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TaijiDao

Autor Ralf Anlauf

Die erste Frage, die wahrscheinlich entsteht, wenn man diese Überschrift liest ist: Was ist TaijiDao?

TaijiDao ist eine neue Kampf - und Bewegungskunst aus China, entwickelt von Meister Shen Xijing.

Meister Shen Xijing

Jhg. `62, geb. in Chenjiagou, begann im Alter von acht Jahren unter seinem Shifu (Meister) Chen Xiaowang mit dem Taijiquan. Bereits mit zwölf Jahren wurde er Mitglied im chinesischen Nationalteam und gewann im folgenden zahlreiche 1.,2. und 3. Plätze bei Wettkämpfen in Form,Waffen und Kampf.

Weiter wirkte er in über 35 Spielfilmen als Kampfdarsteller mit. Er studierte Sportwissenschaft und Akupressur an der Universität Beijing und lehrt heute Taijiquan in der 20. Generation. Er organisiert die WCTA in der VR China (WCTAC)und gibt ebenfalls regelmäßig Lehrgänge in Deutschland.

 

Er ist direkter Schüler von Großmeister Chen Xiaowang (19. Generation der Chen Familie), sowie des berühmten und traditionellen Xingyi Meisters Zhang Wenfa. Auf Grund seiner ab dem achten Lebensjahr begonnenen Ausbildung im Taiji Quan, Xingyi Quan und Bagua Zhang, sowie seines umfangreichen Wissens und Könnens über Kampfkunstchoreographie, modernem Wushu, Qi Gong, Daoyin Tuna, Akupressur, bis hin zum Unterricht effektiver Anwendung im Tuishou und Sanda (chinesischer Freikampf) u.a. auch bei der Polizei, beschloß er, dies alles zu einem sinnvollen Ganzen zusammen zu schließen und entwickelte TaijiDao. Es entstand somit ein sehr umfangreiches System, daß sich zum einen durch seine vielfältigen Übungsbereiche, aber auch sehr durch seine ästhetisch-körperdynamischen, sowohl weichen als auch kraftvollen Bewegungen auszeichnet. Die Art der Bewegungen ist bisher in dieser Form einmalig, weil nicht die Elemente aus einzelnen inneren Stilen getrennt, sondern in einem Bewegungskontext ineinander, miteinander verfließend praktiziert werden.

In erster Linie zählt TaijiDao zu den inneren Kampfkünsten, die dem daoistischen Prinzip von Yin und Yang (dem Taiji Prinzip) folgt.

Was sind innere Kampfkünste? Innere Kampfkünste beschäftigen sich primär mit der Ausbildung und Benutzung von Qi, der allesdurchdringenden, lebensessenziellen Energie, und indirekt mit der Ausbildung von Muskelkraft.

Um Qi im Körper wahrnehmen, verstehen und schließlich benutzen zu können, muß ich meine Sinne dafür sensibilisieren.

Ich spüre in meinen Körper hinein, um ihn so zu entwickeln, daß Qi frei fließen kann. Qi kann fließen, wenn keine Blockaden im Körper sind. Solche Blockaden können aus physischen, wie auch aus psychischen Beschwerden entstehen. Zum Beispiel durch Ängstlichkeiten, unnötig stark angespannte Muskeln oder eine falsche Körperhaltung. Vergleichbar mit einem Gartenschlauch, der an einigen Stellen geknickt und zusammengedrückt ist, so daß kein Wasser durchfließen kann.

Demnach fange ich an, mich zuerst äußerlich meiner optimalen Körperhaltung zu nähern und mich in dieser zu entspannen. Durch immer wieder erneutes Hineinspüren rückt die körperlich-geistige Verbindung immer mehr ins Bewußtsein; ein Sensibilisieren findet statt.

Da Muskeln nur bis zu einem gewissen Tonus entspannt werden können, ich aber weiterhin versuche sie immer tiefer wahrzunehmen, wird die körperliche Wahrnehmung langsam feinstofflich-energetisch. Ich entspanne den Körper so, daß sich die in den unnötig stark angespannten Muskeln festgesetzte Energie löst und mir zur Verfügung steht. Durch diesen Prozeß erfährt der Körper immer mehr ein Entspannen, Sinken, einen energetischen Zusammenschluß, aus dem eine körperliche Stabilität, eine Struktur resultiert, die mir später, zum Beispiel im Anwendungsbereich, sehr von Nutzen ist. Weiterhin fördert ein Mehr an verfügbarer Lebensenergie Gesundheit und Wohlbefinden und erhöht so das Lebensgefühl in allen Bereichen.

Wie nun benutze ich dieses Qi, wie verhält es sich, und wie muß ich mich verhalten um es zu wahren und zu pflegen?

Alles Qi folgt einem Prinzip; dem Taijiprinzip. Taiji heißt übersetzt: höchster Firstbalken, das höchste Letzte, das höchste Prinzip. Dieses Taiji ist die Mutter, die Quelle allen Seins und Nichtseins, allen Lebens und jedes Todes. Sie ist die absolute Stille, die absolute Leere. Aus Ihr wird alles geboren, angefangen mit den ersten beiden "Kindern" Yin und Yang. Vergleichbar mit einem absolut stillem See, auf dessen Oberfläche sich alles spiegelt, bis ein Stein hineingeworfen wird und so oben und unten, vorn und hinten, außen und innen, schnell und langsam, kurz Yin und Yang erzeugt werden.

Diese beiden Gegensätze sind überall im Universum enthalten. So auch in uns, um uns und zwischen uns. Jedes Teil birgt sein Gegenteil in sich. Yin enthält Yang und Yang enthält Yin. Äußerstes Yin wandelt sich zu Yang und äußerstes Yang wandelt sich wieder zu Yin.

Auf die Kampfkünste, auf einen Kampf angewandt, heißt das, daß jedes Vorschnellen das Zurückweichen schon in sich hat, jeder langsamen Bewegung eine schnelle folgt, jeder Schwachstelle eine Stärke entgegengebracht wird, jedem Harten etwas Weiches nachgibt, jedes Zuviel und jedes Zuwenig ausgeglichen wird. Beide Gegner verschmelzen so miteinander zu einem sich ständig wandelnden Gleichgewicht. Wer dieses bricht, verliert. Jedes Yin enthält einen Yanganteil, welcher wiederum einen Yinanteil birgt und so weiter. Es sind also nicht zwei voneinander getrennte Teile, sondern sie sind unendlich tief miteinander verwoben.

