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Warum Vögel nicht von der Stange fallen

Die Bedeutung der Hüften für Gleichgewicht und Gesundheit

Wir Taiji Quan Praktizierenden leben doch in einer spannenden Zeit. Einerseits kommt immer mehr Know How über Taiji Quan in unser Land, zum anderen gibt es Erkenntnisse und Theorien, die auch fürs Taiji Quan interessant sind, seitens moderner Wissenschaft. Da wird um das Bauchhirn diskutiert, da man auf den Darmwänden mehr Nervenverbindungen als im gesamten Rückenmark festgestellt hat. Die Biophotonenforschung von Prof. Popp beleuchtet die Lebensenergie. Der US-Physiologe Guang-Yue vom Lerner Research Institut Cleveland hat nachgewiesen, dass Muskeln sich allein mit der Kraft des Geistes kräftigen lassen. Bei einem Test mussten sich mehrere Probanden in Gedanken regelmäßig darauf konzentrieren, wie es wäre, wenn sie bestimmte Muskelpartien ihres Körpers trainieren. Nach einer Woche hatte die Masse der lediglich meditativ bewegten Muskeln um bis zu 15% zugenommen. Die motorischen Neuronen in unseren Nerven, welche die Muskelbewegungen auslösen, lassen sich durch starke Impulse vom Gehirn stimulieren. Ornithologen entdeckten ein 2tes Gleichgewichtszentrum bei Vögeln, welches in den Hüften lokalisiert wurde und letztlich den Vögeln helfen soll, „nicht von der Stange zu fallen“.

All das ist für uns Taiji Quan Übende nichts neues. Im Bauch sein, aus ihm heraus die Bewegungen steuern und die Lebensenergie Qi mit Achtsamkeit lenken. Den Hüften, bzw. der Hüftstellung kommt beim Umsetzen von Taiji Quan Prinzipien eine zentrale Bedeutung zu. In den Hüften finden wir unser Gleichgewicht.

Zum einen dienen die beiden Hüftknochen mit dem Kreuzbein der Wirbelsäule als Fundament, die wiederum mit dem Kopf unsere senkrechte Körperachse bildet. Andererseits sind die Hüftgelenke die „Schaltstellen“ der Verwurzelung in die Erde. Über die Ausrichtung der Hüfte/Becken und Wirbelsäule arbeiten wir auf der Grundlage der Entspannung an unserer Struktur, um Energie frei fließen zu lassen. Auf dem Weg zur Perfektion treffen wir oft auf Hindernisse. Hier können wir nicht richtig entspannen, dort sind wir verspannt, sind emotional nicht in Balance oder leiden unter anderem an „Unpässlichkeiten“, Schmerzen oder gar Krankheiten.

 

Anpassung an die Fehlhaltung

Die W.H.O. geht von 70% Wirbelsäulenfehlstellung aus. Weit mehr Menschen leiden unter einer Fehlstellung der Hüftknochen/Becken. Um die daraus resultierenden Konsequenzen und den dahinterliegenden Mechanismus zu verdeutlichen, möchte ich etwas ausholen und auf folgende Gründe genauer einzugehen:
Eine Fehlstellung der Hüfte/Becken bringt die Körperlängsachse aus dem Lot (Bild I). Der menschliche Organismus wird dieses „aus dem Lot sein“ versuchen auszugleichen. Die Schiefstellung überträgt sich in den Oberkörper und es folgt eine Herausforderung über das Gleichgewichtsorgan in den Ohren an das Kleinhirn, den Kopf unter allen Umständen wieder senkrecht zu stellen. Das Kleinhirn hat nur eine Chance, die Senkrechtstellung des Kopfes zu bewirken: die bewegliche Wirbelsäule muss in ihrer Ausrichtung so verändert werden, damit der Kopf trotz Schiefstellung des Beckens eine Senkrechtposition einnimmt. Die ochotone Muskulatur macht es möglich, jeden einzelnen Wirbel unabhängig zu bewegen (siehe Chan Mi Gong Basisübungen.) Das Kleinhirn erteilt quasi einen Dauerauftrag für Kontraktion bzw. unnormale Entspannung an die rechts und links des Wirbelkörpers liegende Muskulatur. Der so entstehende „Verkanntungsdruck“ verschiebt die zwischen den Wirbelkörpern liegende Bandscheibe mit ihrem Gallertkern.
Der stehende Körper eines Menschen kann sich auf der ganzen Länge der Wirbelsäule genau dem Schiefstand des Beckens bzw. der Fehlstellung der Hüfte anpassen (Bild II.) Das Ergebnis wird, wenn die Fehlstellung nicht ausgeglichen wird, eine Skoliose sowie eine einseitige Belastung der gesamten Muskulatur sein. Steht das Becken schief, genügt ein einziger Befehl an die ochotone Muskulatur, auf die Innenseiten einer zukünftigen Skoliose sich so stark wie möglich zusammen zuziehen und diese Position mit Hilfe des verschobenen Gallertkerns eisern zu halten.
Unser Gefäßsystem ist auf so etwas nicht eingerichtet, was ständigen Muskelkater oder Verspannungen im Rückenbereich auslöst. Der zusammengezogene Muskel verhärtet seine auf Beweglichkeit durch Verkürzung ausgerichtete Wirkweise auf ständige Verkürzung. Das Ergebnis ist eine Situation, wie sie ein Tischler mit „Schwalbenschwanz“ bezeichnet, wenn er zwei Hölzer unlösbar miteinander verbinden will.
Das Lendenwirbelsäulensyndrom z. B. resultiert nach meinen Erfahrungen zu 90% aus einer Hüftfehlstellung.

