
| 24 |
Nach vorne geneigte Schultergelenke
bei konvexer Wirbelsäule |
| 25 |
Hoher Blutdruck |
| 26 |
Hexenschuss, Deformation der Lendenwirbelsäule,
Bandscheibenvorfall, Karies/Knochenfraß |
| 27 |
Müdigkeit, schwache Konstitution,
Wechseljahresbeschwerden |
| 28 |
Krampf im Oberschenkel, schlappes
Gefühl und schnell stolpern meistens auf dieser Seite |
| 29 |
Neuralgie, Nekrose und Gicht entlang
der Oberschenkelseite |
| 30 |
Entzündete Leistenlymphknoten |
| 31 |
Kniegelenksprobleme |
| 32 |
Gerissene Bandscheibe |
| 33 |
Krankheiten des Kreuzbeins |
| 34 |
Hämorrhoiden |
| 35 |
Asthma |
| 36 |
Druckschmerzen |
| 37 |
Druck auf die Beinarterien |
| 38 |
Wadenkrämpfe |
| 39 |
Ischiasneuralgie |
| 40 |
Kalte Konstitution (abhängig
von der Durchblutung) |
| 41 |
Achillessehnenreizung |
| 42 |
Ödeme |
| 43 |
Krämpfe an der Rückseite
des Beins, fühlt sich schlapp an und ist dünner |
| 44 |
Arthritis deformans, allergische Veranlagung |
| 45 |
Folgen von infantiler Paralyse (cerebral
und vertebral) |
| 46 |
Schlechte Fußsohlenbelastung
|
| 47 |
Längeres Bein |
| 48 |
Breiterer Fuß |
| 49 |
Niedriger Blutdruck |
Wenn das rechte Bein länger ist, biegt sich
die Wirbelsäule seitlich nach links oder entwickelt eine nach hinten
geneigte Krümmung.
Ein Patient mit dieser Konstitution leidet oder wird an Krankheiten
leiden, die das Atemsystem oder den Blutkreislauf betreffen.
Krankheiten, die den Verdauungsapparat oder Urogenitaltrakt betreffen,
werden nicht auftreten.

Text :Gerhard Milbrat
Abbildungen: Copyr.:G.Milbrat
Der `Tempelpark´
(die komplette Version der gekürzten Kolumne
aus Taiji/Qigong-Magazin 4.02)

Es ist so etwas wie ein Traum, der in Erfüllung
gegangen ist. Viele Leser haben sicher in meinen Kolumnen ein immer
wieder auftauchendes Thema wahrgenommen: Taijiquan und Spiritualität.
Aber auch den Versuch, hierfür eine Plattform, eine Möglichkeit
der Praxis zu finden, die dem Thema gerecht werden kann. Ich hatte eine
Art Aufruf gestartet sich umzusehen, wo man sich in Deutschland in Abgeschiedenheit
und Stille dieser ernsthaften Praxis widmen könne. Daraufhin bekam
ich einige Zuschriften mit schönen und gutgemeinten Hinweisen auf
Klöster und ähnliche Einrichtungen in Deutschland, wo man
sich eine gewisse Zeit zurückziehen könne. Doch das Problem
ist folgendes: Natürlich gibt es gewohnheitsgemäß genug
Orte in Deutschland, wo man in entsprechenden Traditionen Retreats abhalten
kann. Zen- Sesshins beispielsweise sind in Deutschland längst keine
Seltenheit mehr. Viele Taiji- Ausübende nutzen diese Möglichkeiten,
um sich ab und zu ganz der Stille im Sitzen widmen zu können. Dies
ist für das Taijiquan eine sehr gute Bereicherung. Aber es ist
kein Taijiquan. Und genau darum ging es mir: Taijiquan in einer Intensität
und Ruhe trainieren zu können, wie man es sonst nur von diesen
Methoden her kennt.
Erschwerend kommt dazu, dass viele nicht genug Kenntnisse über
Taijiquan haben um zu wissen, dass es innerhalb der Tradition des Taijiquan
eine lange Geschichte von Zurückgezogenheit und Retreats gibt.