Es steht demnach alles miteinander in einer sich ständig wechselnden Beziehung. Nach welchem Prinzip vollzieht sich nun aber dieser Wandel?

Dieses Phänomen wird erzeugt vom Dao. Dao wird übersetzt mit: Weg, Straße, Lauf (des Wassers) oder Methode. Im philosophischen, daoistischen Sinne wird es meist als das Namenlose bezeichnet.

Bezeichnen zu wollen was es ist, würde ausschließen, was es nicht ist.

Dort, wo zuviel ist, schmälert es, dort wo zuwenig ist, mehrt es. Es enthält reine Natürlichkeit. Keiner Aktivität bewußt, ohne Absicht und Zweck, weder Belohnung noch Lob erstrebend, erfüllt es doch alle Dinge mit Vollkommenheit. Ein stetiger Wandel aller Dinge in einem ganzheitlichen Gleichgewicht. Das Dao ist überall erkennbar. Im Wechsel der Jahreszeiten, im Verlaufe eines Lebens, im Wechsel zwischen Tag und Nacht.

Das Erforschen und Verstehen dieser Vorgänge läßt uns das Aufkommen von Verlust, Verfall und Tod sowie von Gewinn, Wachstum und Leben als Notwendigkeiten des ganzheitlichen Wandels akzeptieren. Nach und nach verstehen wir, daß die Anhaftungen des Ichs an einer Sache durch Leidenschaft und Begierde keinen Sinn hat, da alles sowieso dem Wandel, dem Dao unterworfen ist. Von daher käme der Mensch seiner wahren Bestimmung etwas näher, wenn er mehr und mehr lernt, sich dem Dao zu überlassen, durch das Dao handelt, sich mit der Natur aller Dinge und so auch mit seiner eigenen verbindet.

Eine Methode, neben vielen anderen, diesen Weg zu gehen, ist TaijiDao.

Das System an sich besteht zunächst aus vielen verschiedenen Übungen aus dem Qi Gong-Bereich und sorgt für die Schulung der Wahrnehmung, darauf folgend der Lenkung und Benutzung von Qi. Diese Qi Gong-Sektion besteht aus verschiedenen "stehenden Säulen", Qi sammelnden Übungen (Cai Qi Gong), Qi lenkenden Übungen (Daoyin Gong), sowie auch Atemschulung wie zum Beispiel Tuna. Aufbauend darauf werden vielseitige "Seidenübungen" (Chansi Gong) trainiert, um die Bewegungsprinzipien des TaijiDao besser verstehen zu können. Dazu kommen "Tuntu"-Übungen die für das Verstehen von Kraft- und Energiefluß im Körper im Allgemeinen, aber auch speziell auf die Explosionsbewegungen ausgerichtet geübt werden. All das findet dann Anwendung und Ausdruck vorerst in den zahlreichen Hand- und Waffenformen deren Bewegungen dann auch im Push Hands (Tuishou) und letzten Endes im Sanda, dem chinesischen Freikampf ihre Wirkung zeigen. Durch seine eher sportliche Ausführung ist TaijiDao besonders für Männer und Frauen jüngeren und mittleren Alters interessant, kann aber auch in seinem Bewegungsvolumen reduziert bis ins hohe Alter praktiziert werden.

Die Kurse sind Anfang November angelaufen. Meister Shen Xijing gibt regelmäßig Kurse in ganz Deutschland für Anfänger und Fortgeschrittene. Sein Bestreben ist es u.a. die inneren Kampfkünste auch für jüngere Menschen interessant zu machen, um dem scheinbar immer noch sehr verbreiteten Eindruck, alles was mit Taiji zu tun hat sei nur etwas sehr Langsames für "Heilgymnastikbedürftige", zu berichtigen. TaijiDao ist eventuell eine etwas sinnvollere Freizeitbeschäftigung, als einige andere der heutigen Zeit und hat unter Umständen das Potential, wieder etwas mehr Freude an unserem Körper und dessen Gesundheit zu haben. TaijiDao kann auch einfach Spaß an der Bewegung sein. TaijiDao bietet die Möglichkeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen, mit seiner eigenen Spiritualität, sich ganzheitlich zu entwickeln und zu wachsen von der Kindheit an bis ins hohe Alter.

 

TaijiDao Seminare mit Meister Shen Xijing 2000:

19. 3. Dortmund TaijiDao Einführungslehrgang, Kampftechniken

3. - 23. 3. Hamburg Schwert, Stock, Langstock Anwendung

25. 3. - 26. 3. Hamburg TaijiDao Qi Gong

3. - 30. 3. Hamburg erste Form TaijiDao

3. 4. - 5. 4. Hamburg zweite Form TaijiDao (Wettkampfform)

6. 4. - 7. 4. Hamburg Tuishou und Sanda

8. 4. - 9. 4. Lüdinghausen Seminar mit Meister Shen Xijing

4. - 12. 4. Hamburg TaijiDao Schwert

13. 4. Hamburg Akupressur

Einführungsseminar TaijiDao mit Ausbilder Ralf Anlauf

15. - 16.1. Dortmund

Wochenkurse mit Ausbilder Ralf Anlauf:

Hamburg

Bismarckallee 5 (Ballettschule), Ahrensburg Montag 17.00 - 19.00 Uhr

Mittwoch 17.30 - 19.30 Uhr

Nöltingstraße 49 A, Altona Donnerstag 20.00 - 22.00 Uhr

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Das historische Taijiquan von Jan Silberstorff

Wie in anderen Bereichen gibt es auch im Taijiquan die Geschichte der Mythen und Legenden. Und wie ebenfalls in anderen Bereichen gibt es auch im Taijiquan die nüchterne, reine - allerdings überhaupt nicht langweilige Historie. Fast immer handeln die Artikel oder Bücher von den Mythen und Legenden des Taijiquan. Vielleicht um es aufzuwerten oder um es spannender zu machen, oder weil wir es eben nicht besser wissen.