Auswirkungen auf das Skelett

Wie sieht das Skelett aus, nachdem es durch Anpassung an einen Beckenschiefstand wieder eine tragbare Statik zurückgewonnen hat? Die infolge des Beckenschiefstandes schräg zur Senkrechten stehenden Ober- und Unterschenkel müssen in ihrer Position entscheidend mitverändert werden. Vor der dringend erforderlichen Muskelanpassung stehen sie in einer nicht tragfähigen Position. Die Druckverhältnisse in allen Gelenken verändern sich. Die Belastung drückt nun einseitig in den leicht verkanteten Gelenken.
Hüftgelenksarthrose, Kniegelenksarthrose, Rippenreizung, Rippenengstand, LWS-Syndrom, Schulterschmerzen, HWS-Syndrom, Tennisellenbogen, Migräne und Spannungskopfschmerzen sind die Folgen. Natürlich sind auch die Fußgelenke schief mit einseitiger Belastung der Fußgewölbe. Um den Ausgleich zu halten, verändert sich nicht nur die ochotone Muskulatur der Wirbelsäule. Im gesamten Muskelsystem gibt es Veränderungen. Die Zugrichtung der Muskeln verändern sich. Die Hüftgelenke, ursprünglich fähig, bei jedem Schritt das siebenfache des Körpergewichtes zur Bewältigung aller Geländeformen infolge der Krümmung des Oberschenkelhalses mit einer riesigen Gelenkfläche zu tragen, haben nur noch einen einzigen Kontaktpunkt, auf dem die ganze Last ruht. Im Kniegelenk schließlich findet der „ Abschlussanpassung“ statt. Auch hier wird die Gesamtbelastung der ganzen Fläche aufgegeben zugunsten einer Punktbelastung auf der Kante. Unserer Kniegelenke sind schon ab 0,5 cm Beckenschiefstand sehr gefährdet. Hier noch Bewegung zu empfehlen, ist vergleichbar mit Autofahren bei angezogener Handbremse.

Auswirkungen auf Organe + Nervensystem

Doch die Folgen sind viel tiefgreifender und wirken sich auch organisch aus. Die Funktion der Organe hängt von ihrer Steuerung über das vegetative Nervensystem vom Gehirn her ab. Übermitteln von Befehlen und Aktivitätsrückmeldungen zum Gehirn sind die Nerven des Vegetativum, die über das Rückenmark und die Zwischenwirbellöcher ihre Bahn zum Organ ziehen. Die Scheiden der Nerven sind so stark mit Energie geladen, dass sie eine Meldung mit der Geschwindigkeit einer Pistolenkugel (=200 m/Sek.) weiterleiten. Jeder Nervenstrang hat seine eigene Blutversorgung und Venen zur Entsorgung. Eine Störung der Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen im Gehirn und Rückenmark infolge einer Wirbelfehlstellung durch eine Skoliose, ausgehend vom Beckenschiefstand, bedeutet Fehlsteuerung und Fehlversorgung. Jede Art der Wirbelfehlstellung muss sich negativ auf das Vegetativum auswirken. Die Skoliose bewirkt eine Verengung der Wirbellöcher für den Austritt der Nerven. Fehlgesteuerte, fehlversorgte und fehlentsorgte Organe müssen krank werden.

Ursachen der Fehlstellung

Doch wie kommt es überhaupt zu einer Hüftfehlstellung/Beckenschiefstand, ist der ganze Becken/Hüftkreuzbeinbereich doch mit fast starren Bändern ausgestattet, um die Basis für die Wirbelsäule solide zu halten? Als akute Auslöser sind da zunächst Belastungen „gegen die Statik“ zu nennen, wie sie z. B. bei körperlicher Arbeit mit Fehlhaltungen und Angewohnheiten mit Fehlbelastung auftreten.
Der akute Beckenschiefstand lässt sich mit verschiedenen Methoden beheben. Anders verhält sich das bei dem Beckenschiefstand, den viele bei ihrer Geburt verpasst bekommen haben. Die Geburt läuft nachweislich seit 4000 Jahren in der gleichen uralten Technik ab. Erst seit kurzem setzen sich langsam neue Methoden durch. Traditionell hängt der Geburtshelfer das Baby an den Beinen auf, damit Schleim aus dem Mund nicht in die Lungen gelangen kann. Wenn das Baby jetzt schreit, ist alles in Ordnung. Das Becken der Hüfte bleibt in ihrer Normalstellung. Schreit das Baby nicht, wird ein Bein losgelassen, um den bekannten Klaps auf den Po durchzuführen. Das Baby schreit, das Körpergewicht zieht das Becken schief. Die während der Geburt hormonell „eingeweichten“ Sehnen und Bänder der beiden Hüftknochen und des Kreuzbeins ermöglichen die Passage durch den Geburtskanal, die ein „starres Becken“ wegen seiner Breite nicht schaffen kann. Nach der Geburt aber verfestigen sich diese Sehnen und Bänder wieder, um eine solide Basis für die Wirbelsäule zu halten.

Die Auswirkungen für Taiji Quan

Eine synchrone Hüftstellung ermöglicht ein besseres Lösen und Sinken in die Erde, sowie ein Abspannen im Bauch, was eine freiere Dantian-Arbeit ermöglicht, äußere und innere Zusammenflüsse werden erfahrbar, weil das Gehirn wieder freie gewohnte Kapazitäten fürs Taiji Quan nutzen kann. Ist die Anpassungsveränderung an den Schiefstand auch nur gering, so bewirkt sie doch, dass Energiebahnen mit hohem Energiepotential umgeleitet werden und so z. B. Organe schädigen können. Eine tiefe Entspannung und Lösung, die Grundlage für innere Ruhe, wird auch durch kleinste Ausgleichsspannungen der Muskulatur gestört. Eine mögliche Störung der Sauerstoffzufuhr führt mindestens zu Achtsamkeitsdefiziten.
Ab einem bestimmten Zeitpunkt in unserer Taiji Quan Ausbildung wird ein Weiterkommen mit gesunder Hüftstellung die tieferen Aspekte unserer Kunst erfahrbar machen.

Therapien

Der deutsche Heilpraktiker Günter Thenee hat seit den 7oer Jahren eine Therapie zur dauerhaften Behebung eines Beckenschiefstandes entwickelt und maßgeblich den Lehrstoff in Hebammenschulen beeinflusst. Der 1917 geborene Japaner Kimiyoshi Isogai war einer der ersten Mediziner, die Ursache und Folgen einer Hüftfehlstellung klinisch erforschten. Öffentlich kaum wahrgenommen, entwickelte sich die Isogai Dynamik Therapie zum Geheimtipp unter östlichen Therapeuten. Die Übungen dazu sind einfach und in der Regel selbstständig auszuführen.

Natürlich ist auch Taijiquan selbst eine Therapie, und wir sind letztendlich aufgefordert, auch hier Eigenverantwortung zu übernehmen und neben dem „Was“ oder „Wie“ unseres Empfindens und Befindens auch nach dem „Warum“ und „Woher“ zu fragen und als Auslöser auch die Hüftstellung in Betracht zu ziehen.