Viele vergleichen Taijiquan immer noch mehr mit einer Sportart. Dabei
hat Taijiquan in der daoistischen wie auch in der Tradition der Chen-Familie
einen Stellenwert, der mit Sport oder Freizeitaktivität nichts
mehr zu tun hat. Was aber nicht bedeutet, dass Taijiquan nicht für
die meisten Ausübenden ein hervorragendes Hobby und eine gute Art
der sportlichen Gesunderhaltung sein kann. Sehr ernsthaft betrieben
jedoch hat es weit schwerwiegendere Inhalte, ist es eine tiefgreifende
ganzheitliche Selbsterfahrung, die weit über die Grenzen normaler
Vorstellung hinausgeht. Dafür allerdings bedarf die Ausübung
des Taijiquan einer Umgebung, die eine solche Entwicklung auch zulässt.
Insofern sind Tempel und Klöster sicherlich eine gute Möglichkeit.
Denn oft ist es dort auch möglich auf sich selbst gestellt seine
eigene Praxis ausüben zu können. Allerdings ist ein gewisses
Gastdasein nicht zu vermeiden, da die Klöster in Deutschland einer
anderen Tradition entstammen und vor allen Dingen der Aufenthalt zeitlich
begrenzt ist.
Aber wie so oft liegt die Lösung dann doch ganz nah. Seit zehn
Jahren trainieren ich und einige Schüler immer an derselben Stelle,
immer in demselben Park in Hamburg. Es ist ein sehr schöner, ruhiger
kleiner Park. Jeder kennt uns dort inzwischen. Auch in unserer Abwesenheit
ist unser Trainingsplatz unübersehbar, denn es wächst dort
im wahrsten Sinne des Wortes kein Gras mehr. Nach einiger Zeit des Grübelns,
wo überall auf der Welt wir Orte der Zurückgezogenheit finden
könnten, fassten wir den Entschluss uns für genau unseren
Park direkt vor der Tür zu entscheiden. Wir schufen ein Übereinkommen,
nach dem vom frühen Morgen bis 16 Uhr nicht gesprochen werden soll.
Ebenfalls soll nicht durch Grüßen, Zuschauen oder anderes
die Aufmerksamkeit der Praktizierenden auf sich gezogen werden. Für
eine halbe Stunde kommen alle, die möchten, auf einem gesonderten
Platz zum gemeinsamen Essen zusammen. So hat jeder die Möglichkeit,
sich täglich um die sechs Stunden in Stille und Konzentration den
Sitz- und Standmeditationen, den Seidenübungen und dem Formentraining
hinzugeben. Es ist ein wundervolles Bild, wenn rund ein Dutzend Übende
alleine und doch gemeinsam in sich versunken, über Stunden quasi
`dahingleiten´. Von 16 - 18 Uhr folgen dann zwei Stunden gemeinsames
Training mit spezieller, auf die einzelnen Personen ausgerichteter Betreuung.
So hat jeder nicht nur die Möglichkeit professionell zu trainieren,
sich in Stille selbst zu finden und wirklich zu forschen - er oder sie
erhält auch noch täglich Unterricht. Und das in Sonne und
Hitze, Regen oder Schnee. Wenn es jemandem zuviel oder zu lang wird,
verlässt er einfach die Fläche unseres `Tempelparks´,
wie wir ihn verspielt nennen, und kehrt zurück, wenn er wieder
`bereit´ ist. Wir praktizieren dies inzwischen seit einem halben
Jahr und es sind nicht nur Hamburger, die daran Gefallen finden. Viele
Auswärtige haben bereits ihren Wohnort nach Hamburg verlegt, um
hieran teilhaben zu können. Zur Zeit arbeiten wir an gewissen Subventionierungsprogrammen,
um Interessierten dies auch finanziell ermöglichen zu können,
denn schließlich bleibt zum Arbeiten hier keine Zeit mehr .
Viele bleiben für ein bis zwei Jahre, andere wiederum nur jeweils
eine Woche oder einen Monat. Nur eines ist wichtig: Sobald man auf der
Fläche ist, gilt: schweigen und praktizieren. Keine Handys, kein
`Taiji- Stammtisch´, sondern viel Ruhe, `In sich Gehen´
... und jede Menge Fortschritte.
Vielleicht ist es zu intim, die eigene Praxis hier einer so großen
Öffentlichkeit näher zu bringen. Auch wird hier nur ein `äußerer
Rahmen´ beschrieben, denn natürlich hat die intensive Praxis
für jeden Einzelnen spezielle Aufgaben und Inhalte. Und ich weiß,
dass es nur wenigen bestellt ist, sich so intensiv damit auseinander
setzen zu wollen.
