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World Chen Xiaowang Taijiquan Association Germany 世界陳小旺太極拳總會

Editorial 2013

20 Jahre WCTAG. Das bedeutet heute rund 400 Kurse in etwa 130 Städten Deutschlands mit über 350 Lehrkräften. Das bedeutet eine Reihe der besten chinesischen und westlichen Meister des Taijiquan. Das bedeutet ein alljährliches Großangebot an Kursen, Seminaren und Trainingscamps. Das bedeutet inzwischen Dutzende von Bücher-, DVD-, CD- und Zeitschriften-Veröffentlichungen.

Das bedeutet ein immer umfassenderes Zusammentragen aller Aspekte des Chen Taijiquan aus Chenjiagou und nach GM Chen Xiaowang. Das bedeutet eine immer weitere Reifung unserer Techniken im Bereich Gesundheit, Spiritualität und Kampfkunst. Und das bedeutet eine immer weitere Globalisierung des Taijiquan. Und hier genau möchte ich mit meinem kleinen Vorwort heute ansetzen.

20 Jahre WCTAG bedeutet nämlich auch, dass wir inzwischen diesen mit größten aller chinesischen Kulturschätze inzwischen auch für uns im Westen gehoben haben. Das heißt aber ebenfalls, dass uns nun klar werden muss, dass, um ebenso gut zu werden wie unsere chinesischen Vorbilder, wir nicht mehr einfach nur Kopien Chinas bleiben können. Wir müssen unsere eigene Identität in dieser wunderbaren Kunst finden. Taijiquan wird zur Weltkunst. Das kann sie aber nur werden, wenn die Welt sich auf das Taijiquan einstellen kann. Und das bedeutet eben nicht einfach nur so zu tun, als würden wir Chinesen werden. Im Gegenteil. Um Meisterschaft erreichen zu können, müssen wir unser eigenes Umfeld erkennen und verstehen lernen, um uns selbst in dieser Entwicklung wiederfinden zu können. Erst eine tiefe Identifizierung mit dem Taijiquan kann auch ein entsprechend tiefes Level hervorbringen. Dies jedoch bedarf auch ein genaues Erkennen der eigenen Situation. Wir müssen daher nicht nur übernehmen, sondern uns selbst auch mit einbringen. In den ersten Jahren war das nicht möglich. Zu wenig haben wir von dieser damals sehr fremdartigen Kunst verstanden. Doch die Situation ändert sich. Mehr und mehr gute Meister entwickeln sich auch im Westen und haben ihre eigenen Vorzüge. Meister im Westen sind nicht einfach nur Meister "wie im Osten". Nein, sie sind "ihre eigenen Meister". Sie sind nicht besser oder schlechter, sie sind anders. Sie sind durch ihre eigene Sozialisation, durch ihre eigene Kultur geprägt und es gilt, dies als Gewinn in die weltweite Entwicklung des Taijiquan mit einzubringen. Nicht jedoch, indem der Fehler der ersten Jahre des Taijiquan im Westen begangen wird, als Übende mit zu wenig Wissen begonnen haben, das System zu verändern oder wie sie sagten "weiterzuentwickeln". Aus dem zu geringen Level heraus folgte ein Missverständnis dem nächsten. Auch geht es gar nicht ums verändern. Das System als solches ist ausgereift und in sich geschlossen. Es geht nur um die eigene Perspektive, den eigenen Blickwinkel auf die für uns alle gleiche und bereits vollständige und perfekt überlieferte Kunst des Taijiquan.

Taijiquan wird eine Weltkunst mit chinesischen Wurzeln. Diese Wurzeln gilt es tiefgründig zu erforschen und zu wahren. Dann aber gilt es ebenso, sie aus unserer Herkunft heraus aufnehmen zu können. Nur so können wir diese Kunst authentisch wiederspiegeln, nur so können wir statt schattenhafte Kopien eines chinesischen Meisters lebendige und ja, eben authentische Meister auch hier im Westen hervorbringen.

Die Tradition bleibt unangegriffen. Aber sie wird zur Vollendung geführt durch ein globales Selbstbewusstsein, dass alles durch ihre Nabelschnur zum Osten hin bekommt, gleichzeitig aber als selbstständiges Wesen leben und wiedergeben kann. Nun sind wir also angelangt am anderen Ende der Brücke zwischen Ost und West und Taijiquan kann in Zukunft das werden, was es ist: Eine chinesische Kampf-, Bewegungs-, Meditations- und Gesundheitskunst, die sich in der Tiefe der weltweiten Kulturen und Menschen wiederspiegeln wird.

Der Kreis von unserem Taijiquan Begründer Chen Wangting aus dem kleinen Dorf Chenjiagou im 17. Jahrhundert schließt sich zu uns im 21. Jahrhundert in der "Großstadt Erde" und kommt so gesehen zu einem Abschluss, den Chen Wangting sich selbst vermutlich nie zu erträumen gewagt hätte.

Meinen tiefen Dank von hier aus an meinen Shifu Chen Xiaowang, an meine Taiji-Heimat Chenjiagou, an die VR China und an den Rest der Welt, der sich so viel Mühe gibt, unser aller Taijiquan wieder einen Schritt weiter zu führen.

Ein wunderbares Taiji Jahr 2013
wünscht Jan Silberstorff