 

Liste der beschwerden + krankheiten wenn das linke Bein länger ist .Nach „ isogai dynamik Therapie“

1 Überanstrengung der Augen, Asthenopia, Augenentzündung
2 Ozaena - Stinknase
3 Verformung der Nasenscheidewand
4 Schiefstehender Mund
5 Pickel, Sprachstörungen, Eiterungen
6 Mandelentzündungen
7 Schultersteifheit ( auf beiden Seiten, bei fortschreitender Rückwärtskrümmung der Wirbelsäule)
8 Kyphoskoliose
9 Schielen
10 Grimassen
11 Ohrensausen, schlechtes Hören, Zahnschmerzen
12 Trigeminusneuralgie
13 Schlaflosigkeit
14 Sehnenschmerzen
15 Morbus Duplay´s
16 Neuralgien, Rheuma, Schulter-Nackenprobleme, Multiple Arthritis
17 Niedriger Blutdruck
18 Sehnenscheidenentzündung, Abnehmende Druckkraft, Panaritium, Frostbeulen,
fehlende Durchblutung verbunden mit Fehlstellung der Schulter
19 Funktionelle Erkrankungen des Zentralen Nervensystems
20 Seekrankheit, Übelkeit, Rückenschmerzen
21 Probleme mit dem Zentralen Nervensystem
22 Interkostalneuralgien
23 Entzündungen der Eingeweide, abhängig von der Wirbelsäulendeformation
24 Anfälligkeit für Lungenerkrankungen
25 Nach vorne geneigte Schultergelenke bei konvexer Wirbelsäule
26 Hoher Blutdruck
27 Hexenschuss, Deformation der Lendenwirbelsäule, Bandscheibenvorfall
Karies/Knochenfraß
28 Müdigkeit, schwache Konstitution, Wechseljahresbeschwerden
29 Krampf im Oberschenkel, schlappes Gefühl und schnell stolpern meistens auf
Dieser Seite
30 Neuralgie, Nekrose und Gicht entlang der Oberschenkelseite
31 Entzündete Leistenlymphknoten
32 Kniegelenksprobleme
33 Krankheiten des Kreuzbeins
34 Hämorrhoiden
35 Asthma
36 Blasenentzündungen
37 Druckschmerzen
38 Blinddarmentzündung
39 Druck auf die Beinarterien
40 Wadenkrämpfe
41 Ischiasneuralgie
42 Kalte Konstitution (abhängig von der Durchblutung)
43 Achillessehnenreizung
44 Ödeme
45 Krämpfe and er Rückseite des Beins, fühlt sich schlapp an und ist dünner
46 Arthritis deformans, allergische Veranlagung
47 Folgen von infantiler Paralyse (cerebral und vertebral)
48 Schlechte Fußsohlenbelastung
49 Längeres Bein
50 Breiterer Fuß
51 Bauch-/ Unterbauchschmerzen

Wenn das linke Bein länger ist, biegt sich die Wirbelsäule seitlich nach rechts oder entwickelt eine nach hinten geneigte Krümmung.
Ein Patient mit dieser Konstitution leidet oder wird an Krankheiten leiden, die den Verdauungsapparat oder Urogenitaltrakt betreffen.
Krankheiten, die das Atemsystem oder den Blutkreislauf betreffen, werden nicht auftreten.


 

Liste der beschwerden+krankheiten wenn das rechte Bein länger ist nach ISOGAI DYNAMIK THERAPIE

1 Überanstrengung der Augen, Asthenopia, Augenentzündung
2 Ozaena (Stinknase)
3 Verformung der Nasenscheidewand
4 Schiefstehender Mund
5 Pickel, Sprachstörungen, Eiterungen
6 Mandelentzündungen
7 Schultersteifheit ( auf beiden Seiten, bei forschreitender Rückwärtskrümmung der Wirbelsäule)
8 Kyphoskoliose
9 Schielen
10 Grimassen
11 Ohrensausen, schlechtes Hören, Zahnschmerzen
12 Trigeminusneuralgie
13 Schlaflosigkeit
14 Sehnenschmerzen
15 Morbus Duplay´s
16 Neuralgien, Rheuma, Schulter-Nackenprobleme, Multiple Arthritis
17 Sehnenscheidenentzündung, Abnehmende Druckkraft, Panaritium, Frostbeulen, fehlende Durchblutung verbunden mit Fehlstellung der Schulter
18 Funktionelle Erkrankungen des Zentralen Nervensystems
19 Seekrankheit, Übelkeit, Rückenschmerzen
20 Probleme mit dem Zentralen Nervensystem
21 Interkostalneuralgien
22 Entzündungen der Eingeweide, abhängig von der Wirbelsäulendeformation
23 Anfälligkeit für Lungenerkrankungen
24 Nach vorne geneigte Schultergelenke bei konvexer Wirbelsäule
25 Hoher Blutdruck
26 Hexenschuss, Deformation der Lendenwirbelsäule, Bandscheibenvorfall, Karies/Knochenfraß
27 Müdigkeit, schwache Konstitution, Wechseljahresbeschwerden
28 Krampf im Oberschenkel, schlappes Gefühl und schnell stolpern meistens auf dieser Seite
29 Neuralgie, Nekrose und Gicht entlang der Oberschenkelseite
30 Entzündete Leistenlymphknoten
31 Kniegelenksprobleme
32 Gerissene Bandscheibe
33 Krankheiten des Kreuzbeins
34 Hämorrhoiden
35 Asthma
36 Druckschmerzen
37 Druck auf die Beinarterien
38 Wadenkrämpfe
39 Ischiasneuralgie
40 Kalte Konstitution (abhängig von der Durchblutung)
41 Achillessehnenreizung
42 Ödeme
43 Krämpfe an der Rückseite des Beins, fühlt sich schlapp an und ist dünner
44 Arthritis deformans, allergische Veranlagung
45 Folgen von infantiler Paralyse (cerebral und vertebral)
46 Schlechte Fußsohlenbelastung
47 Längeres Bein
48 Breiterer Fuß
49 Niedriger Blutdruck

Wenn das rechte Bein länger ist, biegt sich die Wirbelsäule seitlich nach links oder entwickelt eine nach hinten geneigte Krümmung.
Ein Patient mit dieser Konstitution leidet oder wird an Krankheiten leiden, die das Atemsystem oder den Blutkreislauf betreffen.
Krankheiten, die den Verdauungsapparat oder Urogenitaltrakt betreffen, werden nicht auftreten.

