Teil 4 - Die Vollendung des Wuji

Herzlich willkommen. Das ist der vierte und letzte Vortrag über die Leerheitsmeditation im Zusammenhang mit unserer stehenden Praxis und Taijiquan. Und bei diesem letzten Schritt, den wir heute gemeinsam machen, geht es um Wuji.

Wir begegnen körperlich und energetischem Wuji in unserer Stehenden Säule. Daraus entsteht, wenn wir anfangen uns zu bewegen Taiji … Yin und Yang.

Aber es gibt dazu auch noch eine mentale Dimension von Wuji. Das ist das, wozu ich uns gerne alle einladen möchte, das zu erforschen.

Mentales Wuji ist der Geist, bevor er aktiv wird.

Er ist der Geist, frei von jeglicher Art von Fabrikation, Konstruktion … dekonstruiert, unfabriziert, nicht gemacht …

Es ist ein Geisteszustand der bewusst ist, aber bewusst, ohne Erfahrungen zu verarbeiten … ohne Sinn zu geben, ohne zu versuchen zu verstehen, Sinn zu geben … ohne jede Anstrengung, Dinge zu verstehen … und damit den Boden, die Grundlage der geistigen Erfahrung selbst berühren.

Es ist nicht so, als ob wir jetzt bewusstlos wären, als hätte uns jemand „ausgeknocked“ … wir sind da … bewusst … aber ohne Sinn zu konstruieren … ohne zu verstehen … das ist Wind … da ist ein Baum, da ist Anālayo der spricht und sagt ...

Sobald der Geist irgendetwas aufnimmt … lasst es sofort los … lasst es fallen … lasst es gehen.

Wir verweilen … verweilen und ruhen in Wuji, im unkonstruierten, unfabrizierten, natürlichem … im ursprünglichen Zustand des Geistes.

Bezogen auf den bisherigen Weg, den wir gegangen sind, das Loslassen der Materialität, des Raumes … das Loslassen der Objekte durch das Bewusstsein … das Loslassen des Subjekts … durch das nicht selbst … lassen wir jetzt vollständig … so vollständig wie möglich los … sehr tiefes Loslassen.

Beginnen wir also in unserer stehenden Haltung … entspannt … Dantien … einfach entspannen … Wirbelsäule entspannen … Schultern und Hüften, Ellbogen und Knie, Hände und Füße verbinden. Im Dantien entspannen und ruhen.

Nun die Wahrnehmung des Raumes … vorne, im Kreis rechts, hinten, links … die Seiten nach oben bringen … auf den Kopf hinunter … Kopf sich auflösen lassen … Schultern, Arme, Hände, Rumpf, Hüften, Beine, Füße … und dann den Boden … in alle Richtungen auflösen lassen …grenzenloser Raum …

Und dann wenden wir uns dem zu „das weiß“, das erkennt, der Geist … der grenzenlose Geist … das grenzenlose Bewusstsein …

Und die ganze Welt ist in unserem Geist … unermesslich …

Und jetzt die Last des EGOs abwerfen …

In dieser Erfahrung, die wir gerade machen ist kein ICH, MICH oder MEIN notwendig. Ind er Tat, ohne ICH, MICH und MEIN wird die Erfahrung so viel tiefgründiger. Die Energie fließt besser. Der Körper ist entspannter. Die Last des EGOs loslassen.

Und jetzt als einen weiteren Schritt … so vollständig wie möglich … loslassen. Loslassen … selbst von der Wahrnehmung der Leere … vom nicht selbst …

Sobald der Geist irgendetwas aufgreift … erkennen will, erinnern, einen Gedanken … einfach nur entspannen … loslassen … Dem Geist erlauben in den Zustand des Ungeschaffenen, des Ungefertigten, des Unkonstruierten … WUJI … ein ständiges Loslassen..

Und wann immer uns das gelingt, können wir das spüren … körperlich … wie sich all dieses mentale Loslassen auf den Körper auswirkt … wie die Energie so viel besser zirkuliert, wenn der Geist sich in diese Richtung bewegt.

Loslassen, loslassen, entspannen … Ruhe … nichts tun … zum Ursprung … zum Ungeschaffenen ….

Dies ist nicht etwas, was wir in das tägliche Leben tragen können. Wir wären dysfunktional … weil der Verstand nicht mehr wirklich arbeitet.
Es ist auch nicht etwas, was wir in die Form tragen können, aber das Verständnis, die Erkenntnis, welche aus dieser Erfahrung entsteht, die wir gewinnen können, kann unsere Form tiefgreifend beeinflussen und auch unser Umgehen mit dem täglichen Leben tiefgreifend beeinflussen … denn wir haben ... wenn auch nur kurz den Geist in diesem Zustand des „Ungemachten“ erlebt, des Unfabrizierten.

Wir haben das „Nichtfabrizieren“ erlebt, berührt, erfahren ... ein bischen wie, als wenn man im Auto den Gang herausnimmt, damit der Wagen nicht mehr weiter fahren kann … den Gang im Geist herausnehmen.

Der Geist ist da ... so wie das Auto noch da ist, aber er tut nichts … er bewegt sich nicht, verarbeitet nicht … vor allem konstruiert nicht mehr … ist nicht mehr damit beschäftigt, für uns eine Welt der Erfahrungen zu erschaffen.

Und sobald der Geist dann doch wieder aktiv werden will, wie ein Auto losfahren will, einfach nur den Gang rausnehmen. Loslassen, entspannen, um in Wuji zu verweilen.

Und wenn wir lange genug in diesem Zustand verweilt haben … bewegen wir uns wieder rückwärts … durch die anderen Schritte … nehmen zuerst wahr, das kein ICH, MICH oder MEIN ist, das heißt wir nehmen jetzt etwas auf, und geben dem Geist etwas zu tun …

Dann das grenzenlose Bewusstsein …

Dann der grenzenlose Raum …

Und dann zurück zu unserem verkörperten Sein … wie wir hier stehen … das Gefühl der Schwerkraft … Dantien … immer noch entspannt und zentriert im Dantien.

Und dann machen wir unsere abschließenden Übungen

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit