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Lou Reed

Zum Gedenken an eines der prominentesten Mitglieder der WCTA

Lou Reed (‚Walk on the wild side‘, Velvet Underground) ist am 27.10.2013 mit 71 Jahren verstorben ist.

Mich selbst traf es, wie vermutlich die meisten, sehr unvorbereitet, da ich um keinerlei akuten Komplikationen wusste. Ich erinnere mich, als vor vielen Jahren mein Telefon klingelte und das berühmte Hamburger Hotel ‚Atlantik‘ anrief: „Ein sehr prominenter Gast, der nicht genannt werden möchte, möchte bei Ihnen gerne Privatstunden nehmen“, hieß es. Wer es denn sein, antwortete ich. Schliesslich ist es ja so: Prominenten Unterricht zu geben ist immer schön, weil es immer eine gute Geschichte ist, die man weiter erzählen kann. Auf der anderen Seite denkt man sich, die üben sowieso nicht, es ist eigentlich vertane Zeit. „Das dürfen wir Ihnen leider nicht sagen“, so hieß es am anderen Ende wieder. „Dann kann ich auch nicht sagen, ob ich die Person unterrichten werde“, beendete ich das Gespräch. Einige Minuten später klingelte es erneut. Es wurde Rücksprache gehalten, so hiess es, es handele sich um den Sänger Lou Reed. Hmm, na gut, der schönen Geschichte wegen, dachte ich, freute mich und sagte zu. Das ‚Atlantik‘ räumte für uns eine Suite leer und der Unterricht begann. Aus einer gebuchte Stunde wurden zweieinhalb und ich war sehr überrascht zu erfahren, das Lou Reed bereits Taijiquan trainierte, wenngleich einen anderen Stil. Nach dem Training lud er mich in seine eigene Suite ein und hier kam jetzt Überraschung Nummer zwei: Er zeigte mir alle seine Trainingswaffen, als da waren Schwert, Säbel und sogar ein Langstock, sowie 12 VHS Videokassetten seines bisherigen Taiji-Lehrers. Egal wohin er reiste, die Waffen und Videos gingen immer mit, erklärte er mir. Er war ein begeisterter Taiji-Fan. Da er in New York zu Hause war, gab ich ihm die Telefonnummer des mitersten direkten Schülers unseres Großmeisters Chen Xiaowang: Meister Ren Guangyi, meinem älteren Gongfu-Bruder, der dort seine Schule hat.

Was dann passierte war traumhaft: Unser Chenstil hatte Lou Reed so sehr begeistert, dass er, zurück in New York, sofort bei ihm anrief und bis jetzt, zu seinem Tod, sein intensiver Schüler blieb. Mehr noch. Lou Reed heuerte Guangyi an, ihn auf seine Konzert-Tourneen zu begleiten. Guangyi gab ihm tagsüber Privatunterricht und führte abends als ein Teil des Events mit auf der Bühne Taijiquan vor. Dies gipfelte in einer gemeinsamen Darbietung bei den Abschlußfeiern der Olympischen Winterspiele in Torino, Italien im Jahre 2006. Später übernahm Guangyi gleich noch den Job seines Bodyguards. Doch auch damit nicht genug, Lou Reed ließ es sich nicht nehmen, für Guangyis Lehr-DVD eigene Musik zu komponieren. Auch reiste Lou Reed nach Chenjiagou. Durch all dies wurde Lou Reed mit zu einem der einflussreichsten Promoter unseres Taijiquan und ich empfinde es als ein großes Glück und eine große Ehre, ihn damals auf so zukunftsträchtige Weise kennengelernt haben zu dürfen. Sein Arzt sagt, er habe noch eine Stunde vor seinem Tod Taijiquan geübt.

Nun hat sich die E-Guitarre in eine Harfe verwandelt, es wird ihm gut gehen. Daher von hier aus noch einmal einen großen Dank an Lou Reed nicht nur für seine Musik, sondern auch für alles was er für uns und das Taijiquan getan hat.

Jan Silberstorff