Dieser Artikel handelt nur von der tatsächlich festgehaltenen Entwicklung des Taijiquan. Und wir werden sehen, daß diese nicht weniger spannend ist und dabei so gehaltvoll, daß es gar keiner Aufwertung bedarf.

Historisch beginnt Taijiquan bei der Chenfamilie.

Jede ernst zu nehmende Geschichtsschreibung in China weist Chen Wanting als die Person aus, auf den das Taijiquan, in den verschiedensten Richtungen, wie wir es heute kennen, zurückzuführen ist. Chen Wanting jedoch ist auf niemanden weiter zurückzuführen. Der Yangstil, der Wustil, der andere Wustil und im Endeffekt auch der Sunstil (ersetzt sich noch aus anderen Systemen zusammen) lassen sich unmittelbar auf den Chenstil zurückführen. Zu deutlich sind die Verwandtschaften der Hand- und Waffenformen, zu bekannt sind die Stammbäume, die immer wieder auf die Chenfamilie verweisen. Die Formen und Stammbäume der Chenfamilie lassen sich vor ihrer Zeit jedoch nirgendwo wiederfinden. Somit ist der Chenstil in China historisch als Quelle offiziell bestätigt worden.

Was nicht heißt, das Chen Wanting sich diese hohe Kunst nun notwendigerweise komplett selbst ausgedacht haben muß. Viele vorher bestehende Systeme, Theorien und spirituellen Erkenntnisse lagen dieser Entwicklung voraus. Sicher spricht auch nichts gegen daoistische Einsiedler, die da irgendwann einmal ihre Finger mit im Spiel gehabt haben werden. Aber Taijiquan, so wie wir es kennen, und sei es in den verschiedensten Varianten, wie sie heute verbreitet sind, dieses Taijiquan kannte man vor Chen Wanting nicht.

Wer war nun dieser Chen Wanting?

und: Wer war die Chen-Familie?

Und was ist das Taijiquan, was wir heute kennen?

Chen Wanting war ein General im 17. Jahrhundert. Er lebte in der Zeit 1600-1680 unserer Zeitrechnung. Ich muß mich entschuldigen für all diejenigen, die auf ihren Werbeflyern Taijiquan als jahrtausende alte Kampfkunst beworben haben. Es wird langsam Zeit, diese neu zu entwerfen.

Fakt ist, Taijiquan basiert auf Wissen und den Erkenntnissen, die bis an den Anfang der Zeit zurückreichen. Aber alles, was wir kennen basiert auf dem Wissen und den Erkenntnissen, die bis an den Anfang der Zeit zurückreichen. Und wirbt ein Autohändler mit seiner Technologie etwa bis an die Zeit der Erfindung des Rades zurück?

Die Familie Chen, so belegen chinesische Staatseintragungen, siedelte 1374 aus der Hauptstadt der Shanxi Provinz, Hongtong, über in den Landkreis Wen (heutige Bezirksstadt ist Wenxian) der Henanprovinz. Dort begründete der Clanoberhaupt Chen Bo die Gemeinde Chenjiagou, benannt nach ihrem Familienname und einem riesigem Graben, der sich durch diese Landschaft zieht. Auch direkt benachbarte Gemeinden verwenden diesen Graben als Begriffsbezeichnung in ihrem Namen. Den Grund der Übersiedelung kann ich heute noch nicht klar nachweisen. Vermutlich war es eine öffentliche Maßnahme, die übervölkerte Provinz Shanxi zu Gunsten der schwach besiedelten Provinz Henan zu entlasten. Die Familie Chen brachte ihr bis zu General Chen Wanting überliefertes Kampfkunstsystem, das Hongtongquan, welches in der Stadt Hongtong noch heute ausgeübt wird, mit ins heutige Chenjiagou. Die Chenfamilie betrieb also schon vor dem Taijiquan Kampfkunst.

Die Chenfamilie war eine Kriegerfamilie. Auch Chen Wanting war in der Kriegskunst hoch bewandert. Historische Quellen verweisen auf seine Dienste unter der Herrschaft der Ming-Dynastie. Diesen Quellen zu Folge eskortierte er Reisezüge und war maßgeblicher Befehlshaber einer Bürgerarmee zur Verteidigung seines Landkreises Wen, drei Jahre vor dem Zerfall der Dynastie (1644). Unter anderem fochte er eine große Schlacht gegen einen Befehlshaber, der eine Armee befehligte, die Fremdherrschaft zu unterstützen. Dieser war gleichzeitig ein guter Freund Chen Wantings. Wem dies absurd erscheint, vergleiche nur ähnliche Begebenheiten im Europa der selben Epoche. Chen Wantings Armee gewann die Schlacht und er nahm den Bediensteten des befreundeten Generals bei sich auf, nachdem letzterer enthauptet wurde. Dieser Bedienstete hieß Jiang Fa und wurde später einer der ersten Schüler Chen Wantings. Dies bedeutet, das Yang Luchan, einer der berühmtesten Taiji-Kämpfer der Geschichte, genauso sehr der erste Außenstehende war, der Taijiquan erlernte, wie Christoph Kolumbus Amerika entdeckte. Vielmehr war er der erste, der damit berühmt wurde!! Die Chenfamilie, so wurde mir bei meinen zahlreichen Aufenthalten in Chenjiagou berichtet, unterrichtete schon immer auch Nichtfamilienmitglieder. Nur müsse man dazu verstehen, daß in jener Zeit, in der Kampf um die eigene Existenz täglich neu ausgefochten werden mußte, und in denen die landes oder weltweite Kommunikation nur wörtlich Schritt für Schritt voran ging, der Andrang Außenstehender, Taijiquan zu erlernen, in Chenjiagou nicht allzu groß war.

Dies kann ich gut nachvollziehen. Noch heute habe ich trotz weltweiter Bekanntheit und trotz westlichem Wohlstand kaum Ausländer in Chenjiagou erblicken können. Heute keine Ausländer, damals keine Inländer. Das Taijiquan sich heute so rasch verbreitet liegt daran, weil die Taiji-Meister oder Nicht-Meister heute von Zuhause fortgehen und zu den Leuten hingehen, um es ihnen zu zeigen. Damals ging niemand weg um irgend jemandem so etwas zeigen zu wollen. Es war eine wirklich andere Zeit.