Aber ich denke, wir haben einen Weg gefunden Taijiquan nicht nur in
den Alltag zu integrieren, sondern aus Taijiquan den Alltag zu machen.
Nicht das Training irgendwie mit in den Tag zu quetschen, sondern frei
und grenzenlos praktizieren zu können. Ich bin mir sicher, damit
vielen zu helfen, die ähnliche Träume haben, wenn sie sehen,
dass man Träume auch verwirklichen kann.
Das jedenfalls wäre meine Hoffnung.
Jan Silberstorff
Die 4. Internationale
Kampfkunst Gala
Es war wohl der erste heiße Tag im Mai in
Hamburg, zumindest für die Akteure und auch für die Zuschauer
der 4. internationalen Kampfkunst Gala in der Markthalle. Denn auch
die Hitze schien geahnt zu haben, das sich dort auf der Bühne großes,
spannendes und einmaliges ereignen würde. So blieb sie neugierig
bis zum Ende der vierstündigen Show an unserer Seite. Und sie wurde
belohnt für Ihre Geduld, mit einer Reise durch die verschiedensten
Kampfkünste der Nationen, die in einer solchen Vielfalt selten
an einem Abend zusammen zu sehen ist. Vieles noch nicht gesehene erläuterte
die Moderatorin Birgit Köber dem fachkundigen Publikum. Von Aikido
über Taiji, Kung Fu, Karate, Eskrima, Thailändischen Boxen,
Wrastling, traditionellem Drachentanz und bis hin zu zarten Tanzdarbietungen
und klassischer chinesischer Livemusik wurden Augen und Ohren verwöhnt,
sodass jeder, unterstrichen von den Temperaturen, das Gefühl hatte
auf einer Urlaubsreise zu sein, die leider viel zu schnell vorbei ging.
Aber vielleicht verreisen wir ja mal wieder zusammen.
Vielen Dank an alle die uns diese Reise ermöglicht haben.
Claudia Mohr
- Li Mona -
Traditionelle chinesische Musik
- Lothar Darjes
- Aikido
- Muhamed Hap
- Ki Do & Bruchtest
- Yawara Kiel
- Jiu Jitsu & Wrestling
- Dacascos - Showteam
- Wun Hop Ken Do Kung Fu
- Kalaripayat
- Indische Kampfkunst
- Lin Qiuping &
Li Yanlong - Dragon Culture Tai Chi & Wushu
- Dance Maniacs, Ragna
Williams "Fernweh"
- Dance Maniacs, Ragna
Williams "Irradiation"
- Schule Sifu Frank
Greinacher - Hung Choy Stil Löwentanz
- Wu Dao - Showteam,
Meister Heiko Klisch
- Tang Lang Kung Fu & Tai Chi
- Meister Axel Oschlies
Leung Jan Wing Chun
- Tangun Schule, Meister
Oktai Zhakir Tae Kwon Do
- WCTAG - Meister Jan
Silberstorff Chen Taijiquan
- Pahuyuth Schule
Bremen
- Krabi Krabong
(Kriegskunst der Thais auf dem Schlachtfeld) &
Muay Thai Boran (Trad. Thaiboxen)
- WCTAG - Showteam
Chen Tai Chi
- Bernd Schubert
- Eskrima
- Joe Alexander
- Showteam Stuntfighting
- Dance Maniacs, Ragna Williams
"Falling and catching"
Die Natürlichkeit
der Bewegung
Großmeister Chen Xiaowang in
Deutschland
Es
lässt sich mit der Aufregung vor Weihnachten vergleichen, wenn
die Ankunft des Großmeisters unmittelbar bevorsteht. Und dann
ist er endlich da, wir stehen in der Halle und ich versuche soviel wie
möglich in mir aufzunehmen, sei es zu beobachten wie er sich bewegt
oder das Gefühl seiner Korrekturen so lange wie möglich zu
behalten, denn nachvollziehen, was während der Korrektur geschieht,
ist oftmals nicht möglich. Wie ein Zauberer stellt er die Einzelteile
des Körpers so übereinander, das sich ein warmes, wohliges
Gefühl im Körper verbreitet und ich eigentlich das Gefühl
habe stundenlang in der Stehende Säule stehen bleiben zu können,
bis ich mich wieder bewegen muss und erst dann bemerke wie voll und
schwer die Beine sind. Oder in Korrektur einer Figur, wie zum Beispiel
der Einzelnen Peitsche, die ich für mich selbst doch schon ganz
gut und lange stehen kann, greift die Korrektur dermaßen, das
der Oberschenkel zu platzen droht und das Gesicht heiß und rot
anläuft und ich auch hierbei nicht die leiseste Ahnung habe, was
er da wohl mit mir angestellt hat.
