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Interview mit Großmeister Chen Xiaoxing

Chen Xiaoxing, geboren 1952, 19. Generation der Chen Familie, leitet heute zusammen mit seinem Sohn Chen Ziqiang die Taiji-Schule in Chenjiagou. Trotz seiner weltweiten Seminareinladungen hat er beschlossen, überwiegend vor Ort in Chenjiagou zu bleiben, um an der Quelle die Tradition hoch zu halten. Er ist der jüngere Bruder von GM Chen Xiaowang und gilt als einer der besten Taiji-Meister unserer Zeit.

Die Fragen wurden von der Reisegruppe der WCTAG gestellt, die im August 2009 mit Jan Silberstorff nach Chenjiagou gereist ist.

Frage: Großmeister Chen Xiaoxing, sie betreiben schon ihr gesamtes Leben lang intensiv Taijiquan. Wie kommen Sie zu Ihrer hohen Motivation, die ja sicherlich für solch ein Training gebraucht wird? Auch ich möchte gerne viel Taijiquan trainieren, muss aber dennoch täglich meinen Schweinehund überwinden, um zum Training zu gehen.

GM Chen Xiaoxing: (lacht) Du darfst das verschiedene Umfeld nicht vergessen. Ich trainiere seit meinem 8. Lebensjahr, das sind jetzt 49 Jahre. Aber ich bin damit aufgewachsen, ich bin da hinein gewachsen. Sieh, schon bevor ich laufen konnte, hat jeder um mich herum Taijiquan trainiert und je größer ich wurde – immer machten alle Taijiquan. Es gab zu meiner Kindheit kein Fernsehen oder ähnliches. Taijiquan war bei uns einfach das, was man machte, worüber man sich unterhielt. So macht man es schon von ganz alleine. Wenn man dann besser wird, will man es nicht mehr missen und es ist eher eine Überwindung, wenn man sich entscheidet, einmal nicht zu trainieren, um etwas anderes zu machen.

Frage: Wie ist es heute, Sie unterrichten viel und kümmernsichumdie ganze Schuleundvielesmehr. Haben Sie noch Zeit, für sich alleine zu trainieren? Ich habe das während meines Aufenthaltes hier noch nie gesehen.

GM Chen Xiaoxing: Ich bin hier recht bekannt (lacht). Wenn ich hier in der Öffentlichkeit trainiere, würden immer alle zugucken. Ich liebe es, ganz für mich alleine in der Stille zu sein. So kann ich am tiefsten in meine Praxis kommen und am Besten trainieren. Daher trainiere ich immer morgens um 5 Uhr für mich bei mir, wo mich keiner sieht.

Frage: Die meisten hier trainieren den „Großen Rahmen“ (dajia-laojia). Warum sieht man hier den „Kleinen Rahmen“ (xiaojia) so selten?

GM Chen Xiaoxing: Der „Große Rahmen“ (dajia), bzw. der „Alte Rahmen“ (laojia) ist von unserem Vorfahren Chen Changxing. Die meisten lieben diese Formen und sie haben sich am meisten durchgesetzt. Der „Kleine Rahmen“ (xiaojia) ist von Chen Youben entwickelt worden. Er ist auch überliefert, aber nicht so stark wie der von Chen Changxing.

Frage: Seit es das von GM Chen Xiaowang ins Leben gerufene Hilfsprojekt für Chenjiagou durch seinen Kalligraphie-Verkauf gibt, ist hier viel passiert. Der Chen Wangting Tempel wurde gebaut und nun soll auch ein Chen Changxing Tempel entstehen. Die eigentliche Taiji-Schule hier in Chenjiagou wirkt jedoch ziemlich hinfällig. Warum wird diese nicht auch wieder restauriert?

GM Chen Xiaoxing: Wir wollen auf jeden Fall diese Schule hier restaurieren. Sie ist das Herzstück von Chenjiagou. Wir alle, auch Euer Großmeister, mein Bruder Xiaowang, hat sein Leben lang hier trainiert. Aber es muss alles der Reihe nach gehen. Zuerst sollen die beiden Tempel unserer Ahnen fertiggestellt werden, dann kommt unser eigenes Gebäude. Dazu kommt, dass wir uns bisher noch nicht entschließen konnten, welche Teile auf welche Weise und in welcher Reihenfolge restauriert werden sollen. Es gibt verschiedene Ideen und Pläne, aber wir haben uns noch nicht auf einen definitiv festgelegt.

Frage: Was sind Ihre Ziele für die nächsten 10 Jahre?

GM Chen Xiaoxing: In den nächsten fünf Jahren möchte ich gern wie gesagt unsere Taiji-Schule hier renovieren…(kurzes Nachdenken)…und nach weiteren fünf Jahren noch eine weitere eröffnen!

Großer Applaus der Zuhörer und Fragesteller; Großmeister Chen Xiaoxing erhebt sich und trainiert mit der Reisegruppe zwei Stunden lang die 38er Form.

Jan Silberstorff