Wie auch immer, Chen Wanting gewann zwar die Schlacht, die Qings jedoch den Krieg. So kam es in China 1644 zum Dynastiewechsel und die Fremdherrschaft der manschurischen Qings begann. Chen Wanting wurde quasi arbeitslos. Was macht jemand der nach all den Jahren arbeitslos wird?

Er ist ersteinmal deprimiert. Auch wenn er ein General ist. Und Chen Wanting erkannte in seiner Depression, daß ihm all seine erworbenen Titel, all sein Ruhm und seine Auszeichnungen nun nichts mehr wert waren. Und so erkannte er die Unbeständigkeit der Dinge, nichts ist von Dauer, alles in ständiger Wandlung. So widmete er sich dem Studium klassischer Texte über daoistische Wege zur Gesunderhaltung und Lebenspflege. Er studierte das Meridiansystem und die Boxklassiker der Zeit. Hauptsächlich beeindruckt aus dem Huang Ting (einem Buch über innere Energiearbeit) und dem Boxbuch des Generals Qi Jiguang (16. Jhd.), schuf er ein neues System. Dieses System verband die Meridianlehre mit der Boxkunst. Wirkte therapeutisch, philosophisch und kämpferisch zugleich. Es waren nicht, wie bisher bekannt, Boxformen, die durch Atemtechniken und Meditation begleitet wurden. Nein, alles wurde eins. Es gab keinen Unterschied mehr in der Übung. Meditation, Gesundheit und Selbstverteidigung zerschmolz zu einem einzigen Übungsprinzip. Dieses Prinzip glich der Theorie von Yin und Yang so sehr, daß es später von Beobachtern mit dem Namen Taijiquan (Taiji-Boxen) bedacht wurde. Aber dies war damals nicht wichtig. Chen Wanting kreierte fünf Bewegungsabläufe, die dieses Prinzip beinhalteten. Eine weitere Form mit 108 Bewegungen ist heute zwar kaum noch in Chenjiagou zu finden, wird aber noch in der sehr frühen Heimat der Chenfamilie, in Hongtong, teilweise geübt. Chen Wanting selbst hatte schon mindestens einen Schüler, der nicht direkt dem Chenclan angehörte, sondern aus Hongtong kam.

Insgesamt sagt man Chen Wanting sieben Formen nach: 5 Routinen Taijiquan, eine Form Chang Quan (Langes Boxen, nicht zu vergleichen mit der Variante aus dem modernen Wushu) und eine Form Paoquan (Kanonenboxen).

Diese sieben Formen faßte später in der 14. Generation Chen Changxing zu den heute zwei bekannten Formen des sogenannten alten, traditionellen Rahmens, Laojia, zusammen. Dieser Zeitraum um Chen Changxing spielt in der Entwicklung des Taijiquan eine bedeutende Rolle. Zum Einen sind diese Formen noch bis heute im Großen und Ganzen in ihrer damaligen Art und Weise erhalten geblieben und werden von der Chenfamilie inzwischen überall auf der Welt unterrichtet. Zum anderen war es eine Zeit des Umbruchs. Vermehrt kamen Schüler von Außerhalb, wurden von dem Chenclan akzeptiert, lernten Taijiquan und begannen, dieses in die Welt zu tragen. Die herausragenden Persönlichkeiten waren sicherlich zum einen Yang Luchan (1799-1872) aus Yongnian, Landkreis Handan, Hebei Provinz und quasi sein Nachbar Wu Yuxiang (1812-1880).

Nun wird oft und gern erzählt, Yang Luchan sei der erste, dem das "Geheimnis" der Chenfamilie zuteil wurde. Wir haben weiter oben in diesem Artikel bereits gesehen, daß er keineswegs der erste gewesen ist, der als Nichtfamilienmitglied hier lernte. Wir verglichen ihn mit Christoph Kolumbus. Er war zwar nicht wirklich der erste, der bei der Chenfamilie lernte, sicherlich aber der erste, der damit berühmt wurde. Ich möchte an dieser Stelle kurz die historische und gerade nicht die legendäre Lebensgeschichte Yang Luchans aufzeigen. Yang Luchans eigentlicher Name war Yang Fukui.

Die Chenfamilie war aufgrund ihres Status durchaus wohlhabend, so daß eines ihrer Clanmitglieder eine Apotheke in Yongnian unterhielt. Dieser Ort liegt etwa 250 km von Chenjiagou entfernt. Der junge Yang, dessen Eltern recht arm waren arbeitete von kleinauf in dieser Apotheke quasi als Leibeigener. So zog er auch mit seinem Herrn nach Chenjiagou, als dieser dorthin zurückkehrte. Dort diente er dann im Hause Chen Changxings. Nach den Erzählungen meines Großmeisters Chen Xiaowang dürfe man es sich nicht so vorstellen, daß die Chenfamilie ihre Kunst bloß niemanden zeigen wollte. Nur war dies eine Zeit, in der es nicht an der Tagesordnung war, daß Touristen vorbei kamen um etwas Taijiquan zu lernen. Auch war dies gar nicht so bekannt, daß eigentlich auch niemand des Rufes wegen kam. Wie gesagt, lernten schon zuvor einige Außenstehende bei der Chenfamilie. Nähere Angaben und Aufzählungen findet der Interessierte Leser in dem Quellentextbuch der WCTAG. Yang Luchan war Leibeigener und es gehörte damals alles andere als zur Tagesordnung, daß solche Leute am gesellschaftlichen Leben teilhatten und daher auch nicht für den Unterricht in Frage kamen. Zumal ernsthafter Unterricht seht viel Zeit und Aufmerksamkeit des Lehrers, in diesem Falle des Hausherrn, von Nöten waren. Und hier waren die Interessen wohl eher umgekehrt verteilt.

