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Tai Ji, mein Hund und ich

Als ich meinen Blindenführhund Kimmy bekam wurde meine Mobilität erheblich verbessert. Ich konnte überall hingehen ohne auf andere angewiesen zu sein. Darum entschied ich mich eine Sportart anzufangen um noch unabhängiger zu werden.

Zuerst fragte ich bei einigen Aerobic- und Gymnastik-Kursen. Die Trainer traute es sich aber nicht zu mich als Blinde zu trainieren. Danach nahm ich Kontakt zu meiner Krankenkasse auf. Ich fragte nach Sportarten die für mich als Blinde in Frage kommen würden. Mir wurde am Telefon eine ganze Liste vorgelesen unter anderem auch Tai Ji. Ich stellte mir darunter einen entspannenden nicht allzu anstrengenden Sport vor und dachte dabei immer an ältere Chinesen im Park, die kunstvolle, langsame Bewegungen machten. Mein Interesse an Tai Ji war geweckt.

Also vereinbarte ich einen Termin mit dem Taiji Trainer Robert Waag, der die ersten paar Stunden zu mir Nachhause kam, um herauszufinden, ob es ihm gelingen würde, alles für mich verständlich zu beschreiben. Das klappte ganz gut.

Ich dachte immer ich wäre einigermaßen fit durch meine Hündin Kimmy, mit der ich jeden Tag 10 km laufe, aber die ersten Stunden waren sehr anstrengend und ich spürte Muskeln, an die ich früher nie gedacht hatte. Ich entschied mich trotzdem weiterzumachen.

Im Januar ging ich das erste Mal in die reguläre Gruppe. Ich wurde super aufgenommen. Ganz normal und total freundlich. Ich gehörte sofort dazu und habe mich schon beim ersten Training als Teil der Gruppe gefühlt. Mir wurden einige Fragen gestellt, insbesondere über meine Hündin Kimmy, die immer am Rand sitzt und uns alle beobachtet. Sie gehört mittlerweile auch dazu. Meine Lehrer Robert und Sonja geben sich sehr viel Mühe mit mir. Sie überlegen sich, wie sie mir die verschiedenen Sachen beschreiben und beibringen können.

Mir bringt diese Sportart Ausgeglichenheit von Körper und Geist, bessere Körperbeherrschung, einen besseren Gleichgewichtssinn (der für mich als Blinde sehr wichtig ist), ein höheres Selbstwertgefühl und ein Stück mehr Selbstständigkeit. Mein Gedächtnis wird dadurch sehr gut trainiert, weil ich mir alles merken und vorstellen muss, ohne es zu sehen.

Ohne Robert und Sonja wäre das alles gar nicht möglich, da sie sich extra Zeit für mich nehmen und mir alles noch einmal anders und für mich besser verständlich erklären. Dabei werde ich aber nicht von der Gruppe abgeschottet sondern voll und ganz integriert. Ich gehöre dazu. Tai Ji und die Integration in die Gruppe haben mein Leben verändert. Es ist aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken.

Schülerin Hannelore Knoblauch, Salzgitter