Text :Gerhard Milbrat
Abbildungen: Copyr.:G.Milbrat

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Der `Tempelpark´

(die komplette Version der gekürzten Kolumne aus Taiji/Qigong-Magazin 4.02)

Es ist so etwas wie ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Viele Leser haben sicher in meinen Kolumnen ein immer wieder auftauchendes Thema wahrgenommen: Taijiquan und Spiritualität. Aber auch den Versuch, hierfür eine Plattform, eine Möglichkeit der Praxis zu finden, die dem Thema gerecht werden kann. Ich hatte eine Art Aufruf gestartet sich umzusehen, wo man sich in Deutschland in Abgeschiedenheit und Stille dieser ernsthaften Praxis widmen könne. Daraufhin bekam ich einige Zuschriften mit schönen und gutgemeinten Hinweisen auf Klöster und ähnliche Einrichtungen in Deutschland, wo man sich eine gewisse Zeit zurückziehen könne. Doch das Problem ist folgendes: Natürlich gibt es gewohnheitsgemäß genug Orte in Deutschland, wo man in entsprechenden Traditionen Retreats abhalten kann. Zen- Sesshins beispielsweise sind in Deutschland längst keine Seltenheit mehr. Viele Taiji- Ausübende nutzen diese Möglichkeiten, um sich ab und zu ganz der Stille im Sitzen widmen zu können. Dies ist für das Taijiquan eine sehr gute Bereicherung. Aber es ist kein Taijiquan. Und genau darum ging es mir: Taijiquan in einer Intensität und Ruhe trainieren zu können, wie man es sonst nur von diesen Methoden her kennt.
Erschwerend kommt dazu, dass viele nicht genug Kenntnisse über Taijiquan haben um zu wissen, dass es innerhalb der Tradition des Taijiquan eine lange Geschichte von Zurückgezogenheit und Retreats gibt. Viele vergleichen Taijiquan immer noch mehr mit einer Sportart. Dabei hat Taijiquan in der daoistischen wie auch in der Tradition der Chen-Familie einen Stellenwert, der mit Sport oder Freizeitaktivität nichts mehr zu tun hat. Was aber nicht bedeutet, dass Taijiquan nicht für die meisten Ausübenden ein hervorragendes Hobby und eine gute Art der sportlichen Gesunderhaltung sein kann. Sehr ernsthaft betrieben jedoch hat es weit schwerwiegendere Inhalte, ist es eine tiefgreifende ganzheitliche Selbsterfahrung, die weit über die Grenzen normaler Vorstellung hinausgeht. Dafür allerdings bedarf die Ausübung des Taijiquan einer Umgebung, die eine solche Entwicklung auch zulässt. Insofern sind Tempel und Klöster sicherlich eine gute Möglichkeit. Denn oft ist es dort auch möglich auf sich selbst gestellt seine eigene Praxis ausüben zu können. Allerdings ist ein gewisses Gastdasein nicht zu vermeiden, da die Klöster in Deutschland einer anderen Tradition entstammen und vor allen Dingen der Aufenthalt zeitlich begrenzt ist.
Aber wie so oft liegt die Lösung dann doch ganz nah. Seit zehn Jahren trainieren ich und einige Schüler immer an derselben Stelle, immer in demselben Park in Hamburg. Es ist ein sehr schöner, ruhiger kleiner Park. Jeder kennt uns dort inzwischen. Auch in unserer Abwesenheit ist unser Trainingsplatz unübersehbar, denn es wächst dort im wahrsten Sinne des Wortes kein Gras mehr. Nach einiger Zeit des Grübelns, wo überall auf der Welt wir Orte der Zurückgezogenheit finden könnten, fassten wir den Entschluss uns für genau unseren Park direkt vor der Tür zu entscheiden. Wir schufen ein Übereinkommen, nach dem vom frühen Morgen bis 16 Uhr nicht gesprochen werden soll. Ebenfalls soll nicht durch Grüßen, Zuschauen oder anderes die Aufmerksamkeit der Praktizierenden auf sich gezogen werden. Für eine halbe Stunde kommen alle, die möchten, auf einem gesonderten Platz zum gemeinsamen Essen zusammen. So hat jeder die Möglichkeit, sich täglich um die sechs Stunden in Stille und Konzentration den Sitz- und Standmeditationen, den Seidenübungen und dem Formentraining hinzugeben. Es ist ein wundervolles Bild, wenn rund ein Dutzend Übende alleine und doch gemeinsam in sich versunken, über Stunden quasi `dahingleiten´. Von 16 - 18 Uhr folgen dann zwei Stunden gemeinsames Training mit spezieller, auf die einzelnen Personen ausgerichteter Betreuung. So hat jeder nicht nur die Möglichkeit professionell zu trainieren, sich in Stille selbst zu finden und wirklich zu forschen - er oder sie erhält auch noch täglich Unterricht. Und das in Sonne und Hitze, Regen oder Schnee. Wenn es jemandem zuviel oder zu lang wird, verlässt er einfach die Fläche unseres `Tempelparks´, wie wir ihn verspielt nennen, und kehrt zurück, wenn er wieder `bereit´ ist. Wir praktizieren dies inzwischen seit einem halben Jahr und es sind nicht nur Hamburger, die daran Gefallen finden. Viele Auswärtige haben bereits ihren Wohnort nach Hamburg verlegt, um hieran teilhaben zu können. Zur Zeit arbeiten wir an gewissen Subventionierungsprogrammen, um Interessierten dies auch finanziell ermöglichen zu können, denn schließlich bleibt zum Arbeiten hier keine Zeit mehr .
Viele bleiben für ein bis zwei Jahre, andere wiederum nur jeweils eine Woche oder einen Monat. Nur eines ist wichtig: Sobald man auf der Fläche ist, gilt: schweigen und praktizieren. Keine Handys, kein `Taiji- Stammtisch´, sondern viel Ruhe, `In sich Gehen´ ... und jede Menge Fortschritte.
Vielleicht ist es zu intim, die eigene Praxis hier einer so großen Öffentlichkeit näher zu bringen. Auch wird hier nur ein `äußerer Rahmen´ beschrieben, denn natürlich hat die intensive Praxis für jeden Einzelnen spezielle Aufgaben und Inhalte. Und ich weiß, dass es nur wenigen bestellt ist, sich so intensiv damit auseinander setzen zu wollen.
Aber ich denke, wir haben einen Weg gefunden Taijiquan nicht nur in den Alltag zu integrieren, sondern aus Taijiquan den Alltag zu machen. Nicht das Training irgendwie mit in den Tag zu quetschen, sondern frei und grenzenlos praktizieren zu können. Ich bin mir sicher, damit vielen zu helfen, die ähnliche Träume haben, wenn sie sehen, dass man Träume auch verwirklichen kann.
Das jedenfalls wäre meine Hoffnung.