So wurde Yang Luchan nicht unterrichtet, aber in diesem Sinne auch nicht vom Unterricht ferngehalten. Er verrichtete seine Arbeit und soweit diese es ihm zuließ, schaute er den anderen beim Training zu. Wenn er sie nicht sogar dabei bewirtete. Er fand daran soviel Interesse, daß er anfing, in jeder freien Minute das Gesehene im eigenen Training umzusetzen. Chen Changxing viel dieser immense Fleiß auf und er sah, daß Yang Luchan schnelle Fortschritte machte. Er muß tief beeindruckt gewesen sein. Denn so kam es, daß er Yang Luchan später als Schüler annahm. Nach erfolgreichen Lehrjahren zog dieser zunächst wieder in seine Heimat Yongnian, um dann aber später in Peking weltberühmt zu werden. Zurück in Yongnian schon begann Yang Luchan,Taijiquan zu unterrichten. Damals gab es den Namen Taijiquan noch gar nicht. Yang selber nannte diesen Boxstil Ruanquan (Weiches Boxen). Es war Mitte letzten Jahrhunderts und die Boxkunst der Chenfamilie machte sich langsam einen Namen in der Welt. Als Kampfsystem. Ein Bewohner Yongnians, Wu Yuxiang , war so begeistert von Yangs Erzählungen und Unterweisungen, daß er loszog, Taijiquan in Chenjiagou selbst zu erlernen. Jedoch wies Chen Changxing ihn vermutlich aus Altersgründen ab, so daß er bei Chen Qingping lernte. Chen Qingping heirate eine Frau aus Zhaobaozhen, einer etwas größeren Gemeinde, die an Chenjiagou grenzt, und zog zu ihr. Chen Qingping lernte Taijiquan bei Chen Youbeng (wie Chen Changxing 14. Generation), welcher die Bewegungen etwas veränderte. Diese Variante wird heute "Kleiner Rahmen" genannt. Hieraus entwickelte sich später auch das Zhaobao-Taijiquan. Während sich die Bewegungen der Formen über die Generationen der Nachkommen Yang Luchans veränderten, so daß man heute gemeinhin vom Yangstil spricht, so spricht man über die Generationslinie des Wu Yuxiang vom Wustil. Aus beiden Varianten haben sich weiterhin Veränderungen ergeben, die heute weitere Stilbezeichnungen führen. Auch im Chenstil hat es Veränderungen gegeben mit entsprechenden Bezeichnungen. Jedoch lassen sich alle heute bekannten Taijiquanformen auf die von Chen Changxing zurückführen. Und dies ist auch in den heutigen Bewegungsarten noch klar erkennbar. Auch hat es außer schleichenden Veränderungen, persönlichen Vorlieben etc. auch tatsächliche, absichtliche Veränderungen gegeben. Zum Beispiel Kürzungen oder Versimplizierungen zur Vereinfachung und leichteren Streuung des Taijiquan. Explosive Bewegungen wurden durch einfachere ersetzt, um eine größere Zielgruppe anzusprechen. Veränderungen der Veränderung wegen, um selber eine Urheberschaft anzumelden sind zu beobachten und und und. Das eigentliche Gongfu des Taijiquan jedoch bleibt seit den Tagen Chen Changxings und Yang Luchans unübertroffen und diejenigen die in heutigen Tagen diese hohen Level im Taijiquan erreichen, trainieren das Taijiquan in genau derselben Weise, wie die alten Meister. Veränderungen hin oder her - wer das wirkliche Taijiquan in seiner Vollständigkeit erlernen will, findet immer wieder zurück zur Wurzel. Von dieser können alle profitieren. Individuell ausgerichtet je nach Konstitution und Intention. Veränderungen des eigentlichen Taijiquan haben bisher nur Varianten ergeben, die individuell, durch Neigung und Alter sowieso schon immer dagewesen sind. Mit dem Unterschied, das sie jetzt durch Medien wie Photographie und neuerdings Video standardisiert worden sind.

Doch was kann ich mir jetzt unter dem "Historischen Taijiquan" vorstellen? Was hat die Chenfamilie oder besser noch Chen Wanting selbst mit seiner Arbeit beabsichtigt, zu erschaffen?

Zunächst einmal war Chen Wanting ein Kriegsherr. Das heißt, sein Beruf war der Krieg, er war auf dem Schlachtfeld Zuhause. Eigentlich gilt das für fast alle berühmten Begründer großer Systeme. Man denke da an den Aikido Begründer Ueshiba oder aber den japanischen Schwertfechter Musashi. Alles Menschen, die ihre Erkenntnisse aus dem wirklichen Kampf, ernsthaften Duellen, aus Leben und Tod unmittelbar gewonnen haben. Man kann also getrost davon ausgehen, daß Chen Wantings Wissen um die Kampfkunst immens war und sein System an realistischer Selbstverteidigung aller Zweifel erhaben war. Aber es ging ihm um mehr. Durch seine verlorene Ehre, den Dynastiewechsel, zog er sich zurück ins ländliche Chenjiagou und suchte nach etwas dauerhafterem als Ruhm und Ehre. Er fand dieses Wissen in tiefen religiös/philosophischen Erkenntnissen und in dem, was abgeflacht heute als Qigong bezeichnet wird. Hieraus schuf er ein System, was sich sowohl zum Schutze des Staates nach außen, als auch zur Stärkung und Gesundung des eigenen Selbst nach innen hin gebräuchlich war. Um in Körper und Geist alle Fähigkeiten zu entwickeln und selbstverständlich auch aus kampfkunstspezifischen Notwendigkeiten heraus, beinhaltet sein System sowohl weiche, als auch harte, langsame, als auch explosive Bewegungen. Er schuf ein System, das alle Gegensätze, alle Polaritäten des Lebens und alle Formen der Wandlung und Veränderungen, die das Leben mit sich bringt, in sich harmonisiert. Es sollte möglich sein, sich dem natürlichen Fluß der Dinge anpassen zu können, um so die Zusammenhänge zwischen Himmel und Erden wirklich spürbar erfahren zu können. Und dies nicht nur spirituell, sondern auch direkt überprüfbar im Zweikampf. Heute fehlt oft der kämpferische Aspekt, so daß es den Übenden schwerfällt, sich und seine Fortschritte realistisch einschätzen zu können. Oft trudeln sie deshalb ins Uferlose.

All diese Prinzipien, die Chen Wanting kreierte, wurden später als dem Taiji-Prinzip entsprechend erkannt, so daß man seit etwa 100 Jahren bei dieser Boxkunst von Taijiquan (Boxen nach dem Taiji-Prinzip) spricht.