Ein Genuss der ganz besonderen Art ist es, ihm bei seinen Vorführungen
zu zusehen. Die
Natürlichkeit der Bewegungen erinnern an das sich öffnen einer
Blüte oder das geschmeidige, lautlose Dahingleiten einer großen
Raubkatze. Nichts Eckiges oder Unharmonisches unterbricht den Fluss
der Bewegungen und die Stille wird nur ab und zu von einer Fajing -
Explosion zerteilt, um aber im selben Moment wieder zusammen zu fließen.
Auch bei den Push-Hands Routinen oder den Anwendungen wird diese seichte
und doch unerbittliche Kraft deutlich spürbar. Ähnlich einer
Welle, die sanft auf dich zu kommt, dich dann aber erbarmungslos zu
Boden reist. Es ist nichts Hartes oder Aggressives zu spüren doch
die Auswirkungen fatal und der Schmerz eines Hebels bleibt lange an
der Stelle, bevor er wieder vergeht.
So bin ich immer wieder von großer Dankbarkeit erfüllt, Taiji
in solcher Vollendung sehen zu dürfen und werde auch nächstes
Jahr wieder in freudiger Erregung die Ankunft des Großmeisters
erwarten.
Claudia Mohr
Wachstum und Krise
- Reflektionen eines Schülers
Nachdem ich mich nun seit ca. vier Jahren im Chen
Tai Ji Quan übe, stelle ich fest, dass bestimmte Prozesse immer
wiederkehren und diese, ich nenne es mal Krisen, das eigentliche Rezept
für eine Weiterentwicklung sind. Die Übungen bleiben dieselben,
jedoch der Umgang, der Anspruch, die Herangehensweise und die Einstellung,
sowie die Intensität ändert sich. Ich war bislang nicht übermäßig
daran interessiert viele Formen zu sammeln, sondern diese mit „Leben“
zu füllen, so dass Hülle und Kern zu einer geschlossenen Einheit
werden können. Diese Erkenntnis war recht früh in meinem Kopf
und meinen Gedanken, mit meinem Geist und Körper als Einheit gelang
mir diese Erkenntnis allerdings erst dieses Jahr im Sommercamp 2002
der WCTAG Nordrhein - Westfalens.
Nach längerer Übungsruhepause war meine Tai Ji Quan - Praxis
doch recht heruntergekommen. Glücklicherweise stand das alljährliche
Sommercamp unter der Leitung von Gerhard Milbrat bevor, welches immer
eine gute Gelegenheit für einen Neuanfang oder eine intensive Vertiefung
bietet.
Bei
der allmorgendlichen Stehmeditation kam mein erster Einbruch. Ich fand
die mir sonst doch recht vertraute Struktur nicht wieder und hangelte
mich enttäuscht an der Übungsanleitung entlang. Vergebens.
Es kam noch schlimmer. Ich verstand die Korrektur meines Lehrers mit
meinem Körper nicht mehr. So wie dieser mich positionierte kann
doch kein Mensch stehen schoss es mir durch den Kopf. Glücklicherweise
hatte ich keine Alternative und aus Erfahrung und Vertrauen zu den Haltungskorrekturen
und Übungsanweisungen verblieb ich so gut ich es vermochte in entsprechender
Haltung, um selbige zu einem späteren Zeitpunkt selbstständig
wiederzufinden. Nichts desto Trotz - mich packte die Wut, dass ich das
Erarbeitete durch die lange Übungspause hatte verkümmern lassen.
Und das Wissen um die Arbeit die nun vor mir lag verschönerte die
Aussichten nicht gerade. Leider scheint mir das Wesen des Tai Ji zu
ehrlich, als dass es eine Abkürzung gäbe.
Meine Arbeit wurde von mir selbst belohnt. Nach drei bis vier Tagen
fiel das erste Cent. Ich fand mich in meinem Körper wieder besser
zurecht. „Fein“, dacht´ ich, „ dann man los,
ran an die Form!“
Und siehe da - nichts ging.