Jan Silberstorff

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Die 4. Internationale Kampfkunst Gala

Es war wohl der erste heiße Tag im Mai in Hamburg, zumindest für die Akteure und auch für die Zuschauer der 4. internationalen Kampfkunst Gala in der Markthalle. Denn auch die Hitze schien geahnt zu haben, das sich dort auf der Bühne großes, spannendes und einmaliges ereignen würde. So blieb sie neugierig bis zum Ende der vierstündigen Show an unserer Seite. Und sie wurde belohnt für Ihre Geduld, mit einer Reise durch die verschiedensten Kampfkünste der Nationen, die in einer solchen Vielfalt selten an einem Abend zusammen zu sehen ist. Vieles noch nicht gesehene erläuterte die Moderatorin Birgit Köber dem fachkundigen Publikum. Von Aikido über Taiji, Kung Fu, Karate, Eskrima, Thailändischen Boxen, Wrastling, traditionellem Drachentanz und bis hin zu zarten Tanzdarbietungen und klassischer chinesischer Livemusik wurden Augen und Ohren verwöhnt, sodass jeder, unterstrichen von den Temperaturen, das Gefühl hatte auf einer Urlaubsreise zu sein, die leider viel zu schnell vorbei ging. Aber vielleicht verreisen wir ja mal wieder zusammen.
Vielen Dank an alle die uns diese Reise ermöglicht haben.

Claudia Mohr

  • Li Mona - Traditionelle chinesische Musik
  • Lothar Darjes - Aikido
  • Muhamed Hap - Ki Do & Bruchtest
  • Yawara Kiel - Jiu Jitsu & Wrestling
  • Dacascos - Showteam - Wun Hop Ken Do Kung Fu
  • Kalaripayat - Indische Kampfkunst
  • Lin Qiuping & Li Yanlong - Dragon Culture Tai Chi & Wushu
  • Dance Maniacs, Ragna Williams "Fernweh"
  • Dance Maniacs, Ragna Williams "Irradiation"
  • Schule Sifu Frank Greinacher - Hung Choy Stil Löwentanz
  • Wu Dao - Showteam, Meister Heiko Klisch
  • Tang Lang Kung Fu & Tai Chi
  • Meister Axel Oschlies Leung Jan Wing Chun
  • Tangun Schule, Meister Oktai Zhakir Tae Kwon Do
  • WCTAG - Meister Jan Silberstorff Chen Taijiquan
  • Pahuyuth Schule Bremen
  • Krabi Krabong (Kriegskunst der Thais auf dem Schlachtfeld) &
    Muay Thai Boran (Trad. Thaiboxen)
  • WCTAG - Showteam Chen Tai Chi
  • Bernd Schubert - Eskrima
  • Joe Alexander - Showteam Stuntfighting
  • Dance Maniacs, Ragna Williams "Falling and catching"

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Die Natürlichkeit der Bewegung
Großmeister Chen Xiaowang in Deutschland

Es lässt sich mit der Aufregung vor Weihnachten vergleichen, wenn die Ankunft des Großmeisters unmittelbar bevorsteht. Und dann ist er endlich da, wir stehen in der Halle und ich versuche soviel wie möglich in mir aufzunehmen, sei es zu beobachten wie er sich bewegt oder das Gefühl seiner Korrekturen so lange wie möglich zu behalten, denn nachvollziehen, was während der Korrektur geschieht, ist oftmals nicht möglich. Wie ein Zauberer stellt er die Einzelteile des Körpers so übereinander, das sich ein warmes, wohliges Gefühl im Körper verbreitet und ich eigentlich das Gefühl habe stundenlang in der Stehende Säule stehen bleiben zu können, bis ich mich wieder bewegen muss und erst dann bemerke wie voll und schwer die Beine sind. Oder in Korrektur einer Figur, wie zum Beispiel der Einzelnen Peitsche, die ich für mich selbst doch schon ganz gut und lange stehen kann, greift die Korrektur dermaßen, das der Oberschenkel zu platzen droht und das Gesicht heiß und rot anläuft und ich auch hierbei nicht die leiseste Ahnung habe, was er da wohl mit mir angestellt hat.
Ein Genuss der ganz besonderen Art ist es, ihm bei seinen Vorführungen zu zusehen. Die Natürlichkeit der Bewegungen erinnern an das sich öffnen einer Blüte oder das geschmeidige, lautlose Dahingleiten einer großen Raubkatze. Nichts Eckiges oder Unharmonisches unterbricht den Fluss der Bewegungen und die Stille wird nur ab und zu von einer Fajing - Explosion zerteilt, um aber im selben Moment wieder zusammen zu fließen. Auch bei den Push-Hands Routinen oder den Anwendungen wird diese seichte und doch unerbittliche Kraft deutlich spürbar. Ähnlich einer Welle, die sanft auf dich zu kommt, dich dann aber erbarmungslos zu Boden reist. Es ist nichts Hartes oder Aggressives zu spüren doch die Auswirkungen fatal und der Schmerz eines Hebels bleibt lange an der Stelle, bevor er wieder vergeht.
So bin ich immer wieder von großer Dankbarkeit erfüllt, Taiji in solcher Vollendung sehen zu dürfen und werde auch nächstes Jahr wieder in freudiger Erregung die Ankunft des Großmeisters erwarten.