Ursprünglich zählen neben den Faustformen noch viele Waffenformen, Training an speziellen Geräten, wie z.B. Ball oder Tonne, sowie Partnerübungen, Schiebende Hände und Freikampf mit zu dem System. So wie es auch heute noch in der Chenfamilie praktiziert wird.

Das historische Taijiquan ist eine klar definierte Sache. Hauptsächlich Unverständnis oder kommerzielles Fehldenken haben mit der Zeit zu mystischer Geheimniskrämerei geführt. Ich selbst habe noch keinen wirklich großen Meister getroffen, der aus seiner Sache ein Geheimnis gemacht hätte. Viele schlechte Lehrer mit geringem Können aber, die mir von Geheimnissen erzählten. Der Grund hierfür wird mir wiederum wohl immer ein Geheimnis bleiben. Denn wirkliches Taijiquan ist viel zu schwer zu erlernen, als daß es Not tut, darum ein Geheimnis zu machen.

Das historische Taijiquan ist die Wurzel aller Taijiquan-Richtungen. Wer die Wurzel verläßt, kommt nicht nur Milimeter vom Weg ab, sondern treibt meilenweit in die Irre. Das heißt nicht, daß man unbedingt ausschließlich Chentaijiquan betreiben muß, um Gutes zu lernen. Aber man sollte sich um Lehrmeister mit traditionellem Wissen und wirklichem Können und Gongfu bemühen, denn in Wirklichkeit gibt es keine verschiedenen Systeme. Tatsächlich gibt es nur das Taiji-Prinzip und die Boxkunst, die sich danach richtet. Gesundheit, Meditation, Selbstverteidigung - je tiefer die Erkenntnis, je klarer das Prinzip - um so größer der wirkliche Nutzen dieser mit schönsten Sache der Welt.

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Turniersiege der WCTAG-Nordrheinwestfalen in der VR China

Auch in diesem Jahr wurde die WCTAG auf einem Turnier in China erfolgreich vertreten . Dieses Mal reiste ein 4-köpfiges Team aus Lüdinghausen Ende August nach Qingdao zu den "International Wushu Championships Qingdao", Provinz Shandong, wohin Gerhard Milbrat und seine Leute eingeladen worden waren. Gerhard konnte leider aus privaten Gründen nicht mitfahren. Doch Thomas Vieth, Frank Marquard, Birgit Berkhan und Hadmut Mühlendyck-Hanholz, alle Kursleiter der WCTAG, traten in 3 Disziplinen im Taijiquan an und konnten 7 Medaillen erkämpfen.

Am 1. Tag standen u.a. die Taiji Handformen auf dem Programm. Nach langer Wartezeit, die teilweise aus Disorganisationen und Verständigungsschwierigkeiten resultierten (Ausschreibung nur in chinesischen Schriftzeichen!), konnten sich aber Frank und Hadmut jeweils die Goldmedaille in ihrer Altersgruppe sichern, Birgit Silber. Am 2. Tag dann, nach noch längerer Geduldsprobe und Ausfall der Klimaanlage, traten Birgit und Hadmut in der Taiji Schwertform an und erhielten Gold, bzw. Silber. Wenn das Teilnehmerfeld noch etwas größer gewesen wäre, hätten sie sich noch mehr über den Erfolg freuen können. Doch die ganze Atmosphäre in China, die Teilnehmer aus insgesamt 12 Nationen und überhaupt die Möglichkeit, mal im Vergleich zu Asiaten und anderen Nationalitäten starten zu können, lassen sie doch den gesamten Wettkampf und die Erfolge in bester Erinnerung bleiben.

Als letzter Programmpunkt stand das Taiji Pushen an. Thomas und Frank hatten sich dafür gemeldet und die chinesischen Gegner waren schon ganz heiß darauf, mal gegen Nichtasiaten antreten zu können. Doch: Keiner der Chinesen hatte auch nur die geringste Chance zu gewinnen. Nach anfänglichem Abchecken der Möglichkeiten siegten Thomas und Frank jeweils souverän mit Gold.

Neben Taijiquan sind die beiden auch noch im Tang Lang Quan für die Chung Hsing Mei Hua Tang Lang Ass. Germany gestartet. Thomas erhielt Gold für seine Schwertform und Bronze für die Handform, Frank Silber für Schwert und ebenfalls Bronze für seine Handform. So konnten sich hier beide ebenfalls gut sehen lassen, vor allem, weil die Provinz Shandong als der Gründungsort des Tang Lang gilt und in Qingdao u.a. auch viele Koreaner und Amerikaner im Tang Lang Quan gestartet sind. Eine schöne Anerkennung für Thomas und Hadmut war es noch, daß beide bei der abschließenden Vorführung ihre Handformen zeigen durften.

Doch die Reise bestand nicht nur aus Wettkampf. So haben sich Thomas, Birgit und Hadmut zunächst einmal in Peking 4 Tage akklimatisiert (immerhin mindestens 30 Grad Hitze bei schwüler Großstadtluft). Sie haben sich natürlich einige kulturell sehenswerte Stätte angeschaut, sowie die Große Mauer erklommen. Trainieren konnten sie auf dem Hotel eigenen Tennisplatz. Doch ließen sie es sich auch nicht nehmen, einmal morgens um 6 Uhr in einem Park zu üben. Wahnsinn, was da schon so alles los ist! Wer das nicht miterlebt hat, kann es sich wirklich nur schwer vorstellen: Vom Taiji- und Qigong-Üben über klassischen Tanz, Drachen steigen lassen, Federball spielen, harten Kung Fu Training bis hin zu Singen, Gymnastik und Kanarienvögel in den winzigen Käfigen spazieren tragen. Auch Bagua-Übende konnte man an den abgetretenen Kreisen unter den Bäumen erkennen.

Ebenso in Qingdao haben sich die Lüdinghauser noch so einiges ansehen können, so war eine Fahrt ins Laoshan-Gebirge und zum Gelben Meer sehr beeindruckend und zeigte, warum Qingdao der beliebteste Badeort der Chinesen ist.

Obwohl 14 Tage ja eigentlich zu kurz sind für so eine Reise, war sie doch wirklich ein Erlebnis wert, und alle haben sowohl an Erfahrungen, als auch an Eindrücken, vor allem der chinesischen Mentalität, Erfahrungen und natürlich an Medaillen gewonnen.