Na klar, die Bewegungsmuster waren vorhanden - Mensch könnte auch
sagen - es gab Bewegung, aber die war hohl - leer - da war kein Inhalt.
Es fühlte sich an, wie sich ein Buch ohne Bilder und Schriftzeichen
liest - weiße nummerierte Seiten.
„Au weia“ ist wohl die Abkürzung für das dazugehörige
Gefühl.
Aber auch hier war das Licht am nächsten, als die Nacht am dunkelsten
war, ich bekam in der Form in einer Stellung eine Haltungskorrektur
- Guten Morgen.
Zumindest in dieser Stellung fühlte sich nun alles wieder geschlossen
und satt an.
„Alles klar, brauch ich diese Haltung nur mit durch die Form zu
nehmen und schon ist alles easy “, dachte ich.
Das Resultat: Krise Nr. 2
Das, was ich unten halten konnte, brach bei der kleinsten Bewegung oben
aus, als ich oben nach zu korrigieren versuchte, verlor ich das Zusammenspiel
der übrigen Punkte. Die Form war zu komplex, um zielorientiert
und sinnvoll zu üben. Auf diese Erkenntnis folgte so etwas wie
Verzweiflung.
Und dann kam mir meine persönliche kleine Erleuchtung:
Warum um alles in der Welt fange ich nicht da an, wo ich stehe: Am Anfang,
mit den Seidenübungen, bis sich daraus alles weiter erschließt?
Die Bewegungsabfolge ist leichter zu erschließen, da ist alles
drin und in jeder neuen Runde kann ich neu korrigieren, nachjustieren
und kontrollieren.
Diese körperlich spürbare Erkenntnis und das Erfolgsgefühl
darüber ist das Ergebnis kleiner Krisen und der guten Anleitung
meiner Lehrer, ohne die ich möglicherweise nicht weiterkommen könnte.
Peter Jütten
Der Ursprung des Taiji
- das Wuji
Taijiquan beruht auf dem Prinzip von Taiji. Taiji
beschreibt die Dualität der beiden grundlegenden Kräfte Yin
und Yang. Es beschreibt, wie diese Kräfte wirken, und es gibt uns
als Mensch Hinweise darauf, wie wir, die wir innerhalb dieser Dualität
leben, einen Weg finden können, hier einen Ausgleich zwischen den
Kräften finden zu können. Wie wir zurückfinden können,
zu einem Zustand, in dem diese Energien auf natürliche Weise miteinander
harmonieren und als eins zusammen wirken.
„Das
Dao erreicht, wer Yin und Yang harmonisieren kann“, sagt
der daoistische Meister Ren Farong.
Durch die Harmonisierung von Yin und Yang gelange man schließlich
zu einer Auflösung des dualen Zustandes und man könne zurückgelangen
zur ursprünglichen Einheit, zu dem Zustand des `Nichtwandels´,
der `Nichtbewegung´, zur Konstanten, zur Ewigkeit.
Dieser Zustand des ursprünglich nicht dualen, der Zustand, der
sich von nichts unterscheiden lässt, das Eine, nennt man `Wuji´.
Es heißt, der ursprüngliche Zustand des Einen, des Nichtgetrennten,
hätte sich gespalten und die beiden polaren Kräfte Yin und
Yang hervorgebracht. Aus den verschiedenen interaktiven Erscheinungsformen
von Yin und Yang hätten sich alle weiteren Dinge, Geschehnisse
und Wesenheiten entwickelt und werden sich auch weiterhin entwickeln.
Kurz, seither befinden wir uns in dem Zustand von Zeit, sprich Veränderung,
sprich Leben und Tod.
In der daoistischen Mystik heißt es daher, Unsterblichkeit sei
denen bestellt, die fähig wären, diesen Prozess wieder umzukehren
und zu jener Einheit zurückzukehren. Viele Verfahren daoistischer
innerer und äußerer Alchemie, sowie die verschiedensten Schulen
sind aus diesem Konzept hervorgegangen. Eine Methode, die hieraus entstanden
ist, ist das Taijiquan. Hier und auch in vielen anderen alten Mythen
finden wir Anleitungen, wie wir die Kräfte zurück zu ihrer
Essenz von Yin und Yang führen, harmonisieren und auflösen
können.
Die Frage, die sich in diesem Artikel stellt jedoch ist: Wieso hat es
überhaupt eine Trennung gegeben? Wie kam es, dass aus Wuji Taiji
entstanden ist? Wieso ist der Zustand der Einheit verlassen worden und
wieso scheint es, dass die daraus hervorgegangenen polaren Kräfte
immer weiter auseinander streben?
