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„Nochmal durchsinken!“, rät mir Kai mit gedämpfter Stimme. Dabei legt er mir die eine Hand leicht auf den Rücken, die andere auf die Schulter. Ich spüre, wie sich plötzlich etwas in mir öffnet – und mein Gegner verliert das Gleichgewicht. Ich habe die Pushhands-Übung gewonnen! Zum allerersten Mal. Das Hochgefühl dauert drei Tage an.
Spätestens seit diesem Moment – sechs Wochen, nachdem ich in die WCTAG eingetreten bin – weiß ich, dass ich das Taijiquan erlernen will. Und ich weiß, dass Kai der Lehrer ist, der mir dabei helfen kann. Ich verstehe, was er erklärt und was er zeigt, und ich vertraue ihm. Das ist vielleicht das Wichtigste, denn ich habe schnell gemerkt, dass ich während der vielen Stunden Training viel von meinem Innersten preisgebe.
Doch sein großer Erfahrungsschatz in der Kampfkunst und im Unterricht ist deutlich spürbar. Schließlich hat er schon 1985 mit seiner Wun Hop Kuen Do Kung-Fu-Ausbildung und zwei Jahre später mit Qigong und Taiji angefangen. Er war in der Deutschen Nationalmannschaft der WAKO (World Association of Kickboxing Organization), und 2005 wurde ihm der dritte Meistergrad im WHKD Kung-Fu verliehen. Seit 1994 lernt Kai von Shifu Jan Silberstorff und Großmeister Chen Xiaowang das Chen Taijiquan. Er wird 2001 Lehrer und 2006 Ausbilder der WCTAG und macht keinen Hehl daraus, dass ihn die innere Kampfkunst so sehr fasziniert, dass sie einen Großteil seines täglichen Trainings ausmacht.
Seine Begeisterung für das System und das Prinzip des Chen Taijis ist sofort auf mich übergesprungen. Wenn Kai seine Lieblingswaffe, die Hellebarde, schwingt, dann verstehe ich, warum der Kampf zwischen Schlange und Kranich zum Symbol für das Taiji geworden ist. Ich habe durch ihn ein grundlegendes Lebensprinzip kennengelernt, das ich auf keinen Fall mehr missen möchte – nicht nur, weil ich inzwischen ab und zu mal eine Pushhands-Übung auch ohne Kais Hilfe gewinne.
Anne Coblenz, Schülerin von Ausbilder Kai Schlupkothen und Mitglied der WCTAG seit 2005.
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