Hadmut Mühlendyck-Hanholz

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Tai Ji Sommercamp in Lüdinghausen

Schon zum 4. Mal in Folge veranstaltete die WCTAG Nordrhein Westfalen unter Leitung von Gerhard Milbrat das Tai Ji Sommercamp auf einem idyllisch gelegenen Zeltplatz im Münsterland, in Lüdinghausen.

Sommercamp- das heißt 24 Stunden intensive Beschäftigung mit Tai Ji Quan und Qigong, in freier Natur, bei Wind und Wetter, Sonne und Hitze, eintreten in das eigene Gleichgewicht - zur Ruhe kommen. Dieses Jahr fand sich auf dem Campingplatz eine bunt gemischte Truppe Interessierter zusammen: sowohl Chen Tai Ji Anfangende (wie Yang Tai Ji Leute), WCTAG Mitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet, die zum Teil mit ihren Kleinkindern anreisten, als auch Sommercamp Erfahrene wollten sich im Juli für 10 Tage diesem Abenteuer Trainingscamp stellen.

Frühmorgens wurden alle entweder vom Rufen des Kuckucks, dem Hahnenschrei oder aber dem campeigenen Weckdienst geweckt. Denn um 7 Uhr fanden sich dann alle zur 1. Übungseinheit zusammen. Mit der aufgehenden Sonne und dem frischen Morgentau auf der Wiese war äußerlich die richtige Stimmung gegeben, um beim Zhan Zhuang Gong und Can Si Gong innerlich zur Ruhe zu kommen und Energie zu tanken. So gestärkt konnte dann das gemeinsam zubereitete Frühstück eingenommen werden, wobei das Essen an der frischen Luft und in großer Runde ja immer am besten schmeckt. Nun waren alle rundum fit, um das gleich anschließende Training antreten zu können. Gerhard unterrichtete in der 2. Übungseinheit u.a. Luo Han Gong. Die äußeren Bewegungen, die viel Dehnen und Strecken beinhalten, kräftigen den gesamten Organismus und werden innerlich mit dem richtigen Atmen geleitet. Nach 5 Tagen fühlten sich alle körperlich äußerst fit und gestärkt. Da es teilweise zur Mittagszeit schon recht heiß war, wurde das weitere Training, Arbeiten an der Chen Tai Ji Form, zur Burg Vischering verlegt. Im tiefen Schatten des alten Baumbestandes konnte man super auf einer großen Wiese üben. Die ganze Atmosphäre mit der alten Wasserburg im Hintergrund und der guten Energie der Bäume war schon einmalig und wirkte sich auch positiv auf die Teilnehmer aus. Manchmal wurde dort dann 4 Stunden am Nachmittag an der Handform geübt. Alle kamen dadurch ein gutes Stück mit dem Erlernen der 1. Form weiter oder haben diese mehr vertieft. Für die Gruppe war auch gut, daß sich immer wieder Anfangende und Erfahrenere untereinander ausgetauscht haben. Dadurch kam ein gutes Gruppengefüge zustande und keiner hat sich irgendwie benachteiligt gefühlt. Auch für die Kinder gab es immer wieder gute Gelegenheiten zum Spielen, oder irgend jemand kümmerte sich halt mit Spielen um sie. So entwickelte sich ein sehr gutes familiäres Verhältnis untereinander, dadurch noch gestärkt, daß sich Gerhard als Lehrer auch wieder in die Reihe der Zeltenden eingefunden hat, und somit viel zur lockeren Atmosphäre beitragen konnte. Am Abend haben sich dann alle mit dem Erlernen der Schwertform beschäftigt. Das Üben bei der untergehenden Sonne hat allen soviel Spaß gemacht, daß teilweise bis zum Dunkel werden trainiert wurde, die Schwerter blitzten dann nur noch im Mondlicht. Wer wollte, bekam noch die Möglichkeit sich in stiller Runde dem Stillen Qi Gong zu widmen, hier bot Gerhard eine freie Übungsstunde zur späten Abendzeit an. Auch dieses diente dazu, noch mehr innerlich zur Ruhe zu kommen und sich seinem Selbst etwas bewußter zu werden.

Abgerundet wurde in diesem Jahr das Sommercamp durch den Besuch von Jan Silberstorff, der an einem Wochenende auf dem Zeltplatz Schiebende Hände unterrichtete. Auch er zeltete in der Runde der Campteilnehmer und integrierte sich wie gewohnt in den übrigen Ablauf voll mit ein.

Wiederum hat sich gezeigt, daß das gemeinsame Üben von Tai Ji Quan und Qi Gong eine wertvolle Erfahrung für alle Interessierte war. Innerhalb des Camp konnte man feststellen, daß die Lauten leiser wurden und Leisen lauter wurden. Das Yin und Yang harmonisierte sich. Dieses Erlebnis hat aber auch einige durch kleine Krisen geführt, die durch das Lösen von Blockaden hervorgerufen wurden. Doch auch hier konnte die Gruppe doch so einiges wieder auffangen. So machten doch alle positive Erfahrung mit dem Gruppenleben, zumal die lange Mittagspause ja auch noch genügend Zeit ließ für eine offene Freizeitgestaltung, wie etwa Schwimmen gehen im angrenzenden Kanal, oder sogar im nahegelegenen Badesee oder zu einem Nickerchen oder zum Einkaufen. Gerhard gab auch allen die Gelegenheit in einen Zweig der TCM, der TUINA, reinzuschnuppern und unterrichtete diese Massagetechnik für alle unter freiem Himmel. Gerne nahmen die Teilnehmer dieses Angebot wahr, um sich einmal so richtig durchkneten zu lassen.

Am Abschlußabend veranstaltete die Gruppe wieder eine fröhliche Grillparty, die aber dieses Mal mit einer kleinen Vorführung der Teilnehmer anfing, bei der alle sehen konnten, wie viel doch in den 10 Tagen alles gelernt wurde. Wahnsinn.

Mit dem gemeinsamen Abbau der großen Gemeinschaftszelte und der eigenen Zelte, wurde dann das Sommercamp beendet. Irgendwie waren sie dann doch froh, mal wieder in einem kühleren Haus schlafen zu können. Aber die frische Luft und Natur pur bergen doch mehr die Möglichkeit, sich selber näher zu kommen und im Einklang leben zu können. Also waren sich viele einig, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein.