Diese Frage zu klären, zog es mich zu dem daoistischen Tempel Louguantai.
Es ist der Ort, an dem `Laotse´ sein `Daodejing´ hinterlassen
haben soll. Hier lebt der ehrwürdige Abt Ren Farong. Er gilt als
einer der tiefsten Dao-Meister des heutigen Chinas.
Der richtige Mann also, mir diese Frage zu beantworten. Und tatsächlich
habe ich eine Audienz mit ihm und stelle ihm meine Frage.
„Zi ran“, war seine Antwort. Sonst folgte nichts außer
ein Blick gen Himmel und ein Streichen über seinen langen, weißen
Bart.
Zi ran bedeutet Wörterbuch gemäß soviel wie: Natur,
auf natürliche Weise, von selbst, spontan. Dieser Begriff `zi ran´
jedoch spielt sowohl im Daoismus, als auch im Taijiquan eine herausragende
Rolle.
„Prima“, denke ich, „dann kann ich ja wieder zurückfliegen.
Zum Dao komme ich durch Harmonisierung von Yin und Yang und Taiji entstehet
aus Wuji einfach so. Alles klar!“
Nun ist bekannt, dass die Inhalte solcher Begriffe sehr tiefgreifend
sind und schließlich und endlich nur durch Praxis erfahrbar werden.
Man kann es nicht mit Worten erfassen. Also werde ich mich trotz meiner
westlichen Nachfragementalität wohl vorerst damit begnügen
müssen.
„Es ist nicht so, dass in Wuji, dem Einen, nichts vorhanden wäre“,
fährt Meister Ren mit gewaltiger Stimme unvermutet fort. Dies überrascht
sogar seine anwesenden Schüler. Denn es ist bekannt, dass er es
meist nur bei wenigen Worten belässt, die er allenfalls noch an
die Tafel schreibt, da er weiß, dass das, was er sagt, selbst
für Chinesen nur schwer zu verstehen ist.
„Wuji entsteht aus ´hun dun shi
jie´. Wuji ist das Eine, aber es ist bereits alles in ihm vorhanden.
Es ist nur noch nicht von einander getrennt. Durch `zi ran´, auf
natürliche Weise, teilen sich die Dinge von einander, es entsteht
Taiji.“ Erklärt er meinen aufwogenden Fragen zuvorkommend.
In meinen Gedanken formt sich das Bild zweier Steine, die aneinander
auf der Fensterbank liegen. Lasse ich sie ein Jahr in Ruhe, werde ich
danach sicherlich feststellen, dass sie sich weiter von einander entfernt
haben, ohne das direkt auf sie eingewirkt wurde. Aus Ordnung entsteht
mit der Zeit Unordnung und denke dabei scherzhaft an meine Wohnung,
die scheinbar auch immer ganz von alleine im Chaos versinkt...
Die primäre Teilung des Wuji in die polaren Kräfte Yin und
Yang geschieht daher aufgrund der Natürlichkeit der Dinge selbst.
Genauso alle darauf folgenden weiteren Teilungen, die sich hieraus ergeben.
Diese Natürlichkeit zu verstehen, sich ihr unterzuordnen, um diesen
Prozess dann in sich umzukehren, würde demnach bedeuten, Yin und
Yang in all ihren Erscheinungsformen zuerst zu harmonisieren, um dann
zu dem ursprünglichen Zustand von Wuji zurückzukehren. Dann
wäre der Dualismus aufgelöst, und Geburt, Leben und Tod käme
zurück zu ein und demselben Punkt. `Unsterblichkeit´ (xian)
wäre die Folge.
Ich verlasse Meister Ren mit all meinen Spekulationen in tiefem Dank
und merke eines sehr deutlich: So klar man die Wahrheit zu spüren
meint, so schwer ist es doch, sie auszudrücken. Wie viele Meister
haben, die Schwäche der verbalen Erklärungen erkennend, es
auf verschiedenste Weise versucht auszudrücken: Malerei, Kalligraphie,
Musik, Poesie und vieles mehr.
Und so gebe ich Meister Ren Farong unvermittelt recht:
„Das Dao erreicht man durch die Harmonisierung von Yin und Yang,
und Taiji entsteht aus Wuji durch `zi ran´“. Mehr
ist nicht zu sagen. Alles weitere ist die Erfahrung aus der Praxis.
Jan Silberstorff
`In den
Krallen des Tigers´
Eindrücke einer Reise
China 2002
Es hat sich viel verändert in China; es gibt
McDonalds, es gibt Handys, es gibt englische Hinweisschilder allerorts.
Die Moderne hat in China Einzug gehalten, während wir immer noch
die romantisch verklärten Bilder des Landes der `Wiege der Kampfkünste´
in uns tragen oder die, der weisen Männer mit langen weißen
Bärten, die in einsamen Bergregionen der Erleuchtung schon sehr
nahe gekommen sind.
Doch zur Überraschung des Reisenden gibt es beides in dem Land
mit der höchsten Bevölkerungszahl.
Das moderne Peking mit seinen riesigen Prachtalleen und der verbotenen
Stadt, die trotz der zahlreichen Touristen, nichts von ihrer Schönheit
und Einmaligkeit eingebüst hat. Und wenn man sich einen Moment
Zeit nimmt, kann man noch das Zirpsen der Grille des letzten Kaisers
im Thronsaal hören.
Oder Xi´an mit seiner unvergleichlichen Stadtmauer, seinen Toren
und seinem Glockenturm. 6 Millionen Menschen versuchen hier nebeneinander
zu leben, es scheint zu funktionieren. Allmorgendlich treffen sie sich
an der Stadtmauer um ihre Vögel auszuführen, sich in chinesischem
Gesang zu üben oder dem Taiji-Training nachzugehen.
Shanghai, eine der modernsten Industriestädte, mit riesigen Stadtautobahnen,
die den täglichen Verkehr immer noch nicht bewältigen können,
jedoch dem Besucher die höchste Perfektion im chinesischen Gartenbau
als Oase der Erholung bietet.
Ganz besonders abenteuerlich gestaltet sich für den westlichen
Besucher das Reisen in den chinesischen `Hardsleeperzügen´,
vor allem im Spätsommer, wenn die Sonne noch einmal beweist, wie
heiß sie sein kann. Die Chinesen nennen diese Hitze ` in den Krallen
des Tigers´ und das kann getrost wörtlich genommen werden.
Da die Zugfahrten für gewöhnlich sehr lange dauern, will man
die großen Weiten Chinas überwinden und man ja auch nicht
die ganze Zeit schlafen kann, wegen der Hitze, kann man sich die Zeit
mit Essen vertreiben, sei es, man geht in den Speisewagen oder ergattert
etwas von den vorbeikommenden kleinen Wägelchen, die gewagte Imbisse
führen. Oder versucht eine Unterhaltung mit den chinesischen Mitreisenden,
die gerne ihre Englisch- Kenntnisse vertiefen oder man selber sein Chinesisch.
Selbst das Taiji-Training ist möglich in den Zwischenräumen
der Abteile und so mancher Chinese hebt bewundern den Daumen, wenn er
eine Langnase ihre alte Kunst trainieren sieht.
Doch auch die Orte der Stille gibt es noch, wie das `Tai ze po´
am Fuße des Wudang-Gebirges. Ein wunderschönes daoistisches
Kloster, in dem wir die Möglichkeit hatten zu nächtigen. Das
Kloster ist so angelegt, das man bei schönem Wetter den Golden
Peak, das `Tian Dao´ (der Männerorden oben auf der Spitze)
immer im Auge behalten kann, sozusagen das Ziel nicht aus dem Auge verliert.
Die Ruhe des Ortes zieht einen sofort in seinen Bann und das abendliche
Training, nur von roten Lampions beschienen, bringt einen den Elementen
näher.
Ebenso verhält es sich mit dem Aufstieg zum Golden Peak, der durch
die schier nie endenden Treppen bestimmt wird. Doch mit meditativem
Gleichmut und reichlich Wasser ausgestattet wird die Anstrengung letztendlich
doch belohnt. Der vom Vollmond beschienene Tempel, die klare Luft, das
Läuten der Tempelglocken, das Rauschen des Windes in den Kiefern
und die unendliche Stille, die, sobald die letzten Touristen sich ihren
Weg zurück ins Tal gesucht haben, den Geist in andere Bewusstseinszustände
hebt. Man möchte verweilen, Körper und Geist reinigen und
beginnt den wahren Ursprung des Seins zu erkennen.
