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Zhanzhuang – meditative Standübung – Qigong des Chen Taijiquan

Dimitri Ivasiv

Guten Tag, ich bin ein 23 jähriger Student aus Sankt Augustin, Hobbysportler und möchte mit diesem Erfahrungsbericht kurz beschreiben was ich in einem Jahr Qigong erfahren und gelernt habe. Letzten Sommer habe ich mit dem Qigong-Übungssystem des Chen Stils der Chen Familie angefangen und das mit gutem Grund. Stress, Antriebslosigkeit, Depressionen waren meine jahrelangen Begleiter bzw. Beschwerden. Vieles hatte ich zuvor ausprobiert um wieder gesund zu werden, aber wirklich geholfen hatte mir nichts. So kam ich nach Jahren der Niedergeschlagenheit zu meiner jetzigen Kursleiterin Carolin Melcher, die mir an meinem zweiten Übungstag einen Rat gegeben hat: „Nicht denken, nicht versuchen zu verstehen, sondern einfach „zuhören“ und versuchen die Übungen richtig zu machen“. Genau das hatte ich dann auch getan und nun was soll ich sagen… ohne dass ich jetzt besonders überschwänglich klingen möchte, hatte sich mein Leben ab diesem Moment nach und nach spürbar mehr und mehr verbessert. Qigong hat mich gerettet! Oder besser gesagt durch die stehende Säule - Zhanzhuang bekam ich die Mittel bzw. ein Werkzeug an die Hand, Herr meines eigenen Lebens zu werden. Doch was ist passiert? Wieso hat mir gerade die „stehende Säule“ Zhanzhuang-Qigong so sehr geholfen?

Ein Grundbestandteil der Qigong Übung ist es zu lernen den Körper zu entspannen, Schultern, Hüften, Knie und Bauch lockerzulassen und tief in den Bauch zu Atmen. Ob klein oder groß, dick oder dünn spielt alles keine Rolle. Du bist wie du bist und es gibt keinen Grund sich für etwas zu schämen. Durch das tiefe Einatmen in den Bauch und durch das Entspannen des Körpers kommen wir langsam zur Ruhe, der Geist beruhigt sich ebenfalls und durch diese Ruhe bekommen wir allmählich mit was sich in unserem Inneren „Kern“ abspielt. Erinnerungen kommen hoch, die uns vielleicht belasten, unangenehme Gefühle machen sich bemerkbar, doch anstatt sich jetzt abzulenken, nehme ich diese Erinnerungen und Gefühle wahr, lasse sie sanft an mir vorbeischweben und suche durch das Entspannen des Körpers und durch tiefes, bewusstes Atmen in den Unterbauch die Ruhe auf. Ein Teufelskreis wurde durchbrochen! Meine Wahrnehmung hat sich verändert! Ein belastender Teil von meinem Unterbewusstsein wurde nicht verdrängt oder wurde von diesem gar überwältigt, sondern ich habe ihn wahrgenommen bzw. bemerkt, ihn angenommen und weil ich jetzt erahhnen kann was in meinem Inneren geschieht, kann ich Rücksicht auf mich selbst nehmen und spüre was mir gut tut und was nicht!

Wir sind Herr unserer Lage und unseres Lebens! Genau durch diese verbesserte Wahrnehmung wurde mir bewusst, wie viel Belastendes überhaupt in mir drin war. Später fing ich an durch die oben geschilderte Weise mich meinen Gefühlen und Gedanken anzunehmen und eine Sache nach der anderen, Stück für Stück lernte ich nicht nur mich selbst kennen, sondern verstand es Emotionen richtig einzuordnen und besser mit ihnen umzugehen. Ich gewann Klarheit in Bezug auf mich selbst und bei Unsicherheit wende ich immer wieder das an was ich im Qigong Kurs gelernt habe: Körper entspannen, in den Bauch Atmen, Gefühle und Gedanken kommen lassen, diese aushalten, kurz ansehen und Ordnung im Inneren und im Äußeren schaffen. Ich lasse mich nun nicht mehr durcheinander bringen, denn ich habe einen Anker. Das ist meine Erfahrung bzgl. der Qigong Übungen aus dem Chen Stil und ich hoffe ich konnte mit diesem Erfahrungsbericht etwas verdeutlichen, warum ich diese Meditationsform so sehr schätze und liebe.

Dimitri Ivasiv - Dortmund 2014

Auf diesem Wege möchte ich noch 2 Zitate mitgeben:
„Strebe nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht, nicht durch den Stillstand deiner Tätigkeit.“
Friedrich Schiller
„Das Weiche siegt über das Harte, jeder weiß das, doch niemand handelt danach.“
Laozi