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Bericht vom größten Taiji-Turnier in der VR China

Wie im Eilflug sind meine sechs Wochen Aufenthalt in China vergangen. Schweren Herzens habe ich meine zweite Heimat und viele Freunde erneut für unbestimmte Zeit verlassen. Doch mit Freude kann ich berichten, dass ich nicht mit leeren Händen nach Hause zurückgekehrt bin: Eine Gold- und eine Silbermedaille sind ebenfalls im Gepäck.

Schon bei meinem Abschied im letzten Jahr nach einjährigem Aufenthalt in der Chenjiagou Taijiquan Schule war klar, dass ich spätestens in den kommenden Sommerferien wieder dorthin zurück „muss“. Dass ich diesen von meinen Emotionen „angeordneten“ Aufenthalt auch noch mit dem international bekannten, alle zwei Jahre stattfindenden Taijiquan-Wettkampf in Jiaozuo kombinieren konnte, fiel mir erst im Frühjahr in Berlin während eines Gesprächs mit Chen Ziqiang auf. So ungeplant mein gesamter China-Aufenthalt im Folgenden auch verlaufen sollte, ein Ziel hatte ich auf diese Weise zumindest schon mal vor Augen: Eine Medaille wäre doch schön.

Ende Juli also reise ich, gespannt auf das, was mich erwarten wird, nach Chenjiagou. Durch Unterricht von Chen Ziqiang und Chen Xiaoxing werden meine Formen auf Vordermann gebracht; auch meine Chinesischkenntnisse erweitern sich stetig durch die geduldige Hilfe meiner Trainingskollegen. Außerdem machen mich einige Interviews verschiedener Zeitungen wieder bekannt im Ort.

Schnell eilt der 20.08.2011, der offizielle Eröffnungstag des Wettkampfes, herbei. Die Push-Hands-Teilnehmer müssen morgens gegen halb sechs bereits zum Wiegen nach Jiaozuo fahren, während ich das Glück habe, mich erst gegen Abend zur Eröffnungsfeier auf den Weg machen zu müssen. Trotz des immer mal wieder tröpfelnden Regens und einer Erkältung harren wir wacker auf den Steinstufen der Zuschauertribünen aus, um uns viele chinesische Berühmtheiten in Gesang, Tanz und Taiji auf der Bühne anzuschauen.

Nach einer recht kurzen Nacht werde ich dann am nächsten Tag wie auch an den Folgetagen bereits um kurz vor sechs zum Aufbruch geweckt. Mit 14 Personen in einem 9-Personen Bus geht es innerhalb einer guten Stunde über recht viele Schlaglöcher auf zum Wettkampfgelände. Da ich im offiziellen Wettkampfhandbuch vergessen wurde, muss ich mich zunächst um meine Wettkampfzeiten kümmern.

Nach anfänglicher Verwirrung kommt mir aber einer meiner Mitschüler zu Hilfe: Am dritten Tag morgens die Handform (3-4 Minuten Vorführzeit), abends die Schwertform (2-3 Min.) auf Feld 1. Für die ersten beiden Tage kann ich mir also entspannt die Begebenheiten etwas genauer ansehen. Viel Zeit verbringe ich bei den Jungs auf Feld 5 beim Push-Hands. Von unserer Schule treten dort etwa ein Dutzend Leute in den verschiedenen Gewichtsklassen an. Am letzten Turniertag ist nach vielen Duellen immer noch die Hälfte im Rennen: Vier erste Plätze und ein Zweiter gehen an die Taiji-Schule in Chenjiagou; darauf ist sogar Chen Ziqiang, der uns die ganze Zeit betreut, ein wenig stolz! So war er es auch, der uns täglich mit einem guten Mittag- und Abendessen versorgt hat. Gegen 22 Uhr treten wir jeweils die Heimfahrt an.

Am dritten Tag, an dem auch in Chenjiagou große Festlichkeiten (mit u. a. Chen Xiaowang) stattfinden, komme ich morgens gerade so rechtzeitig an, dass ich noch vor dem Aufrufen in die Halle, dem Geruch folgend, die Toilettenrinne aufsuchen kann. Bis ich wirklich auf den Teppich darf, dauert es dann allerdings doch noch ca. eine halbe Stunde – da ward selbst eine Vera mitunter etwas nervös. Mit ein wenig Zittern in den Händen und ohne Brille, wie blind, betrete ich den Platz Nr. 4 auf dem grünen Teppich. Nach circa dreieinhalb Minuten ist dann auch schon alles vorbei, und ich werde am Ausgang von Reportern in Empfang genommen (wodurch ich meine Bewertung leider nicht mehr mitbekomme). Meine Schwertform am Abend verläuft ähnlich, außer dass von den Zuschauertribünen her noch Anfeuerungsrufe und Geklatsche zu hören sind. Und wie ich am nächsten Tag erfahre, haben sich zum Glück die Prophezeiungen einiger meiner Mitmenschen bewahrheitet: Ich habe sowohl eine Gold- als auch eine Silbermedaille gewonnen! Extra für die Abschlussveranstaltung kommt von unserer Schule ein ganzer Bus voller Schüler, da diese dort einen Part der Vorführungen übernehmen.

Zusammenfassend kann ich also sagen: Der Wettkampf hat sich sowohl für die Schule als auch für mich persönlich sehr gelohnt! Es war wieder einmal eine neue, wundervolle, unvergessliche Erfahrung; vielen Dank dafür!

Vera Dorothea Neumann