Doch da alles dem ständigen Wandel unterzogen ist, verlassen auch
wir das Wudang- Gebirge, jedoch nicht ohne die legendäre Höhle
des mystisch- daoistischen Mönchs `Zhang Sanfeng´ besucht
zu haben, der dort das Taijiquan entwickelt haben soll, um erneut in
die Höhe zu steigen, auf die fünf Gipfel des Huashan, jener
unvergleichlichen Bergkette aus weißen Granit, die sich erhaben
aus dem sonst sehr flachen Umland erhebt.
Selbst heute, nachdem Tausende von Stufen in den Stein gemeißelt
worden sind, ist der Aufstieg immer noch ein sehr aufregendes Unterfangen.
Und es beweißt sich erneut, das nur durch geduldiges und andauerndes
Bemühen der Weg zum Ziel führt, denn hat man sich über
schmale Pässe, an Eisenketten die Steilhänge hochgezogen,
auf Holzplanken um die Felsen herumgeschlängelt, trifft man auf
einsam gelegene Klöster, Mönche, deren Gesichter die raue
und ungebändigte Natur wiederspiegeln. Sie führen ein einfaches,
entbehrungsreiches Leben und versuchen jedem Zentimeter fruchtbaren
Bodens etwas Nahrhaftes abzuringen. Doch das Strahlen aus ihren Augen
verrät, das es mit Freude geschieht.
Auch das Taijiquan-Training erhält hier in luftiger Höhe eine
andere Qualität, es scheint fast so, als würde es sich hier
in seinem Ursprung, dem Wuji, auflösen, so leicht und fließend
sind die Bewegungen.
Dagegen ist der Besuch des Louguantai- Tempels, der sanft in bewaldete
Hügel eingebettet liegt, fast ein Spaziergang. Die Anmut der Tempelanlage
nimmt den Besucher sofort gefangen und es wird klar, warum `Lao zi´
hier das `Daodejing´ niedergeschrieben haben soll. Die sich sanft
im Wind wiegenden Bambushaine, die Mönche, die allmorgendlich die
liebevoll angelegten Gärten pflegen und die lautlosen Spaziergänge
Ren Farongs, des wohl zur Zeit berühmtesten daoistischen Abtes,
unterstreichen noch die friedvolle Stille des Ortes.
So erfahren wir dann auch während eines Gespräches mit Ren
Farong, das sein Tagesablauf in der Regel ganz von Meditation und `All-ein-sein´
bestimmt wird und seine Ausstrahlung, die den ganzen Raum erfüllt,
lässt erahnen in welche Tiefen des Seins er schon vorgedrungen
sein mag. Er beschreibt uns eine seiner Meditationspraktiken, bei der
es darum geht innerhalb einer Ein- und Ausatmung eine bestimmte Anzahl
von Schritten zurück zulegen; das sie vor Sonnenaufgang praktiziert
werden müsse und auf keinen Fall ohne Einweisung durch einen erfahrenen
Mönch durchgeführt werden dürfe. Es liegt auf der Hand,
das der Weg zum Dao nicht der einfachste ist, doch das durch das Taijiquan-Training
ein solider Schritt in seine Richtung gegangen wird. Und das wir das
Glück haben, Vorbilder wie Ren Farong zu haben, der einem verdeutlicht,
das es nicht unmöglich ist auch in der heutigen Zeit Weisheit und
Erleuchtung zu erlangen, sobald man begriffen hat, das die Stille in
uns Selbst zu finden ist, eben in der Harmonisierung des Inneren und
Äußeren.
Claudia Mohr
| Der Kaiser und die Nadelschleiferin |
| Auf dem Weg zurück in seinen
Palast, ermüdet von den Strapazen der Entbehrungen und Unterweisungen
im daoistischen Kloster des Wudang-Gebirges, begegnet der Kaiser
Cheng Wu einer alten Frau, die versucht aus einem riesigen Eisenstab
eine Nadel zu schleifen. Der Kaiser spricht zu ihr: „ Das
ist ein unsinniges Unterfangen, aus so einem großen Stab eine
kleine Nadel schleifen zu wollen.“ Worauf hin die Alte erwiderte
„ Wenn man sich nur redlich bemüht, stellt sich der Erfolg
von alleine ein“. Der Kaiser verstand und kehrte zurück
ins Kloster. Die Alte hingegen verschwand in einer lila Wolke. |
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