 

Claudia Mohr

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Wachstum und Krise - Reflektionen eines Schülers

Nachdem ich mich nun seit ca. vier Jahren im Chen Tai Ji Quan übe, stelle ich fest, dass bestimmte Prozesse immer wiederkehren und diese, ich nenne es mal Krisen, das eigentliche Rezept für eine Weiterentwicklung sind. Die Übungen bleiben dieselben, jedoch der Umgang, der Anspruch, die Herangehensweise und die Einstellung, sowie die Intensität ändert sich. Ich war bislang nicht übermäßig daran interessiert viele Formen zu sammeln, sondern diese mit „Leben“ zu füllen, so dass Hülle und Kern zu einer geschlossenen Einheit werden können. Diese Erkenntnis war recht früh in meinem Kopf und meinen Gedanken, mit meinem Geist und Körper als Einheit gelang mir diese Erkenntnis allerdings erst dieses Jahr im Sommercamp 2002 der WCTAG Nordrhein - Westfalens.
Nach längerer Übungsruhepause war meine Tai Ji Quan - Praxis doch recht heruntergekommen. Glücklicherweise stand das alljährliche Sommercamp unter der Leitung von Gerhard Milbrat bevor, welches immer eine gute Gelegenheit für einen Neuanfang oder eine intensive Vertiefung bietet.

Bei der allmorgendlichen Stehmeditation kam mein erster Einbruch. Ich fand die mir sonst doch recht vertraute Struktur nicht wieder und hangelte mich enttäuscht an der Übungsanleitung entlang. Vergebens. Es kam noch schlimmer. Ich verstand die Korrektur meines Lehrers mit meinem Körper nicht mehr. So wie dieser mich positionierte kann doch kein Mensch stehen schoss es mir durch den Kopf. Glücklicherweise hatte ich keine Alternative und aus Erfahrung und Vertrauen zu den Haltungskorrekturen und Übungsanweisungen verblieb ich so gut ich es vermochte in entsprechender Haltung, um selbige zu einem späteren Zeitpunkt selbstständig wiederzufinden. Nichts desto Trotz - mich packte die Wut, dass ich das Erarbeitete durch die lange Übungspause hatte verkümmern lassen. Und das Wissen um die Arbeit die nun vor mir lag verschönerte die Aussichten nicht gerade. Leider scheint mir das Wesen des Tai Ji zu ehrlich, als dass es eine Abkürzung gäbe.
Meine Arbeit wurde von mir selbst belohnt. Nach drei bis vier Tagen fiel das erste Cent. Ich fand mich in meinem Körper wieder besser zurecht. „Fein“, dacht´ ich, „ dann man los, ran an die Form!“
Und siehe da - nichts ging.
Na klar, die Bewegungsmuster waren vorhanden - Mensch könnte auch sagen - es gab Bewegung, aber die war hohl - leer - da war kein Inhalt. Es fühlte sich an, wie sich ein Buch ohne Bilder und Schriftzeichen liest - weiße nummerierte Seiten.
„Au weia“ ist wohl die Abkürzung für das dazugehörige Gefühl.
Aber auch hier war das Licht am nächsten, als die Nacht am dunkelsten war, ich bekam in der Form in einer Stellung eine Haltungskorrektur - Guten Morgen.
Zumindest in dieser Stellung fühlte sich nun alles wieder geschlossen und satt an.
„Alles klar, brauch ich diese Haltung nur mit durch die Form zu nehmen und schon ist alles easy “, dachte ich.
Das Resultat: Krise Nr. 2
Das, was ich unten halten konnte, brach bei der kleinsten Bewegung oben aus, als ich oben nach zu korrigieren versuchte, verlor ich das Zusammenspiel der übrigen Punkte. Die Form war zu komplex, um zielorientiert und sinnvoll zu üben. Auf diese Erkenntnis folgte so etwas wie Verzweiflung.
Und dann kam mir meine persönliche kleine Erleuchtung:
Warum um alles in der Welt fange ich nicht da an, wo ich stehe: Am Anfang, mit den Seidenübungen, bis sich daraus alles weiter erschließt?
Die Bewegungsabfolge ist leichter zu erschließen, da ist alles drin und in jeder neuen Runde kann ich neu korrigieren, nachjustieren und kontrollieren.
Diese körperlich spürbare Erkenntnis und das Erfolgsgefühl darüber ist das Ergebnis kleiner Krisen und der guten Anleitung meiner Lehrer, ohne die ich möglicherweise nicht weiterkommen könnte.


Peter Jütten

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Der Ursprung des Taiji - das Wuji

