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Eine Reise, die mich verändert hat ...

Als eine der älteren Reiseteilnehmerinnen war es für mich eine sehr wohltuende Erfahrung, einer Reisegruppe von gleichgesinnten Taiji-Anhängern anzugehören, die vom ersten Tag an aufrichtig, offen und fürsorglich miteinander umging. Natürlich wussten alle, dass das auch nötig war, denn wir hatten neben einer unglaublichen Fülle unterschiedlichster Eindrücke auch gemeinsame Strapazen (Flüge, lange Bahnfahrt, beträchtlicher Höhenunterschied) zu bewältigen.

Mit der Ankunft auf dem modernen Flughafen in Peking begann das Staunen über die asiatische Kultur mit den ihr eigenen Gerüchen und setzte sich fort mit der Farbenpracht der Sonnenschirme, den faszinierenden Olympiabauten und der Pracht der Verbotenen Stadt. Der Besuch der Chinesischen Mauer war für einige von uns die Erfüllung eines Lebenstraumes und insofern emotionsgeladen für den einen, zutiefst beeindruckend für den anderen.

Den Kontrast zur Großstadt bildete das kleine Dorf Chenjiagou, das uns durch das einfache, ländliche Leben mit der Tradition der Taiji-Schule im Mittelpunkt beeindruckte. Wir waren Gäste, aber auch Schüler, und konnten die Ernsthaftigkeit bei Vorführungen und dem Training deutlich spüren. In der Freizeit ließ man sich Taiji-Kleidung in der Schneiderei um die Ecke links anfertigen oder gönnte sich einen extra großen Nudeltopf in der Nudelteria um die Ecke rechts. Das eigene Training in der Schule sowie die Erkundungstouren durch den Ort gaben mir schnell ein Dazugehörigkeitsgefühl.

Die saubere Luft und das üppige Grün im Wudang-Gebirge waren Erholung für die Sinne. Dabei bleiben Erlebnisse wie der Besuch beim Einsiedler oder die anspruchsvolle Wanderung zum höchsten Berg und seinem Tempel unvergesslich. Ebenso die herzliche Aufnahme im Frauenkloster, wo für uns die leckersten vegetarischen Speisen gekocht wurden, die wir voll Dankbarkeit annahmen mit großem Appetit aßen.

Nachhaltig in Erinnerung bleibt für mich auch das abendliche Training in Stille auf der Klosterterrasse, das mich auf mystische Weise berührte. Auf der langen Zugfahrt nach Tibet mit wunderschönen weitevermittelnden Landschaftsbildern konnte man sich auf die nächste Kultur einstellen. Zunächst waren wir erstaunt, welch große Stadt Lhasa ist und wie gut bewacht vom chinesischen Militär. Herzlich begrüßt mit dem Seidenschal merkten wir schnell, dass hier die Uhren anders tickten. Man war aufgrund der Höhenlage gezwungen, sich langsamer zu bewegen, um den Körper zu akklimatisieren. Dabei entschleunigte sich alles Tun und Wahrnehmen. Die typischen Trachten (Name), Gebetsmühlen, die zahlreichen Pilger und Mönche auf ihren Wegen in die Köster und Paläste der Stadt zeigten uns das Leben in dieser anderen Welt.

Die besondere Atmosphäre zwischen uns entstand nicht nur durch die persönliche Einstellung zu dieser außergewöhnlichen Reise. Die Gruppendynamik begann sich bereits bei Jans heiterer Begrüßung zu entwickeln. Sie setzte sich durch seine unbeschwerte und unkomplizierte Art Probleme zu lösen und seine wie selbstverständlich immer offenen Ohren für den Einzelnen fort. Jede Station der Reise mit ihren verschiedenen Höhepunkten war gut geplant und durch Jans Vorträge, die Erklärungen der Reisebegleiter bzw. die Gespräche mit verschiedenen Gläubigen sehr informativ und lehrreich. Jan hat uns zusammengebracht, sicher geführt und uns die Möglichkeit gegeben, durch innere Ruhe zu neuen Einstellungen zu gelangen. Dafür danken wir Dir und hoffen insgeheim, dass es doch nicht die letzte Reise mit Dir war.

Adelheid Kramer