Teil 2 - Der Geist
Willkommen. Dies ist der zweite Vortrag über die Verbindung der Leerheitsmeditation mit unserer Praxis des Stehens ... und ich möchte zuerst kurz erklären, worum es bei diesem zweiten Schritt geht, und dann können wir gemeinsam üben.
Im zweiten Schritt geht es darum, die direkte Erfahrung des Geistes als solchen zu machen. Wenn ich den „Geist als solchen“ sage, meine ich den Teil des Geistes, der ruhig, still, passiv, wissend ist. Nicht den aktiven Geist. Nicht die Gedanken, Gefühle und Reaktionen, sondern den Teil des Geistes , der weiß, der wahrnimmt, der bewusst ist. Was ich damit meine, möchte ich am Beispiel von Klang demonstrieren.
Nehmen wir nun an, wir hören einen Gong. „GONG“ ... Normalerweise, wenn wir den Gong hören, bewegt sich unser Geist nach außen … in Richtung des Klangs, wir versuchen ihn irgendwo zu lokalisieren, zu verstehen … oh es ist ein Gong … irgendwo da drüben spielt jemand … einen Gong …
Anstatt uns wie üblich in die Richtung des Objektes zu bewegen, können wir einfach nur an der Ohreninnentür … an den Ohren bleiben und darauf warten, dass der Klang am Ohr ankommt. Nehmen wir an, wir hören einen weiteren Gong „GONG“ Wir bleiben einfach beim Ohr und empfangen diesen Klang „GONG“ und jetzt können wir noch einen Schritt weitergehen … da ist der Klang, das Ohr, aber da ist auch der Teil des Geistes, der den Klang erkennt, der sich des Klanges bewusst ist. Und um das zu erfahren können wir sozusagen dem Klang nach innen folgen. Dabei geht es nicht darum den Geist in irgendeinem Körper, an einem bestimmten Punkt zu verorten. Die Idee ist nur, dass wir dieser Bewegung, die stattfindet als der Klang zum Ohr kommt, folgen … sozusagen nach Innen folgen. Wir lassen uns von diesem Bewegung des Klangs, der von draußen zum Ohr kommt weiter nach innen tragen, um den Teil des Geistes zu begegnen, der den Klang erkennt, kennt und sich diesem bewusst ist.
Nehmen wir an, wir hören einen weiteren Gong ... „GONG“ Auf diese Weise können wir mit Hilfe des Klangs zu dem Teil des Geistes gelangen, der weiß ... „GONG“
Manchmal kann es auch besser sein, einen scharfen Ton zu nutzen, eine Art klatschenden Ton … um die Tendenz des Geistes durchzuschneiden, nach außen zu gehen und stattdessen sich nach innen zu wenden, um zum Geist als solchen zu kommen. „Klatsch“
Mit diesem Verständnis der Idee hinter dem zweiten Schritt … sind wir nun bereit … wir stehen … spüren das Gewicht der Schwerkraft …wir sind uns des Dantien bewusst ... und entspannen … Wirbelsäule, Brustkorb, Verbindung Schultern … Hüfte, Ellbogen … Knie, Hände und Füße. Mit der Haltung ... gut etabliert, im Dantien gesammelt, nehmen wir wieder die Wahrnehmung des Raumes auf, der sich da nach vorne streckt, dann im Kreis nach rechts, hinten, links … wieder vorne ankommend. Nun lassen wir alle Seiten, gleichzeitig sich nach oben bewegen, so dass es wie eine Halbkugel wird … bis sie sich alle oberhalb des Kopfes treffen … und dann einfach nach unten sinken lassen ... auf den Kopf, den Kopf in dem Raum auflösen … Nacken, Schultern, Arme, Hände, Rumpf, Hüfte, Beine, Füße ... und dann den Boden dadrunter ... grenzenloser Raum.
Wir verweilen in der Wahrnehmung des grenzenlosen Raumes.
Und so wie wir es vorhin mit dem Gong gemacht haben, machen wir das Gleiche jetzt mit dem Raum. Von der Erfahrung des Raumes wenden wir uns dem Geist zu.
Der Geist als das, was den Raum kennt, was sich des Raumes bewusst ist … Geist an sich … und durch das Wissen an dem Raum, das Wissen um den grenzenlosen Raum … ist der Geist selbst „grenzenlos“ geworden. Der Geist, der den grenzenlosen Raum als Objekt hat wird nachtürlich selbst auch grenzenlos ... grenzenloser Geist.
Und somit machen wir die Erfahrung, dass der Geist das Behältnis von all unseren Erfahrungen ist. Wir gewinnen das Verständnis, dass was auch immer es ist … es geschieht in unserem Geist … die ganze Welt ist in unserem Geist (vom Standpunkt der subjektiven Erfahrung aus gesehen).
