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Maria Milchereit

Zum Gedenken an Maria Milchereit

Beata, Tanja und Maria

Am 4. Mai 2011 schrieb ich Maria eine SMS: „Hallo Geburtstagskind. Ich denke an dich und wünsche dir einen schönen Tag. Hab dich lieb. Petra.“

Am nächsten Tag sollte sich herausstellen, dass meine SMS nicht angekommen ist. Meine Handykarte war leer. Doch ich brauchte mich für meinen „Schnitzer“ nicht entschuldigen. Maria ist in der Woche zuvor gestorben.

Unsere gemeinsame Freundin Gundel rief mich an: „Petra, weißt du es schon?“ Und bereits während des Telefongespräches rangen in mir zwei Wesen miteinander. Das eine Wesen war traurig, weil eine liebevolle, warmherzige, fürsorgliche, wunderbare Frau von und gegangen ist. Das andere war froh darüber, dass die Freundin nicht mehr leiden musste.

Erinnerungen kamen hoch.
Unser erstes, gemeinsam besuchtes, Seminar am 21. und 22. Oktober 2000 beim Großmeister in Hamburg. Ich wollte für kleines Geld auf meiner Luftmatratze in der Turnhalle schlafen. Sie sagte: „Was? Nein, so machen wir das nicht. Ich habe genug Taschengeld mitgenommen. Du schläfst mit in meinem Zimmer.“ Widerstand war zwecklos. So wurde es gemacht, und jeder Versuch meinerseits ihr das Geld im Laufe der Jahre zurückzuzahlen scheiterte ebenso.
Unsere gemeinsame Übungsleiter-Prüfung am 13.10.2001, davor und danach zahlreiche Seminare und Jahreskurse bei Thilo und Wochenendseminare bei Jan.
Wir machten uns eine Freude daraus die andere bei einem gemeinsam besuchten Seminar mit mitgebrachten Köstlichkeiten zu überraschen.
Am 15. Dezember 2007 trafen wir uns zum letzten Mal in Hamburg zur „drei-Stufen-Sitzmeditation“.
Wir sahen uns weniger. Wir telefonierten gelegentlich miteinander. Sie war erschöpft, wurde körperlich schwächer. Die Krankheit folterte ihren Körper.
Sie war so tapfer.
Sie blieb positiv und übte sich weiter in Meditation und Qigong. Sie tat, was zu tun möglich war. Gen-Therapie, Chemo, besondere Ernährung, Schüssler Salze und ihre nach wie vor beeindruckende, klare, positive geistige Einstellung.
In unserem letzten Telefonat freute sie sich über einen Vogel, der am Morgen nur für sie gesungen hatte. Sie erinnerte sich an die schöne Zeit mit ihren Qigong-Kindern. Sie freute sich über den Frühling, der Einzug hält, über ihren lieben Mann Gerd, der jeden Tag bei ihr ist und über ihre Tochter, die sie am Morgen – wie an vielen anderen Morgen zuvor – gewaschen hatte.
„Es geht mit gut Petra.“ - sagte Sie. „Ich bin so dankbar.“ „Ich darf nur nicht in den Spiegel schauen. Dann wird mir schlecht. Das Gesicht, was mich da ansieht, ist nicht so wie ich mich fühle.“
Wir nahmen uns Zeit, redeten und nahmen Abschied voneinander.
Maria. Ich erinnere mich an eine fröhliche Frau, die scheinbar aus freudigem Übermut heraus einen freien Handstand in der Halle des SV Gifhorn macht.

Gestorben bist du am Geburtstag deines Sohnes, just in dem Moment als er anrief, beerdigt wurdest du an deinem eigenen Geburtstag, so wie du es in deinen Kalender geschrieben hast. So hast du den Kreis geschlossen und bis zum Ende das getan, was dir so besonders am Herzen lag: den Garten zu pflegen, damit die Kinder gut gedeihen.

Petra Hennings