Taijiquan beruht auf dem Prinzip von Taiji. Taiji beschreibt die Dualität der beiden grundlegenden Kräfte Yin und Yang. Es beschreibt, wie diese Kräfte wirken, und es gibt uns als Mensch Hinweise darauf, wie wir, die wir innerhalb dieser Dualität leben, einen Weg finden können, hier einen Ausgleich zwischen den Kräften finden zu können. Wie wir zurückfinden können, zu einem Zustand, in dem diese Energien auf natürliche Weise miteinander harmonieren und als eins zusammen wirken.
„Das Dao erreicht, wer Yin und Yang harmonisieren kann“, sagt der daoistische Meister Ren Farong.
Durch die Harmonisierung von Yin und Yang gelange man schließlich zu einer Auflösung des dualen Zustandes und man könne zurückgelangen zur ursprünglichen Einheit, zu dem Zustand des `Nichtwandels´, der `Nichtbewegung´, zur Konstanten, zur Ewigkeit.
Dieser Zustand des ursprünglich nicht dualen, der Zustand, der sich von nichts unterscheiden lässt, das Eine, nennt man `Wuji´.
Es heißt, der ursprüngliche Zustand des Einen, des Nichtgetrennten, hätte sich gespalten und die beiden polaren Kräfte Yin und Yang hervorgebracht. Aus den verschiedenen interaktiven Erscheinungsformen von Yin und Yang hätten sich alle weiteren Dinge, Geschehnisse und Wesenheiten entwickelt und werden sich auch weiterhin entwickeln. Kurz, seither befinden wir uns in dem Zustand von Zeit, sprich Veränderung, sprich Leben und Tod.
In der daoistischen Mystik heißt es daher, Unsterblichkeit sei denen bestellt, die fähig wären, diesen Prozess wieder umzukehren und zu jener Einheit zurückzukehren. Viele Verfahren daoistischer innerer und äußerer Alchemie, sowie die verschiedensten Schulen sind aus diesem Konzept hervorgegangen. Eine Methode, die hieraus entstanden ist, ist das Taijiquan. Hier und auch in vielen anderen alten Mythen finden wir Anleitungen, wie wir die Kräfte zurück zu ihrer Essenz von Yin und Yang führen, harmonisieren und auflösen können.
Die Frage, die sich in diesem Artikel stellt jedoch ist: Wieso hat es überhaupt eine Trennung gegeben? Wie kam es, dass aus Wuji Taiji entstanden ist? Wieso ist der Zustand der Einheit verlassen worden und wieso scheint es, dass die daraus hervorgegangenen polaren Kräfte immer weiter auseinander streben?
Diese Frage zu klären, zog es mich zu dem daoistischen Tempel Louguantai. Es ist der Ort, an dem `Laotse´ sein `Daodejing´ hinterlassen haben soll. Hier lebt der ehrwürdige Abt Ren Farong. Er gilt als einer der tiefsten Dao-Meister des heutigen Chinas.
Der richtige Mann also, mir diese Frage zu beantworten. Und tatsächlich habe ich eine Audienz mit ihm und stelle ihm meine Frage.
„Zi ran“, war seine Antwort. Sonst folgte nichts außer ein Blick gen Himmel und ein Streichen über seinen langen, weißen Bart.
Zi ran bedeutet Wörterbuch gemäß soviel wie: Natur, auf natürliche Weise, von selbst, spontan. Dieser Begriff `zi ran´ jedoch spielt sowohl im Daoismus, als auch im Taijiquan eine herausragende Rolle.
„Prima“, denke ich, „dann kann ich ja wieder zurückfliegen. Zum Dao komme ich durch Harmonisierung von Yin und Yang und Taiji entstehet aus Wuji einfach so. Alles klar!“
Nun ist bekannt, dass die Inhalte solcher Begriffe sehr tiefgreifend sind und schließlich und endlich nur durch Praxis erfahrbar werden. Man kann es nicht mit Worten erfassen. Also werde ich mich trotz meiner westlichen Nachfragementalität wohl vorerst damit begnügen müssen.
„Es ist nicht so, dass in Wuji, dem Einen, nichts vorhanden wäre“, fährt Meister Ren mit gewaltiger Stimme unvermutet fort. Dies überrascht sogar seine anwesenden Schüler. Denn es ist bekannt, dass er es meist nur bei wenigen Worten belässt, die er allenfalls noch an die Tafel schreibt, da er weiß, dass das, was er sagt, selbst für Chinesen nur schwer zu verstehen ist. „Wuji entsteht aus ´hun dun shi jie´. Wuji ist das Eine, aber es ist bereits alles in ihm vorhanden. Es ist nur noch nicht von einander getrennt. Durch `zi ran´, auf natürliche Weise, teilen sich die Dinge von einander, es entsteht Taiji.“ Erklärt er meinen aufwogenden Fragen zuvorkommend.
In meinen Gedanken formt sich das Bild zweier Steine, die aneinander auf der Fensterbank liegen. Lasse ich sie ein Jahr in Ruhe, werde ich danach sicherlich feststellen, dass sie sich weiter von einander entfernt haben, ohne das direkt auf sie eingewirkt wurde. Aus Ordnung entsteht mit der Zeit Unordnung und denke dabei scherzhaft an meine Wohnung, die scheinbar auch immer ganz von alleine im Chaos versinkt...
Die primäre Teilung des Wuji in die polaren Kräfte Yin und Yang geschieht daher aufgrund der Natürlichkeit der Dinge selbst. Genauso alle darauf folgenden weiteren Teilungen, die sich hieraus ergeben. Diese Natürlichkeit zu verstehen, sich ihr unterzuordnen, um diesen Prozess dann in sich umzukehren, würde demnach bedeuten, Yin und Yang in all ihren Erscheinungsformen zuerst zu harmonisieren, um dann zu dem ursprünglichen Zustand von Wuji zurückzukehren. Dann wäre der Dualismus aufgelöst, und Geburt, Leben und Tod käme zurück zu ein und demselben Punkt. `Unsterblichkeit´ (xian) wäre die Folge.
Ich verlasse Meister Ren mit all meinen Spekulationen in tiefem Dank und merke eines sehr deutlich: So klar man die Wahrheit zu spüren meint, so schwer ist es doch, sie auszudrücken. Wie viele Meister haben, die Schwäche der verbalen Erklärungen erkennend, es auf verschiedenste Weise versucht auszudrücken: Malerei, Kalligraphie, Musik, Poesie und vieles mehr.
Und so gebe ich Meister Ren Farong unvermittelt recht: „Das Dao erreicht man durch die Harmonisierung von Yin und Yang, und Taiji entsteht aus Wuji durch `zi ran´“. Mehr ist nicht zu sagen. Alles weitere ist die Erfahrung aus der Praxis.