Hadmut Mühlendyck-Hanholz

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Großmeister Chen Xiaowang in Hamburg

Auch in diesem Jahr hatten wir die große Ehre und Freude, dass Großmeister Chen Xiaowang in Hamburg eine Reihe von Intensivseminaren abhielt. Taiji-Begeisterte aus dem ganzen Bundesgebiet sowie aus dem Ausland waren angereist, um diese herausragende Gelegenheit wahrzunehmen, direkt "von der Quelle" zu lernen. Zum ersten Mal stand ein ganzes Wochenende für die Stehende Säule und die Seidenübungen auf dem Programm, so dass intensiv an der Basis gearbeitet werden konnte. Mit seiner bekannten Geduld und sanften Beharrlichkeit führte uns Meister Chen durch beide Sätze des Cansigong und ermöglichte sicher allen Anwesenden - ob noch am Anfang ihrer Taiji-Erfahrungen oder auch schon selbst unterrichtend - eine Vertiefung ihrer Praxis. Gerade für letztere ist es darüber hinaus immer wieder äußerst spannend, den Großmeister beim einfühlsamen Korrigieren zu beobachten.

In den anschließenden Seminaren - am KursleiterInnen-Tag und bei den Vertiefungen des neuen Rahmens und der Paochui-Form - gab uns Chen Xiaowang quasi durch eine Blume in Form von ausgiebigen Stand- und Seidenübungen zu verstehen, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten sollten. Mit humorvollem Verständnis für die allgemeine Konsumfreude ging er natürlich trotzdem die jeweiligen Formen durch, die "traditioneller Weise erst gelernt werden, wenn die Energie im Körper bereits geschlossen ist" - ein Ziel, auf das wir bekanntlich alle eifrig zusteuern. Am KursleiterInnen-Tag zeigte er uns sogar die klassischen Taiji-Übungen mit dem Gan, einem mindestens drei Meter langen dicken Stock beziehungsweise Pfahl, die insbesondere die Hüftkraft entwickeln. Sie dienten den fortgeschrittenen Taiji-Kämpfern dazu, die für kriegerische Zeiten notwendigen Kräfte aufzubauen. Auch wenn wir uns mit den üblichen dünnen Langstöcken behelfen mussten, wurde durchaus die Power, die in dieser Übungspraxis liegt, spürbar.

Almut Schmitz

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Herzlich Willkommen zum Internationalen DAO -Camp in Slowenien 1999

Wir, die WCTAG und INBI Russia sind stolz darauf Ihnen erstmals das weltweite DAO-Camp anbieten zu können.

Was das ist ?

Zum ersten Mal wird Grossmeister Chen Xiaowang mit seinem Sohn Chen Yingjun und einem daostischen Mönch aus dem berühmten Kloster der weißen Wolke in Beijing und dem Louguantai in der Provinz Shanxi, VR China gemeinsam ein einwöchiges Camp abhalten. Von morgens um sechs bis Mitternacht laufen Meditationen, Workshops und Vorträge von weltweit einmaliger Qualität. Das, so wissen wir, können unsere Dozenten zu Recht von sich behaupten.

Stattfinden wird die in der wunderschönen Landschaft des seit Jahren befriedeten Sloweniens, Europa. Es ist ein wunderschöner ausgesuchter Ort mit viel Wald, Wasser und Bergen.

Das Programm im einzelnen:

01.07.1999

Ankunft und Unterbringung der TeilnehmerInnen

02. bis 08.07.1999

Camp Programm täglich wie folgt:

6.30-7.30 Uhr Daoistische Meditation ( da zuo ) unter Anleitung eines Mönches.Moench

8.00 Uhr Frühstück

9.30 - 10.30 Uhr Reeling Silk ( Chenstil-Qigong, chan si gong) mit Grossmeister Chen Xiaowang

10.45 - 12.45 Uhr Lao jia yi lu ( Traditionell Form ) mit Grossmeister Chen Xioawang und Parallel dazu für Anfänger die 19er Form ( shi jiu shi tai ji quan ) mit Chen Yingjun

13 Uhr Mittagessen

14.00 - 15.00 Uhr Daoistische Meditation ( da zuo ) unter Anleitung eines Mönches.

15.15 - 16.15 Uhr Lao jia yi lu mit Grossmeister Chen Xiaowang und parallel dazu für Anfänger Lao jia yi lu (1. Teil) mit Chen Yinjun.

16.30 - 17.30 Uhr Säbelform ( Chen shi tai ji dao) mit Grossmeister Chen Xiaowang.

17.45 - 18.45 Uhr Schiebende Hände (Tui shou) mit Grossmeister Chen Xiaowang.

19.00 Uhr Abendbrot

20.15 - 22.30 Uhr Vortrag wechselweise von Grossmeister Chen Xiaowang oder dem Mönch, selbsverständlich in mehrsprachiger Übersetzung.

23.00 - 00.00 Uhr Daoistische Meditation ( da zuo ) unter Anleitung eines Mönches.Moench

Dieses phantastisch umfangreiche Programm kann zu einem Pauschalpreis von 480,- DM bis 520,- DM (für Mitglieder ) vollständig oder teilweise genutzt werden. Damit haben wir nicht nur ein einzigartiges Programm in wunderschöner natürlicher Atmosphäre, es wird auch noch sehr günstig angeboten.

Die Unterbringung erfolgt je nach Anspruch in Einzel-, oder Doppelzimmern sowie auch in Zelten. Für alles ist gesorgt. Dieses Treffen ist ein weltweites Treffen. Das heißt es wird zusätzlich noch ein Sammelpunkt und Informationsaustausch von vielen Schüler,- und MeisterInnen weltweit.

Vieles wird erlernt, vieles wird entstehen, vieles wird verstanden. Und das im Urlaub..

Ich freue mich schon sehr darauf.

Siehe auch das DAO-Camp 2000 in Slowenien.

Kontaktadresse für detaillierte Infos und Anmeldungen :

WCTAG-Geschäftsstelle


Jan Silberstorff
Rendsburger Str. 14
20359 Hamburg
Tel./Fax: 0049- 40-3194224
Mobil: 0049-172-4326626

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