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Taiji und Urlaub in Bulgarien

An der Schwarzmeerküste, etwa 50 km südlich von der 200.000-Einwohner-Metropole Burgas gelegen, liegt an der Mündung des von üppigem grün gesäumten 'Teufelsfluss' der Kurort Primorsko, in dem ich meinen Urlaub wieder einmal mit einer TaiJi-Fortbildung verbinden wollte. Diesmal bei einem Workshop in Bulgarien, auf das mich Eleonora, eine bulgarische Mitteilnehmerin des Pushhands-Camps mit Jan auf Mallorca 2009 aufmerksam gemacht hat. Es handelte sich um die Facebook-Fan-Seite unseres allseits geschätzten Großmeisters Chen Xiaowang, der mit Zeit gehend, sich dort präsentierte.

Organisiert wurde der Workshop – nein, ein Camp war es nicht - von unserer Schwester-Organisation WCTA-BG in Person von Svetoslav Somov und fand, in lockerer Urlaubs-Atmosphäre und für bulgarische Verhältnisse kalten 31 bis 38 °C mitten in der Hochsaison statt, etwa zu der Zeit, als Chen Yingjun in Hamburg Unterricht gegeben hat. Die überwiegend bulgarischen TeilnehmerInnen teilten sich in etwa so auf: den Schülern der WCTA-BG, was man (fast) mit der Stadt Plovdiv gleichsetzen kann, der bulgarischen Filiale der russischen INBI in Sofia, lokalen TaiJi-Interessierten aus Burgas und Primorsko sowie Kung Fu-Schülern, die hauptsächlich an der Laojia Erlu interessiert zu sein schienen.

Etwa 15 % der ca. 80 Teilnehmer bildeteten dann den internationalen Rahmen des Workshops. Sie kamen, soviel ich weiß, aus Rumänen (4), Kroatien (3), Italien (2), Portugal (1), Lettland (1) und eben Deutschland (3), und fanden sich überwiegend in dem von Svetoslav aufgelisteten, allerdings älteren Hotel - das einzige auf der Liste mit Klimaanlage - wieder, etwa 20 Gehminuten durch die stark belebte Hauptgeschäftsstraße vom Quartier des Großmeisters getrennt, der mit seiner europäischen Familie und der von Svetoslav am lebhafteren Nordstrand den Urlaub verbrachte.

Die Bulgaren selbst sind ein stolzes Volk, pragmatisch in vielen Dingen des Alltags, gläubig, sehr hilfsbereich und freundlich, wenn man erst mal „warm“ mit Ihnen geworden ist. Englisch oder Deutsch sprechen die wenigsten, was aber kein größeres Problem darstellte. Mit russisch käme man schon weiter, hat man doch dorthin die kyrillische Schrift exportiert, wie den Ayran in die Türkei. Mit den Russen hat man auch die tiefe Religiösität und die Marienverehrung gemein, die in der orthodoxen Kirche viel stärker ausgeprägt zu sein scheint als bei uns in der katholischen Kirche. Den Altar in einer Kirche darf nur der Priester sehen und setzen darf man sich während des dreistündigen Gottesdienstes auch nur auf „Pharisäer“-Stühle, die so gebaut sind, dass man nicht sehen kann, ob jemand sitzt oder nicht. Auch hat scheinbar jeder Busfahrer ein Heiligenbild am Armaturenbrett. Der Zustand der Straßen und der einiger Busse mag das nötig erscheinen lassen.

Bulgarien ist durchaus eine Reise wert, wenn auch für uns Mitteleuropäer der September der bessere Monat für einen Besuch oder Workshop wäre. Aber unser Großmeister mag eben die Temperaturen ab 35 °C aufwärts, was ihn, wie er mir sagte, an zuhause erinnert. Mögen sie ihm gegönnt sein.

Günter Oelgemöller