Dies bedeutet nicht, eine idealistische Position einzunehmen. Damit soll jetzt nicht behauptet werden, dass die Dinge außerhalb meines Geistes nicht existieren, aber damit ich sie erkennen kann, müssen sie in meinem Geist erscheinen.
Für mich, für Euch, die ganze Welt ist in meinem Geist … in eurem Geist.
Indem wir auf diese Weise die Wahrnehmung des Raumes, des Grenzraumes loslassen und uns dem Geist zuwenden, lassen wir die Objekte los. Wir treten gewissermaßen aus der Subjekt-Objekt Realität heraus.
Aus dieser grundlegenden Zweiteilung all unserer Erfahrungen in ein Subjekt und verschiedene Objekte … denn nun ist das Subjekt sein eigenes Objekt geworden … Der Geist kennt sich selbst. Der Geist ist sich selbst selbst bewußt. Und alles was da geschieht, die Bäume, der Wind, was immer es auch ist … es geschieht im Geist … es geschieht in meinem Geist. Wenn es nicht in meinem Geist geschehen würde, wäre ich gar nicht in der Lage, es zu erkennen.
Der Zweck dieser Übung ist, einfach uns bewusst zu machen, in welchem Ausmaß der Geist Erfahrungen konstruiert. So wie wir aus der Wissenschaft wissen, dass die materiellen Dinge zum größten Teil aus dem Raum bestehen, wissen wir auch, dass wir unsere Erfahrungen sehr stark konstruieren. Selbst das, was wir sehen, was durch die Augen eintritt, ist eigentlich nur ein kleiner Teil von dem was wir sehen. Der größte Teil wird vom Verstand hineingesetzt.
Das ist eine Fähigkeit, die die Evolution hervorgebracht hat ... die wir entwickelt haben.
Aber wir sehen die Dinge nicht wirklich. Wir sehen das, was wir uns vorstellen , wie sie sind. Unser Gewahrsein für diese Dimension zu öffnen ist Teil des Zwecks dieses zweiten Schrittes … sich des grenzenlosen Geistes bewußt zu werden … und die Schönheit des grenzenlosen Geistes zu erfahren … aber auch zu sehen, wie sehr der Geist im Zentrum unserer subjektiven Erfahrung steht … und wie sehr er das erschafft, was wir denken, was das Draußen ist …
Und aus der Perspektive des Taijiquan ist natürlich der Geist so entscheidend … wohin der Geist geht, geht das Chi. Yong Yi, Bu Yong Li, „Benutze den Geist, benutze nicht die Kraft“ aus den Taiji-Klassikern.
Und das Grundprinzip hier ist wiederum was wir in der Form, in der Sitzmeditation und auch in den Alltag tragen können … indem wir uns des Geistes bewusst werden … uns bewusst werden ... all den Geschichten, die wir in unserem Geist erschaffen haben, von unseren Projektionen.
Und wann immer wir abgelenkt werden … kommen dann zwangsläufig Gedanken … zusätzlich zum Raum schaffen … haben wir jetzt ein weiteres Werkzeug.
Wenn es Gedanken gibt, gibt es auch das Wissen um die Gedanken. Bei jedem Gedanken kann ich, anstatt mit dem Gedanken mitzulaufen … beim Wissen des Gedankens bleiben. Wenn ich bei dem wissenden Teil bleibe, bin ich fest, unerschütterlich und still … während die Gedanken geschehen. Sie können dich nicht mehr wegtragen. Es ist dasselbe Prinzip, was wir mit dem Gong gemacht haben … oder mit dem grenzenlosen Raum … uns einfach dem zuwenden, was weiß .. was kennt, was bewusst ist. Uns dem Geist zuwenden in seinem ursprünglichem vielleicht sogar nacktem Zustand … wenn ihr wollt.
Der Geist an sich … der Geist als solcher.
Und ebenso wie wir in jeder Situation, im täglichen Leben uns des Raumes bewusst sein können, können wir uns auch des Geistes bewusst werden … des wissenden … und auf diese Art einen Zufluchtsort der Stille und der inneren Stärke finden um jeder Herausforderung zu begegnen.
Während wir so stehen spüren wir, früher oder später, dass wir lange genug in der Wahrnehmung des grenzenlosen Bewusstseins verweilt haben ... und so gehen wir zurück … zum grenzenlosen Raum … und dann zurück zum Körper … wir spüren die verkörperte Präsenz und den Zug der Schwerkraft … und dann machen wir die abschließenden Übungen so wie wir sie gewöhnlich machen.
Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit























