Jan Silberstorff

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`In den Krallen des Tigers´

Eindrücke einer Reise
China 2002

Es hat sich viel verändert in China; es gibt McDonalds, es gibt Handys, es gibt englische Hinweisschilder allerorts. Die Moderne hat in China Einzug gehalten, während wir immer noch die romantisch verklärten Bilder des Landes der `Wiege der Kampfkünste´ in uns tragen oder die, der weisen Männer mit langen weißen Bärten, die in einsamen Bergregionen der Erleuchtung schon sehr nahe gekommen sind.
Doch zur Überraschung des Reisenden gibt es beides in dem Land mit der höchsten Bevölkerungszahl.
Das moderne Peking mit seinen riesigen Prachtalleen und der verbotenen Stadt, die trotz der zahlreichen Touristen, nichts von ihrer Schönheit und Einmaligkeit eingebüst hat. Und wenn man sich einen Moment Zeit nimmt, kann man noch das Zirpsen der Grille des letzten Kaisers im Thronsaal hören.
Oder Xi´an mit seiner unvergleichlichen Stadtmauer, seinen Toren und seinem Glockenturm. 6 Millionen Menschen versuchen hier nebeneinander zu leben, es scheint zu funktionieren. Allmorgendlich treffen sie sich an der Stadtmauer um ihre Vögel auszuführen, sich in chinesischem Gesang zu üben oder dem Taiji-Training nachzugehen.
Shanghai, eine der modernsten Industriestädte, mit riesigen Stadtautobahnen, die den täglichen Verkehr immer noch nicht bewältigen können, jedoch dem Besucher die höchste Perfektion im chinesischen Gartenbau als Oase der Erholung bietet.
Ganz besonders abenteuerlich gestaltet sich für den westlichen Besucher das Reisen in den chinesischen `Hardsleeperzügen´, vor allem im Spätsommer, wenn die Sonne noch einmal beweist, wie heiß sie sein kann. Die Chinesen nennen diese Hitze ` in den Krallen des Tigers´ und das kann getrost wörtlich genommen werden. Da die Zugfahrten für gewöhnlich sehr lange dauern, will man die großen Weiten Chinas überwinden und man ja auch nicht die ganze Zeit schlafen kann, wegen der Hitze, kann man sich die Zeit mit Essen vertreiben, sei es, man geht in den Speisewagen oder ergattert etwas von den vorbeikommenden kleinen Wägelchen, die gewagte Imbisse führen. Oder versucht eine Unterhaltung mit den chinesischen Mitreisenden, die gerne ihre Englisch- Kenntnisse vertiefen oder man selber sein Chinesisch. Selbst das Taiji-Training ist möglich in den Zwischenräumen der Abteile und so mancher Chinese hebt bewundern den Daumen, wenn er eine Langnase ihre alte Kunst trainieren sieht.
Doch auch die Orte der Stille gibt es noch, wie das `Tai ze po´ am Fuße des Wudang-Gebirges. Ein wunderschönes daoistisches Kloster, in dem wir die Möglichkeit hatten zu nächtigen. Das Kloster ist so angelegt, das man bei schönem Wetter den Golden Peak, das `Tian Dao´ (der Männerorden oben auf der Spitze) immer im Auge behalten kann, sozusagen das Ziel nicht aus dem Auge verliert. Die Ruhe des Ortes zieht einen sofort in seinen Bann und das abendliche Training, nur von roten Lampions beschienen, bringt einen den Elementen näher.
Ebenso verhält es sich mit dem Aufstieg zum Golden Peak, der durch die schier nie endenden Treppen bestimmt wird. Doch mit meditativem Gleichmut und reichlich Wasser ausgestattet wird die Anstrengung letztendlich doch belohnt. Der vom Vollmond beschienene Tempel, die klare Luft, das Läuten der Tempelglocken, das Rauschen des Windes in den Kiefern und die unendliche Stille, die, sobald die letzten Touristen sich ihren Weg zurück ins Tal gesucht haben, den Geist in andere Bewusstseinszustände hebt. Man möchte verweilen, Körper und Geist reinigen und beginnt den wahren Ursprung des Seins zu erkennen.
Doch da alles dem ständigen Wandel unterzogen ist, verlassen auch wir das Wudang- Gebirge, jedoch nicht ohne die legendäre Höhle des mystisch- daoistischen Mönchs `Zhang Sanfeng´ besucht zu haben, der dort das Taijiquan entwickelt haben soll, um erneut in die Höhe zu steigen, auf die fünf Gipfel des Huashan, jener unvergleichlichen Bergkette aus weißen Granit, die sich erhaben aus dem sonst sehr flachen Umland erhebt.
Selbst heute, nachdem Tausende von Stufen in den Stein gemeißelt worden sind, ist der Aufstieg immer noch ein sehr aufregendes Unterfangen. Und es beweißt sich erneut, das nur durch geduldiges und andauerndes Bemühen der Weg zum Ziel führt, denn hat man sich über schmale Pässe, an Eisenketten die Steilhänge hochgezogen, auf Holzplanken um die Felsen herumgeschlängelt, trifft man auf einsam gelegene Klöster, Mönche, deren Gesichter die raue und ungebändigte Natur wiederspiegeln. Sie führen ein einfaches, entbehrungsreiches Leben und versuchen jedem Zentimeter fruchtbaren Bodens etwas Nahrhaftes abzuringen. Doch das Strahlen aus ihren Augen verrät, das es mit Freude geschieht.
Auch das Taijiquan-Training erhält hier in luftiger Höhe eine andere Qualität, es scheint fast so, als würde es sich hier in seinem Ursprung, dem Wuji, auflösen, so leicht und fließend sind die Bewegungen.
Dagegen ist der Besuch des Louguantai- Tempels, der sanft in bewaldete Hügel eingebettet liegt, fast ein Spaziergang. Die Anmut der Tempelanlage nimmt den Besucher sofort gefangen und es wird klar, warum `Lao zi´ hier das `Daodejing´ niedergeschrieben haben soll. Die sich sanft im Wind wiegenden Bambushaine, die Mönche, die allmorgendlich die liebevoll angelegten Gärten pflegen und die lautlosen Spaziergänge Ren Farongs, des wohl zur Zeit berühmtesten daoistischen Abtes, unterstreichen noch die friedvolle Stille des Ortes.
So erfahren wir dann auch während eines Gespräches mit Ren Farong, das sein Tagesablauf in der Regel ganz von Meditation und `All-ein-sein´ bestimmt wird und seine Ausstrahlung, die den ganzen Raum erfüllt, lässt erahnen in welche Tiefen des Seins er schon vorgedrungen sein mag. Er beschreibt uns eine seiner Meditationspraktiken, bei der es darum geht innerhalb einer Ein- und Ausatmung eine bestimmte Anzahl von Schritten zurück zulegen; das sie vor Sonnenaufgang praktiziert werden müsse und auf keinen Fall ohne Einweisung durch einen erfahrenen Mönch durchgeführt werden dürfe. Es liegt auf der Hand, das der Weg zum Dao nicht der einfachste ist, doch das durch das Taijiquan-Training ein solider Schritt in seine Richtung gegangen wird. Und das wir das Glück haben, Vorbilder wie Ren Farong zu haben, der einem verdeutlicht, das es nicht unmöglich ist auch in der heutigen Zeit Weisheit und Erleuchtung zu erlangen, sobald man begriffen hat, das die Stille in uns Selbst zu finden ist, eben in der Harmonisierung des Inneren und Äußeren.

Claudia Mohr


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Der Kaiser und die Nadelschleiferin
Auf dem Weg zurück in seinen Palast, ermüdet von den Strapazen der Entbehrungen und Unterweisungen im daoistischen Kloster des Wudang-Gebirges, begegnet der Kaiser Cheng Wu einer alten Frau, die versucht aus einem riesigen Eisenstab eine Nadel zu schleifen. Der Kaiser spricht zu ihr: „ Das ist ein unsinniges Unterfangen, aus so einem großen Stab eine kleine Nadel schleifen zu wollen.“ Worauf hin die Alte erwiderte „ Wenn man sich nur redlich bemüht, stellt sich der Erfolg von alleine ein“. Der Kaiser verstand und kehrte zurück ins Kloster. Die Alte hingegen verschwand in einer lila Wolke.


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